Die Johanniskirche und die Ringlegende

Johanniskirche1Johanniskirche – Schwäbisch Gmünd

Einer Sage zufolge war ein verlorener Ring der Grund für den Bau der ältesten Kirche in Schwäbisch Gmünd. Allein vier unterschiedliche Fass- ungen bildeten die Grundlage einer Erzählung die zur Gründungslegende der Stadt an der Rems wurde. Die Hauptperson der Sage ist Agnes, die Tochter des Salierkaisers Heinrich IV, die im Alter von 7 Jahren mit dem Herzog Friedrich I. von Schwaben, dem späteren Friedrich I von Hohen- staufen verheiratet wurde. Eine Version der Sage erzählt, dass Agnes    den Ring während einer Jagd mit ihrem Gemahl verloren haben soll und   in ihrer Verzweiflung gelobte, an der Fundstelle eine Kirche bauen zu lassen. Ein Jäger soll später den Ring dann im Bauch eines getöteten Hirsches gefunden und damit das Eheglück der beiden gerettet haben.

Staufersaga 1Fetsspiel – die Staufersaga

Der Ursprung der Sage lässt sich bis auf das Jahr 1595 zurückführen    als in den `Annales Suevici´ des Tübinger Professors Martin Crusius    eine Abhandlung über die Vergangenheit der Freien Reichsstadt Gmünd erschien. Darin kommt Crusius auch auf den latinisierten Stadtnamen Gamundia zu sprechen der sich aus den Worten Gaudia mundi, Freud-  en der Welt, entwickelt haben soll. Nach seiner Auffassung erforderte der eine gesonderte Betrachtung und er führt dabei als Quelle die Bücher der Lorcher Mönche an, die von dem verlorenen Ring der Agnes von Hohen- staufen berichteten. Doch in seiner Ausführung schwächt Crusius den scheinbar historischen Tatbestand selbst ab und lässt es offen, ob die Geschichte wahr oder von den Mönchen nur erfunden wurde. Jedenfalls wurde der Ring gefunden, schreibt er, und Friedrich habe die der Stadt anschließend mit seinem Ausspruch: Gaude munde, annulus repertus est , Welt freue dich, der Ring ist gefunden der Stadt ihren Namen verliehen.

Martin CrusiusMartin Crusius, Anton Ramsler um 1590

Nach ihrer Erbauung, die zwischen 1210 und 1230 vermutet wird, hat     die Johanniskirche eine wechselvolle Geschichte erlebt. Der heute sicht- bare romanische Baustil ist zum großen Teil der letzten großen Umge- staltungsphase im in der Zeit des Historismus geschuldet, als die Kirche unter der Leitung des Architekten Hermann Steindorff reromanisiert wurde. Bereits 300 Jahre nach ihrer Erbauung kam es zu ersten Umbauten der Kirche bei denen ein zweijochiger gotischer Chor gebaut und die beiden Seitenschiffe erhöht wurden. Ganz dem sich wandelnden Zeitgeschmack verpflichtet wurde die Kirche zu Beginn des 18. Jahrhunderts abermals verändert und dabei mit aufwendigen Stuckarbeiten dem Stilempfinden des Barock angepasst.

Joahnniskirche im gotischen Stil

Geweiht ist die Kirche Johannes dem Täufer dessen Gedenktag am        24. Juni, also kurz nach der Sommersonnenwende gefeiert wird. Der römische Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtet über Johan- nes, dass er wie ein Asket in der Wüste lebte und dort ein Gewand aus Kamelhaaren mit einen ledernen Gürtel um seine Hüften trug. So karg    wie seine Kleidung soll auch seine Nahrung gewesen sein, die aus Heuschrecken und wilden Honig bestanden haben soll. Bei seinen Predigten verkündete er am Ufer des Jordan dem jüdischen Volk den    lang ersehnten Messias und vollzog dort die Bußtaufe. Sie war ein    Symbol der Rettung, angesichts des vorausgesagten Weltgerichtes.
Diese Taufe erhielt auch Jesus an einer Stelle in Bethanien die heute   Qasr el Jahud genannt wird. Das Christentum sieht in Johannes den letzten großen Propheten, der das Kommen des Messias vorbereitete. Doch dabei erregte Johannes den Zorn des Königs Herodes, weil er      ihm die unrechtmäßige Verbindung zu seiner Schwägerin Herodia vor- warf. Aus Rache bewog sie ihre Tochter Salome vor ihrem Vater zu tanzen, damit er ihren einen Wunsch erfülle. Ihr Plan ging auf und sie forderte das Haupt des Johannes. Mit diesem Hochfeiertag der Kirche sollten die traditionelle Feiern zur Sommersonnenwende ersetzt werden.

 Johanniskirche Plan1Johanniskirche, Baulinie

Doch betrachtet man die Baulinie der Kirche genauer, fällt die eklatante Abweichung von der Richtung zum Sonnenaufgangspunkt am 24. Juni um knapp 2 Monate auf. Dies könnte zwar durch ein Doppelpatrozinium erklärt werden, bei dem die Winkel zwei er Aufgangsrichtungen addiert werden, doch davon ist auch in den ersten Aufzeichnungen nicht die Rede. Viel mehr weist die Baulinie der Kirche auf den Sonnenaufgang am 22. August, der um 1150 dem 15. August im julianischen Kalender entspricht. Doch an diesem Tag wird Maria Himmelfahrt gefeiert, ein bedeutender Feiertag im Kirchenjahr. In der wachsenden Marienverehrung des Mittelalters zählte er zu den wichtigsten Marienfeiertagen im Kirchenjahr.
Dies würde auch der Sicht des Gmünder Chronisten Vogt entsprechen, der im 17. Jahrhundert bei der Schilderung der Ringsage das Patrozinium der Kirche nur in einer Randbemerkung erwähnt. So schreibt Vogt, daß die Johanniskirche, die ungefähr in der Mitte der Stadt liege, der erste Bau der Stadt gewesen sei. Die Madonna mit Kind am Südwestpfeiler der Kirche, die heute als Staufische Madonna bezeichnet wird, solle andeuten, dass Maria `dis Orths Patronin seyn soll´.

staufische Madonna 1staufische Madonna

War also der Vorgängerbau tatsächlich Maria geweiht, musste sich die   neu erbaute Johanniskirche den Zwängen der alten Grundmauern fügen. Mit der später entstandenen Sage werden die Ungereimtheiten der Ausrichtung aber wieder mit der Johannislegende verbunden. Agnes, deren Name rein oder heilig bedeutet, findet den Ring, das Symbol des neuen, durch Johannes den Täufer verkündeten Glaubens in einem Hirsch. Er aber stellt in der christlichen Ikonographie als äsender Hirsch das Symbol der getauften Seele dar.

irenenringDer Irenenring, Ausagnagspunkt der Legende – die vermutete Trägerin, die Stauferkönigin Irene

Bilder: Wikipedia / Staufische Madonna – CC BY-SA 3.0 , Beckstet / Johanniskirche , gotisch- / Martin Crusius – Historiograf /staufersaga. http://www.agv1957.de, / Irenering – schwäbisch Gmiuend.de – Simmulation: sunearthtools

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