Castra Regina, das Kastell der Königin

Legionslager Castro ReginaModell des Legionslagers

Nach der Zerstörung eines Kohortenkastells auf einem Bergsporn bei Regensburg, wurde um 170 auf Befehl Kaiser Marc Aurels ein neues Kastell auf dem Gebiet der heutigen Altstadt Regensburgs errichtet. Die Anlage diente zur Unterbringung III. Italische Legion, deren Kommandant zugleich auch der Statthalter der Provinz Raetia war. Das steinerne Legionslager hatte Fläche von 24,3 ha und wurde von einer etwa 8 Meter hohen und 2 Meter starken Mauer umgeben die mit 30 Türmen befestigt war. In der Folgezeit entwickelte sich auf der Westseite des Legionslagers eine ansehnliche Zivilsiedlung in der sich Händler und Handwerker nied- erließen. Die Siedlung erlebte eine annähernd 100 Jahre dauernde Blüte- zeit, bis mit dem Ausbruch der Reichskrise ihr Niedergang erfolgte. Bei Überfällen, die sich zwischen 278 und 288 ereigneten, wurde das Kastell und die Siedlung in Teilen zerstört und niedergebrannt. Das Kastell wurde zwar später wieder aufgebaut, aber nun in deutlich kleinerem Umfang. Dies war auch dem Umstand geschuldet, dass zu jener Zeit Legionen nur noch eine Stärke von 1000 Mann umfassten.

Regen FlussGroßer Regen

Nach Auffassung des Sprachforschers Albrecht Greule soll der Name Castra Regina durch den ähnlich klingenden Flußname Regen entstand- en sein, der unweit des Kastells in die Donau mündet. Als Argument dient ihm dabei das indogermanische Präfix `reg´, das mit feucht sein übersetzt wird. Dabei verweist er auch auf das lateinische Verb rigare, bewässern, das seine Argumentation unterstützen soll. Greule sieht dabei eine ganze Reihe von Flur- und Ortsnamen, die dieser indogermanischen Wurzel entstammen. Der Name taucht in den  Flüssen Rega, einem Zufluss zur Ostsee in Hinterpommern; in der Regala, einen Oderarm bei Stettin und ebenso beim  Rye, einen Fluss in Yorkshire, auf.
Nach dem Untergang des Römischen Reiches taucht der Stadtname in nun veränderter Form um 770 als Radaspona in einer Urkunde von Arbeo von Freising auf. Betrachtet man jedoch die Geometrie des Kastells mit seiner Ausrichtung nach Südosten, zeigen sich andere Gründe die zum Namen der Stadt geführt haben. Auch hier dürfte, wie bei den anderen Kastellen entlang des Limes, die Ausrichtung nicht an einen zufällig vor- gefunden Flusslauf erfolgt sein, sondern wurde ebenfalls nach einem wichtigen Sonnenaufgangspunkt ausgerichtet. Doch die Achsausricht-  ung des Kastells war so gewählt, dass durch Sternsichtungen ebenso   die wichtige Feiertage, wie die Ludi Apollinares und Ludi Romani mark-  iert waren.

Regensburg Plan1Castra Regina – Ausrichtung

Der 5. März, an dem das Schiff der Isis gefeiert wurde, bestimmte die Achsenausrichtung des Kastells. Zusammen mit dem Fest der Auffind- ung des Osiris die vom 28. Oktober bis 3. November gefeiert wurden, waren diese die beiden wichtigen Feiertage des Isis-Osiris Mythos. Zeit- gleich mit dem Frühlingsfest am 5.März wurde die Eröffnung der Seefahrt gefeiert. Mit diesem Fest wurde an die Seefahrt der ägyptischen Göttin Isis nach Byblos erinnert, die dort nach Osiris, ihrem von seinem Bruder Seth zerstückelten Gemahl suchte.

SchiffsprozessionRückkehr der Schiffsprozession

In Ägypten galt Isis als Lebensspenderin, Herrin des Urhügels, oder     auch als Herrin und Göttin von Philae, So finden sich im Heiligtum in Mogontiacum, dem heutigen Mainz der Isis gewidmete Inschriften, in denen die Zusätze Panthea, Allgöttin; oder Regina, die Königin verwend-  et wurden.  Die Ausdehnung des römischen Imperiums brachte den Ein- fluß orientalischer Kulte mit sich. Doch seit der Gründer des flavischen Kaiserhauses, Kaiser Vespasian, in Alexandria von der ägyptischen Gott- heit Serapis seine Bestimmung zur Herrschaft erhalten hatte, hatten die Flavier einen noch engeren Bezug zu orientalischen Kulten. Sie sahen die ägyptische Göttin Isis als eine Repräsentantin des Kaiserkultes, vergleich- bar der Position der Venus im julischen Kaiserhaus.
Doch auch zum Wappen der in der Castra Regina stationierten Legio III Italica Concors lässt sich ein Bezug zur Isis knüpfen. Im Volksglauben ist der Storch ein Glücksbringer, der heute noch die Kinder bringen soll. Doch der alte Name Adebar, aus dem mittelhochdeutschen Worten `odebar´     abgeleitet, setzt sich zusammen aus dem Wort `bern´, tragen oder bringen und `Od´,  Besitz oder Atem. Dies zeigt auch die einstige Rolle des Storches, der früher entweder als Gabenbringer, aber mehr noch als Seelentier zum Überträger  des Atems, also des Lebens gesehen wurde. Eine Funktion, die auch die Göttin Isis inne hatte.

Münze Storch Doppeldenar (Antoninian) des Gallienus, geprägt um 260

Sie wurde später auf Maria übertragen, der die Alte Kapelle zu unsrer Lieben Frau gewidmet ist. Die Kirche ist ein typisches Beispiel später-     er Umwidmungen mit einem oder auch mehrerer Patrozinien.  Nicht nur die Eigenschaften, auch formale Verwandtschaften finden sich bei Isis   und Maria. So stellt das Gnadenbild der Kirche eine Marienfigur dar die große Ähnlichkeiten zu alten Isisdarstellungen aufweist. Sie entspricht  dem Figurentyp der Maria-Hodegetria, ähnlich den Isisdarstellungen mit Horuskind.  Auch hier träg die Madonna ihr Kind in einer ähnlichen Posit- ion auf dem Arm. Segnend sitzt es aufrecht auf ihrem Arm und hält bei diesem Figurentyp häufig eine Schriftrolle in der linken Hand.

Isis- MariaMaria – Isis

Bilder: Wikipedia/ Castro regina- Dr. Christof Flügel – document Niedermünster, CC BY-SA 3.0 / Regen- Mvornehm, CC BY-SA 3.0 Isis – Rückkehr nach Edfu- http://www.nefershapiland.de / Münze mit Storch – Classical Numismatic Group, Inc. http://www.cngcoins.com , CC BY-SA 3.0

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