Schloss Monrepos, der Hohenasperg und die Auferstehung

Mon repos hohenaspergSchloß Monrepos, zeitgenössische Ansicht

Das Seeschlösschen in der Nähe Ludwigsburgs gehört zu einer Reihe württembergischer Residenzen, die in der Zeit des Barock und Rokoko errichtet wurden. Beim Anblick des Sees mit seinen reizvollen Inseln erscheint der Name, der sich aus den französischen Worten mon reops, meine Ruhe oder Erholung ableitet, allzu verständlich. Doch auch dieses Gebäude enthält eine tiefere Symbolik, die über den heute so strapazierten Begriff des Erholens weit hinausgeht.

Herzog Eberhard LudwigHerzog Eberhard Ludwig, Darstellung um 1700

Bereits 1714 ließ Herzog Eberhard Ludwig am nordöstlichen Ufer des Eglosheimer Sees einen achteckigen Pavillon, sein `Seehäuslein´ er- richten. Ab 1755 begannen die Arbeiten für die rechteckige Einfassung  des Sees und dessen Umgestaltung nach den Prinzipien des barocken Gartenbaues . Gleichzeitig beauftrage der Herzog den Architekten Philippe de La Guêpière mit der Planung eines barocken Lustschlosses.               La Guêpière wurde an der Pariser Académie d’architecture ausgebildet und nach dem plötzlichen Tod des württembergischen Hofarchitekten Leopoldo Rettis, 1752 zu dessen Nachfolger am Hof berufen. Er war Vertreter einer neuen Stilrichtung die sich vom überladenen Stil des Rokoko abwandte und den neuen Goût grec vertrat, jenen klassischen Baustil, der mit einer freien Anwendung antiker Formen versuchte, die Baukunst in einer klassischen Richtung weiterzuentwickeln.

Architekturphantasie  Architekturfantasie: Obelisk mit Brunnen, Louis-Joseph Le Lorrain 1745

Bereits vier Jahre nach dem Beginn der Arbeiten wurden sie aber wied-   er eingestellt, da Herzog Carl Eugen seine Schwerpunkte in anderen Schlossbauprojekten sah. Herzog Friedrich I. , der seit 1806 König war, interessierte sich wieder für die idyllisch gelegene Anlage und ließ von seinem Hofbaumeister Nikolaus Friedrich von Thouret eine Umgestaltung des Schlosses im klassizistischen Stil planen, der die Veränderung des barocken Seegartens in eine Gartenanlage einschloss, die vom zeitge-nössischen englischen Landschaftsideal geprägt war. Doch erst im       Jahr 1804 erhielt das schloss auf Anweisung des Kurfürsten den Namen Monrepos. Dabei verweist er aber nicht auf das inzwischen geschaffene idyllische Bild des englischen Landschaftsgartens, sondern auf die tieferen geistigen Hintergründe ihrer Erbauer.

König Friedrich I.                 König Friedrich von Württemberg im Krönungsornat,                                           Bildnis von Johann Baptist Seele , um 1806

König Friedrich I. von Württemberg war nicht nur Angehöriger einer Frei- maurerloge, sondern übte gleichzeitig auch das Amt als Landesbischof der Evangelischen Landeskirche von Württemberg aus . Unter seiner Regentschaft vollzog sich damals der allmähliche Wandel von der über- wiegend orthodox-lutherischen Landeskirche, die als das `Lutherische Spanien´galt, zu einer `mild-lutherischen´ Landeskirche. Zu dieser Zeit  war das Kernland Württembergs geprägt von den geistigen Strömungen des Pietismus, der ab späten 17. Jahrhundert in unterschiedliche Facet- ten entstand. Seine radikalere Ausrichtung förderte innerhalb den luther- ischen und reformierten Kirchen auch vermehrt das Verlangen von myst- isch-spiritualistischen Erfahrungen. Die Wurzeln dieser geistig-religiösen Strömung sind jedoch vielschichtig: Zum einen bildeten Ideen des myst- ischen Spiritualismus eine Grundlage, die zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert entstanden, ebenso auch die radikale Rezeption von Werken Johann Arndts. Arndt war ein Theologe, der unter dem Eindruck mittel- alterlicher Schriften eine neue religiöse Mystik propagierte. Dieses Be- dürfnis nach mystischer Ehrfahrung führte auch zur eingangs erwähnten Symbolik des Bauwerkes, die auch Friedrichs Zugehörigkeit zu einer Loge entsprach. Die Beweggründe verdeutlicht ein Vers aus dem vergleichen- den Handbuch der Symbolik der Freimaurerei mit besonderer Rücksicht auf die Mythologieen und Mysterien des Alterthums, das Dr. Jos. Schauberg 1861 in Zürich veröffentlicht hat.

Pere-LachaiseFriedhof Pere Lachaise

Das Grab ist tief und stille,
Und schauderhaft sein Rand,
Es deckt mit schwarzer Hülle
Ein unbekanntes Land.

In dem Kapitel über den Meister, den obersten Grad der Freimaurer wird auch das Denkmal der Meister beschrieben. Dabei wird zwischen den unterschiedlichen Lebenszielen von Gesellen und Meistern klar unter- schieden. Während Schauberg bei Gesellen das tätige Leben, die Leb- enskunst, sowie die menschliche Baukunst im Vordergrund sieht, be- schäftigt sich der Meister mit dem Menschen im Tode und nach dem  Tode, also mit der maurerischen Lehre von den letzten Dingen. Schau- bergs Ausführungen zufolge lernt der Geselle leben, doch der Meister  aber soll sterben lernen, sofern er zuvor rechter Geselle gewesen ist. Deshalb lebt er nach der Losung des Meisters: `Memento mori! Gedenke deines Todes und bereite dich durch ein würdiges Leben dazu vor!´
Aus diesem Grund ist es nur allzu verständlich, daß zwei Visuren die Ausrichtung das Schlösschen bestimmten:. Die Hauptachse, die auf den Sonnenuntergangspunkt der Wintersonnenwende ausgerichtet ist und eine zweite, die auf die Mitte des Hohenasperg zielt.

Monrepos Plan1Monrepos – Sonnenbezüge

Monrepos Plan2Monreops – Achsen

Die zweite bestimmte aber nicht nur die Proportionen des einstigen rechteckigen   Parkgeländes, sondern auch die Achsen des Schlossbau- körpers. In dies- er Richtung war an Allerseelen der Sonnenuntergang über dem Hohenas- perg zu sehen. Sie entspricht der Grundlehre des Meister- grades, der getreu eines Spruches an die Unvergänglichkeit des Geistes und seinem einstigen Eingehen in das ewige Licht glaubt; `Deponens aliena ascen-dit unus; von der Erdenlast befreit, schwingt sich der Geist zum Himmel auf!´ Somit bekommt der Name Monrepos eine weitaus tief- ere Bedeutung als nur ein Ruhesitz in landschaftlich schöner Umgeung zu sein.

Bilder: wikpiedia / Herzog Eberhard Ludwig / König Friedrich I – File:900-221,  Wuselig / Architekturfantasie: Obelisk mit Brunnen von Louis-Joseph Le Lorrain um ca. 1745 – DcoetzeeBot, Simulation, sunearthools

 

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