Trier, die ewige Stadt des Mars

Trier, Porta NigraPorta Nigra

Die Gründungssagen zahlreiche Städte beziehen sich auf lokale Ereig- nisse , doch die Sage der Stadt Trier bietet die Möglichkeit Geschichte auch aus einem anderen Blickwinkel zu begreifen. Am Beispiel Triers   wird deutlich, wie ein kulturelles Gedächtnis über sich über Jahrtaus-   ende lebendig bleibt.

„ANTE ROMAM TREVERIS STETIT ANNIS MILLE TRECENTIS. PERSTET ET AETERNA PACE FRUATUR.“

`Vor Rom stand Trier tausenddreihundert Jahre. Möge es weiter besteh-  en und sich eines ewigen Friedens erfreuen´.

rotes Hasu trierRotes Haus in Trier

Die Inschrift am Roten Haus in Trier schlägt die Brücke zu der Legende Trebatas, die 1300 Jahre vor der Gründung Roms am Hof Assyrerkönigs Ninusin begann. Trebeta war der Sohn des Königs und einer Chaldäer- königin. Als diese verstarb wurde Königin Semiramis seine Stiefmutter   und vertrieb Trebeta vom Hof.

Mengs,_Semiramis_erhält_die_Nachricht_vom_Babylonischen_Aufstand Anton Raphael Mengs, 1755  Semiramis erhält die Nachricht  vom babylonischen Aufstand

 Mit Gefolgsleuten floh er nach Europa    und gemäß der Legende soll er um 2000 v. Chr. an der Mosel den Ort  Trier gegründet haben. Zum ersten Mal aktenkundig wurde die  Sage von der Stadtgründung Trebetas erst im Jahr 1105. Sein Grabmal wurde später in dem östlich der Stadt gelegen Franzensknüppchen ver- mutet. Im Spätmittelalter erlangte die Legende erlangte große Beliebt- heit, so dass auch andere Städte wie Straßburg ihre Gründung auf den legendären Sohn des Assyrerkönigs zurückführten.

Baierischen Chronik, 1556erste Ausgabe der Bayrischen Chronik

Auch der Prinzenerzieher am wittelsbachischen Hofe und Genealoge Johannes Turmair griff die Erzählung auf. In seinem 1526 in Abensberg erschienenen Werk, `Die Bayrische Chronik´, schreibt er über die Gründ- ung Trebetams, dass dort Tuitsch oder Tuisto von 2214 bis 2038 v. Chr. regiert haben und ein Sohn Noahs gewesen sein soll. Sein Sohn Mannus soll wiederum der Vater von Trebeta gewesen sein. Doch welcher Kern steckt wirklich in dieser geheimnisvollen Verbindung nach Assyrien?
Im 1. Buch Mose wird berichtet, dass der Mann Assur der Stammvater  der Assyrer. ein Sohn Sems und damit ein Enkel Noahs sei. Er wurde später, wie viele Anführer vergöttlicht und galt in Neuassyrischer Zeit als Gott Aššur. Innerhalb der assyrischen Mythologie gilt auch als der Vater  der Ištar. Das Jahr 612 v. Chr. brachte das Ende des assyrischen Reich- es. Die Hauptstadt wurde durch Babylonier zerstört und ihre Bewohner ver- trieben. Über deren Verbleib berichtet der griechische Geschichts-schreiber Herodot im 5. Jahrhundert, als er einen Stamm der Assyrer in Persien beschreibt, die er `Germanii´ nennt. Auch der römische Gesch- ichtsschreier Plinius der Ältere berichtete im 1. Jahrhundert von `Assyriani´ nördlich des Schwarzen Meeres. In den 30-er Jahren erkannte der Sprach- forscher Edgar Sturtevandt eine Verbindung zwischen der assyrischen Hatti – Sprache und der Entwicklung der deutschen Sprache. Detaillierter beschreibt dies ein Artikel über Deutschland in der Encyclopädia Britan- nica. Da werden die Hatti als ein Stamm unter den Germanen beschrieb- en, die einst in Europa einfielen. In einem weiteren Artikel des   6. Bandes wird dann näher auf die `Chatti´ eingegangen. Sie werden als alter germ- anischer Stamm. beschrieben, mit dem die Römer während  des frühen ersten Jahrhunderts oft in Konflikt gerieten. Dieser Berührungspunkt mit den Römern taucht auch wieder in einem Artikel über Hessen auf, in dem dessen Einwohner als Nachfahren der eingewanderten Chatti beschrieben werden.

NergalNergal, hethitisches Relief

Einer der Götter der sumerisch-babylonisch-assyrischen Mythologie war der Gott Nergal. Er war der Gott der Unterwelt, der Vernichtung durch Feuer und der Gott des Kampfes. Nergal war auch gleichzeitig Schutz- herr des Nordtores von Aššur. in seiner Eigenschaft als Kriegsgott wurde Nergal auch als der `großer Drache´ bezeichnet. In Schilderungen füllt er die Kanäle mit Blut, wie mit Regen. Bei seinem Kampf ist er mit Einge- weiden bedeckt und trinkt das Blut lebender Wesen. Deshalb verbanden die Babylonier ihren streitbaren Gott auch mit dem rötlich flackernden Planeten Mars.
Als Cäsar 50 v. Chr. Gallien eroberte, fiel auch das Gebiet des keltischen Stammes der Treverer in seine Hand, deren Territorium erstreckte sich im ersten vorchristlichen Jahrhundert zwischen Maas und Rhein . Nach einem ersten Militärlager auf dem Gebiete des heutigen Trier, wurde im Zuge des Fernstraßenausbaues unter Kaiser Augustus auch eine Brücke über die Mosel gebaut. Sie war schließlich die Keimzelle der heutigen StadtAugusta_Treverorum.Modell der römischen Kaiserstadt Augusta Treverorum im 4. Jahrhundert

Einer der wichtigsten und bedeutsamsten einheimischen Götter im Eifel- und Moselraum war in seiner Funktion gleichzeitig der Stammesgott der Treverer und ein weithin gerühmter Heilgott . Der Heilgott Lenus wird in der Interpretatio Romana mit dem römischen Gott Mars identifiziert, was ihm in zahlreichen Inschriften den Namen Lenus- Mars eintrug. Als Heilgott musste er auch bei den Römern großes Ansehen genossen haben, da sein einheimischer Name dem römischen vorangestellt wurde.. Für ihn wurden neugegründeten Kaiserstadt Augusta Treverorum, große Heilig- tümer mit medizinischen Heilquellen errichtet. Als zweitgrößte Stadt des römischen Reiches wurde die Stadt auch das `Rom des Nordens´ ge- nannt wird. Als Planstadt wurde sie auf einem schachbrettförmigen Grund- riss errichtet und vor dem Hintergrund der Verehrung des Lenus – Mars, nimmt es nicht Wunder, dass das Starßenraster der Stadt auf einen seiner wichtigsten Feiertage hin ausgerichtete wurde.

Plan Löweder Himmel über Trier, am 1. März

Doch dem Fall war es nicht der Sonnenaufgangspunkt wie in zahlreichen anderen Kastellen, sondern die Sicht eins Sternes. Die sinnfälligste Über- einstimmung erreicht die Ausrichtung mit der  Erstsicht des Regulus im Sternbild Löwe, umgerechnet auf den Julianischen Kalender  am 1. März, dem Monat des Gottes Mars. Der Löwe war bereits das Reittier des Gottes Nergal und verkörperte sich in der ägypt- ischen Löwengöttin Sachmet als Kriegs- und Todesgöttin.  Doch das archetypische Feld des Löwen sind aber nicht nur zerstörerischen Kräfte, sondern auch positive und lebens- bejahende Kräfte, die zum Frühlings- beginn im März passen. Wie kein anderes Tier ist er Sinnbild einer un- bändigen Selbsterneuerungskraft und die war sicher in den zahlreichen Heilquellen der Stadt auch gefragt. Wie in Frühzeit Mesopotamiens, Nergal der Be- schützer der Stadttore war, so erfüllte dies in Trier, Lenus Mars am heute noch stehenden Nordtor, der Porta Nigra.

Bilder: Wikipedia/ Porta Nigra, Berthold Werner / Hethitische Darstellung Nergals in Yazılıkaya , CC BY 3.0, Kpisimon / Kasierthermen, Berthold Werner / Luftbild,Ultratomio /
Simulation; Stellarium

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Ein Gedanke zu „Trier, die ewige Stadt des Mars

  1. Da“SS Bedürfnis, meine Heimat ->(Trier) kennenzulernen,und von Lebenskraft, Gesundheit und unbedingte Energie,sind so von Neugier, Hoffnung, Kraft und Lust,erfüllt,und zwar weil wir Thulenser,n begeistert sind 😉

    Wille zur Wahrheit (!)

    UM „ALL“e relevanten Informationen zu berücksichtigen,bei der Erforschung der Wahrheit,kann auch ein Pragmatische Lösung hinzugezogen werden (!)

    aber sonst ist der Artikel lesenswert (!)

    Sal & Sig
    DH.v.SS

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