Das vergessene Symbol – Teil 1

Runinen von Sais 1855Die Ruinen von Sais, um 1855

`Ich bin alles, was da war, was da ist und was sein wird. Meinen Schleier hat kein Sterblicher gelüftet´.

Nach dem griechischen Schriftsteller Plutarch ist dies der Wortlaut einer Inschrift in der griechisch-ägyptischen Handelsstadt Sais. In ähnlichem Sinngehalt wurde er auch in einer spätantiken Bildinschrift nachgewießen das die Göttin Isis darstellte. Nach der Überzeugung Plutarchs drückte    der Spruch die Vorstellung des Alten Ägypten aus, dass die ewige Wahr- heit nur in verhüllten Form überliefert werden könne. Der Spruch wurde   zu einem Topos der Spätantike und der frühen Aufklärung. Das Motiv ver- körperte sowohl die Unfassbarkeit des Göttlichen wie der Natur als Ganzes.
Die Faszination der ägyptischen Göttin hielt auch nach dem Erlöschen ihres Kultes während des 6. Jahrhunderts auf vielfältige Weise an. So legen die Wagen des rheinischen Karnevals legen noch heute ein Zeug- nis über die alljährlich am 5. März stattfinden Prozessionen mit Schiffs- karren ab.

schiffskarrenSchiffsprozession

Sie wurden als Erinnerung an die Schiffsreise der Isis nach Byblos durchgeführt, die dort nach ihrem zerstückelten Gemahl zu suchte. Während der Christianisierung wurden dann viele Eigenschaften und Attribute der Isis auf die Gestalt Marias übertragen. Im 18. Jahrhundert     als im Zuge der Aufklärung auch eine Rückbesinnung auf antike Tradit- ionen erfolgte, flammte die Begeisterung für die ägyptische Göttin er-   neute auf. So stellte Schillers Ballade `Das verschleierte Bildnis von     Sais, eine literarische Adaption des Stoffes dar. Schiller legte den ent- scheidenden Satz einem Hüter der Mysterien in den Mund, der ihn als Warnung an all jene sah, die sich Zugang zum Mysterium verschaffen wollten, um das Gottesbild zu sehen.

Dessau luissauDas verschleierte Bild zu Saïs im Park Luisium / Dessau

Auch Novalis griff das Isis-Mysterium in seinem Werk `Hyacinth und Rosenblüth´auf, ebenso auf wie Kant in seiner Schrift `Kritik der Urteils-kraft. Die wachsende Popularität der Isis förderte auch die Begeister-    ung für Mysterienkulte, wie den ägyptischen Ritus, den Graf Alessandro Calligiostro in die Freimaurerei einführte.

Isis 02Isisdarstellung in Abydos

In Bildnissen wurde die Göttin Isis schon in frühen Darstellung, wie auf einem Relief in Abydos aus der 19. Dynastie, mit dem charakteristischen Doppelhorn und der darin eingepassten Sonnenscheibe dargestellt. Sie war eine der mächtigsten Göttinnen des Alten Ägypten und nur Dank ihre Hilfe konnte Osiris, ihr Bruder und Gemahl wieder auferstehen und sein Nachfolger Horus der Herrscher in der diesseitigen Welt werden. Sie galt als Herrscherin im Himmel und Königin auf der Erde. Ihr erlittenes Leid nach der grausamen Zerstückelung ihres Gemahls durch seinen Bruder Seth, machte sie zu einer beliebten Identifikationsfigur in Ägypten und später auch im gesamten römischen Reich.

Wie die Entwicklung im 18. Jahrhundert aber zeigte, wurde Isis mehr und mehr ihrer komplexen Bedeutung beraubt und auch ihre Attribute wurden zu leeren Zeichen. Die Entwicklung des Zerfalls griff der Kunsthistoriker Hans Sedlmayr mit seinem 1948 erschienenen Buch `Verlust der Mitte´auf, mit dem er die kunsthistorische Welt aufrüttelte. Mit einem Verlust der Mitte bezeichnete er nicht nur den Zerfall des Gesamtkunstwerkes nach dem Barock in voneinander unabhängige Einzeldisziplinen, sondern auch den Verlust des rechten Maßes, das sich auf den Menschen stützte. In der Quintessenz bedeutete dies für Sedlmayr auch einen wachsenden Verlust an Spiritualität und damit auch ein gestörtes Verhältnis zu einer göttlichen Instanz.

Der Kopfschmuck der Isis besteht aber keinesfalls nur aus zusammen-  ge setzten Zeichen der  früheren Fruchtbarkeitssymbole, wie dem Kuh- horn und der Sonne, sondern offenbart bei näherer Betrachtung eine vielschichtige Bedeutung deren Ursprünge in Uruk liegen.

EUREurozeichen

Isis PlanIsis-Euro

Obwohl ihre Geschichte längst vergangen scheint, bestimmt der Mythos der Isis Europa nach wie vor. So verweist auch das Eurozeichen mit sein- en Proprtionen und der Aufteilung auf den Kopfschmuck der Isis.  Es fehlt ihm zwar die einstige Ausgewogenheit der Proportionen, doch mit der Schräge von 22,5° Grad, einem 16-tel des Erdkreises,  verbindet sich das Zeichen mit der alten Geometrie der Kuhhörner. Und auch die Proportion von 4 zu 5 Teilen zwischen den abstrahierten Doppelhörnern und dem Kreis, nimmt mit der 5 die  Zahl der Isis auf. In der 16, aber auch im ob- eren Öffnungswinkel von 80° taucht jeweils die Zahl 8 auf, die das Zeichen ebenfalls mit den ägyptischen Wurzeln unserer Kultur verbinden. So stand die Zahl dort für die 8-blättrige Lotusblüte, die einst aus dem Urozeans des Chaos entwuchs. Über dem Wasser öffnete sie ihre Blüte und entließ die vergöttlichte Sonne, den Sonnengott Re, auf ihre Bahn. Damit wurde Re der mächtigste Gott des Alten Ägypten, denn erst er ermöglichte das Wachstum und Gedeihen des Landes.

Im Sinne Sedelmyrs ist auch das Zeichen des Euro zu beurteilen. Der einstigen Ausgewogenheit beraubt, erinnert seine Geometrie an die Suche den vergessenen Sinn des Symbols wiederzufinden. Doch das Zeichen verblasst nun vollends, angesichts der neuen Bedeutung die in ihm geseh- en wird. Nicht mehr das Gedeihen und das Wachstum der Landschaft stehen im Vordergrund, sondern allein die Währungsspekulation, die den Sinn des Symbols nun völlig entstellt.

Bilder: Wikipedia/ Skulptur Das verschleierte Bild zu Saïs im Park Luisium ,CC BY 3.0, M_H.DE – eigenes Werk / Euro-Zeichen, Erina – Eigenes Werk

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5 Gedanken zu „Das vergessene Symbol – Teil 1

  1. Die Sonne, lebensspendendeKraft, wird im EURO pervertiert
    zum Wachstum der Finanz
    maerkte. Fuer den Menschen bedeutet es, wie
    Sedlmayr sagt,
    auch“ Verlust der
    Spiritualitaet
    und ein gestoertes Ver
    haeltnis zu einer goettlichen Instanz“ Gott wird zu Geld. Statt an den Beduerfnissen
    des Menschen
    zu wachsen, waechst die
    Wirtschaft am
    Wachstum der
    Produkte.
    Die sog. Illuminati haben das Symbol der Sonne bewusst
    missbraucht um den Menschen
    von seinem
    Urquell abzuziehen. Alle
    Massnahmen
    der Nahrungs und Genussmittel- der Pharma- und der Impfindustrie
    gehen in die Richtung, dieber
    Menschen zu
    vergiften. Gesunde zu
    Kranke werden
    zu lassen.
    So vermehrt sich das BSP. Ein Kranker ist fuer die “ Maerkte“ erheblich mehr
    wert als ein Gesunder. So werden Krank
    heiten erfunden, Epidemien erschaffen um
    Maerkte florieren zu lassen.

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