Der Gottesgarten

„Wallfahrer ziehen durch das Tal
Mit fliegenden Standarten
Hell grüßt ihr doppelter Choral
Den weiten Gottesgarten“

Scheffel_Staffelberg

Gedächtnistafel am Staffelberg

Entlang des Maintales, erstreckt sich zwischen der Gemeinde Ebersfeld, über Bad Staffelstein, bis nach Lichtenfels ein Abschnitt des fränkischen Jura, der den klangvollen Namen Gottesgarten trägt. Die Bezeichnung,   die sicher auch auf die naturräumliche Schönheit der Landschaft zurück-zuführen sein könnte, geht aber wahrscheinlich  auf die dritte Strophe    des von Joseph Victor von Scheffel, im Sommer 1859, verfassten Frank- enliedes zurück.

staffelberg5Der Staffelberg – heiliger Berg der Franken

Doch die Spur dieser Bezeichnung reicht weiter zurück. Sie könnte auch in Heiligtümern der Frühgeschichte begründet sein, den hier verlief bereits in der Altsteinzeit eine Handelsstraße aus der Bernsteinregion an der Ost- see in Richtung Mittelmeer. Doch geschichtlich fassbar wurde die Region erst. als die keltische Siedlung Menosgada auf dem Staffelberg gegründet wurde. Als einer der wenigen Ansiedlungen nördlich der Alpen, wurde Menosgada vom griechischen Geographen Ptolemäus in seinem Werk Geographia erwähnt. Die fruchtbare Landschaft nutzten im Frühmittelalter Mönche zur Gründung von Klöstern und dem Bau von Kirchen. Auf dem Banzberg ließen sich die Benediktiner und auf der gegenüber liegenden Talseite die Zisterzienser nieder, die hier 1445 zu Ehren der 14 Nothelfer eine Kapelle errichteten. Aus ihr ging später die Wallfahrtskirche Vierzehn- heiligen hervor.

Vierzehnheiligen von Nordosten

Trotz ihrer Verschiedenheit haben alle drei orte eine geheimnisvolle Ver- bindung, denn sie liegen auf den Eckpunkten eins Dreieckes, das durch die Mondwende bestimmt ist. Sie bieten eine Erklärung für den im Frank-enlied aufgetauchten Begriff Gottesgarten. So liegen das Kloster Banz  und die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen auf der Linie derkelinen Mond- wende Süd (Aufgang) und Vierzehnheiligen und der Staffelberg auf der Linie der großen Mondwende Süd (Untergang) liegen. Ein Dreieck mit  dem Kloster Banz an der Sitze besitzt nun einen Öffnungswinkel von 40°.

Staffelberg Mond Das Staffelberg.- Monddreieck

In der mittelalterlichen Liturgie hatte der Mond durchaus noch eine sym- bolische Bedeutung deren Bilder sich im modernen Glauben nahezu ver- loren haben. Der im 11. Jahrhundert lebende Bernhard von Clairveaux,   der Begründer des Benediktinerordens war ein glühender Marienverehrer und wurde deshalb oft auch als Doctor marianus bezeichnet. Diese Ver- ehrung Marias führte zu einer Fülle von marianischen Texte und Abhand- lungen. In einem seiner Texte sieht er Maria zwischen Christus und Kirche und beschreibt sie dabei als Mond hingestreckt zu ihren Füßen. Auch Zisterzienserorden, der im 11, Jahrhundert im Kloster Citeaux gegründet wurde, hat sich mit seiner Spiritualität der Marienverehrung verschrieben. Von Beginn an folgten die Mönche dem Spruch der über das Portal der Abteikirche des Mutterklosters eingemeißelt ist. `Salve, sancta parens,  sub qua Cistercius Ordo militat et toto tamquam sol fulget in orbe!´ Das heißt: `Sei gegrüßt, heilige Gottesgebärerin, unter dir dient der Orden von Cîteaux und glänzt auf dem ganzen Erdenrund gleich der Sonne.´
Viele inhaltliche Verbindungen lassen sich zwischen der Gestalt Marias und der früheren ägyptisch-römischen Göttin Isis aufzeigen. Nicht nur, dass sie bereits mit gleichlautenden Bezeichnungen wie `Liebreiche Mutter, thronende Göttin, Himmelskönigin, Meeresgöttin, Gnadenspend- erin, Unbefleckte, Sancta Regina` genant wurde, auch in der Beziehung  zu ihrem Sohn, dem Horusknaben finden sich in den späteren Mariendar- stellungen zahlreiche Analogien.

Mondsichelmadonna Mondsichelmadonna im Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg

Nach der anfänglichen Darstellung des Mondes mit einem Gesicht wand- elte er sich während des 13. Jahrhunderts zu einem festen Attribut der Jungfrau Maria. Als Mondsichelmadonna wird sie im Mittelalter zu einem beliebten Bildmotiv. Dieses Motiv geht zurück auf die Vision des Johannes, der während des letzten apokalyptischen Gefechtes zwischen dem Erz- engel Michael und dem Drachen, eine schwangere Frau, bekleidet mit der Sonne, auf dem Mond stehen sieht. Eine erste bildliche Darstellung findet sich im Hortus Deliciarum.

Banz MondDer Mond auf der Linie Vierzehnheiligen – Kloster Banz

Die Bedeutung des Mondes weckt auch die Frage nach dem Ursprung des Namens Menosgada. In der Fachliteratur wird er aus dem Zusammenfluss von Main und Pegnitz interpretiert, obwohl die siedlung gut 15. Kilometer von der Mündung entfernt liegt. Ein Blick in das germanische Wörterbuch von Gerhard Koebler weist in eine andere Richtung und erklärt auch die Mondlinien auf denen alle drei Orte liegen.
Mit dem Namen `meno´ oder auch `mani´ wurde der Mond bezeichnet und der zweite Wortteil lässt sich von `gadon´ ableiten, das mit vermählen oder auch begatten übersetzt wird. Damit könnte sich Menosgada als die Stadt eines Mondgottes interpretiert werden , dem einst die Landschaft geweiht war. Somit könnte der Begriff Gottesgartens durchaus viel weiter zurück- reichen als heute vermutet wird.

Bilder: wikipedia/ Staffelberg, Phylloscopus, CC BY-SA 2.0 de/ Scheffel, Janericloebe / Vierzehnheiligen, Schubbay /Mondsichelmadonna,Testus / Kloster Banz , Tilman Zenk

 

 

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