Kornbühl, der Sonnenberg

Kornbühl w

Der Kornbühl

 Der Kornbühl gilt als typischer Berg der Albhochfläche. Erosionspro- zesse seit dem Entstehen der Schichtstufenlandschaft Alb, so die       Geologie, haben hier zahlreiche Kuppen hinterlassen. So besteht  das Fundament des Berges besteht aus einer 40m mächtigen Schicht  aus Jura Beta, mit einer darüber lagernden Mergelschicht. Trotz der geolog- ischen Erklärung verdient seine Lage eine genauere Betrachtung. Seine besondere Beziehung zum Hohenzollern wurde bereits in einem früheren Artikel dargestellt. Doch nicht nur der von dort aus zu beobachtenden Sonnenaufgang am Tag von Maria Himmelfahrt, sondern auch mehrere   andere Sonnenaufgänge machen den Kornbühl zu einem außergewöhn- lichen Ort auf der Alb. Auf dem Plateau steht heute die der Heiligen Anna geweihte Salmendinger Kapelle, zusammen mit einer Nachbildung des Kalvarienberges.

Anna Maria GnadenbildGnadenbild der Heiligen Anna mit Maria und Jesus

Anlass für den Bau war eine Spende, die Peter Schweiher von Straßberg ankündigte , nachdem ihn sein Bäslein um Geld für die `Stiftung auf dem Kornbühl zu Lob und Ehre der `heiligen frouwen sant annen´ gebeten hatte. Aber warum wurde eine Kapelle für eine Heilige errichtet, die nur in den außerbiblischen Schriften, im Protoevangelium des Jakobus erwähnt wird? Anna gilt als Urmutter der Christen, denn sie war die Mutter Marias und gilt als Schutzheilige für Mütter, Arme und Kaufleute.

anath2Reliefdarstellung der Göttin Anath aus Ugarit,  ca.2000 v. Chr

Bereits der Name Anna verweist auf viel ältere mythologische Wurzeln  und Gottheiten, wie die persisch-semitische Anahita, die indische Ananta,   oder auch die altägyptische und altsyrische Anath. Sie alle gründen auf  der Urgestalt der Göttinnen, der sumerischen Inanna. Mit An enthält der Name auch eine der 6 Ursilben aus denen das althochdeutsche Wort ana, Großmutter hervorgegangen ist. Ihr Gedenktag ist der 26. Juli, ein Lostag im Bauernkalender, für den folgender Spruch vermerkt ist: `Anna warm und trocken, macht den Bauer frohlocken´, oder auch, `St.Anna klar und rein, wird bald das Korn geborgen sein´. Der Bedeutung folgend liegt der Tag nur knapp vor dem in keltischer Zeit gefeierten Schnitterfest am 1. August, dem ersten Erntefest.

Dreifuerstenstein grenzsteinDreifürstenstein, Grenzstein aus dem 17. Jhd.

Das Gedenken an die Urmutter verbindet den Kornbühl aber auch mit  dem Dreifürstenstein. Der imposante Aussichtspunkt markierte einst die Grenze der drei Fürstentümer Fürstenberg, Hohenzollern und Württem- berg. Doch der Begriff taucht erst um 1850, vor dem Hintergrund einer romantischen Sage, auf. Sie erzählt von drei Fürsten, die hier einmal im Jahr an einem runden, steinernen Tisch beraten sollen. Mit Blick zum Kornbühl erklärt sich die Dreiheit aber vor einem ganz anderen Hinter- grund.:In römischer Zeit gab es am 24.Januar den Feiertag Sementivae  zu Ehren der Getreidegöttin von Ceres und der Terra Mater. Im keltisch-  en Raum wurde das Ende des Winters zu einem ähnlichen Zeitpunkt,   am  1. Februar mit einem Reinigungsfest Imbolc gefeiert. Der Tag war   der Lichjungfrau Brigid. ge widmet, die für die Wärme der erstarkenden Sonne stand. Sie spiegelt sich auch in ihrem Namen, der in der irisch-keltischen Sprache `glänzender Pfeil, die Erhabene, oder auch Mächtige´ bedeutet. Brigid war eine komplexe Gestalt, die gleichzeitig Schutzgöttin der Schmiedekunst, aber auch der Dichtkunst, sowie der Heilerinnen war.

Drei Mütter BibracteTerracottarelief aus Bibracte. Drei Mütter

Zusammen mit Dana (Mutter) und Anu, der Greisin bildete Brigid eine dreigestaltige Einheit. Mit ihren unterschiedlichen Aspekten verkörperte   sie die drei Seiten der weiblichen Schöpfungskraft. Mit dem früheren Feiertag Maria Lichtmess übernahm die katholische Kirche die alten Traditionen. Blickt man an diesem Tag vom Dreifürstenstein, oder auch dem Ort der Dreiheit, sieht man die Sonne über dem Kornbühl aufgehen. Doch der    Tag hatte nicht nur eine liturgische Funktion, wie der Kerzen- weihe für     das gesamte Jahr, er war auch gleichzeitig der Beginn des Bauernjahres. Früher war für Knechte und Mägde der Tag ein Freudentag, denn an Licht- mess wurde der Lohn des Jahres ausbezahlt. Waren sie mit ihrem Dienstherrn zufrieden und verpflichteten sie sich weiter mit dem Spruch: `Ich mache noch ein Lichtmess`. Anschließend überreichte er ihnen Schuhe und Kleidung für das kommende Bauernjahr. Wie der 1. August, so ist auch der 2. Februar ein Lostag im bäuerlichen Kalender. Auch an diesem Tag kann  der aufmerksame Wetterbobachter das Wetter für die kommende Zeit abschätzen und so die Arbeitskräfte einteilen. Konträr zum Namen lauten aber die Bauernregeln für diesen Tag: `Is’s an Lichtmess hell und klar, rechnet ma auf koa fruchtbars Jahr.` Schien also am 2. Februar die Sonne, bedeutete das nichts Gutes für die Erträge im kommenden Bauernjahr. Ein anderes Sprichwort hieß: `Lichtmess trüb – ist dem Bauern lieb.` Stürmte und schneite es an diesem Tag, war der Frühling angeblich nicht mehr weit.

Sonnenaufgänge über dem Kornbühl

Aber auch der Name Hirschkopf lässt sich mit einem Sonnenaufgang schlüssiger erklären, denn es ist unwahrscheinlich, dass zahlreichen  einst hier erlegten Hirsche zurückzuführen ist. Die Gestalt des Hirsches steht für eine komplexe Symbolik, deren Wurzeln in der Frühgeschichte  zu finden sind. Als wandernde Tiere galten sie schon sehr früh als Attri- bute von Muttergottheiten. Dabei standen sie für eine Verbindung des Materiellen mit dem Geistigen. Die blutrote Farbe des im Frühjahr abge- scheu- erten Bastes wurde bei vielen Völkern auch mit dem Feuer bzw. mit der Sonne assoziiert , wodurch ihm auch eine symbolische Vermittlung zwischen Himmel und Erde zugewiesen wurde. Doch der Verlust und   das anschließende Wachstum seines Geweihs machte den Hirsch auch zu einem Symbol der Wiedergeburt, das auch in der christlichen Ikono- graphie aufgenommen wurde. Diesen Tag der Wiedergeburt der Sonne kann man hier alljährlich beobachten, wen die Sonne zur Wintersonnen- wende über dem Kornbühl aufsteigt.

duerer vsion des Hubertus KopieDürer, Vision der heiligen Hubertus

Neben seinen Eigenschaften als `Sonnenberg´ zeichnet den Kornbühl aber die besondere Verbindung zum Hohenzollern aus. Von dessen West- spitze gemessen, beträgt die Entfernung 10,36km, was einer Entfernung von 20.000 Einheiten des vormetrischen Maßes der Nippur-Elle entspricht, die im 3.Jahrtausend in Mesopotamien entstand. Auch dieses auffällig ganzzahlige Maß könnte ein Indiz dafür sein, dass die Wallfahrt auf den Kornbühl auf weitaus älteren Traditionen beruht.

Bilder: Wikipedia/ Kornbühl, RoamingWolf / Dreifürstenstein /Ramessos / Drei Mütter, rban~commonswiki – Simulation: sunearthtools

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