Straßburg, die Stadt des Merkur

Als er Frankenkönig 496 n Chr. die ehemalige Römerstadt Argentoratum   in sein Reich eingliederte, bekam sie auch ihren neuen Namen. Er wurde einem Charakteristikum gerecht, dass die Lage der Stadt schon vor der römischen Landnahme auszeichnete – sie war, ein Kreuzungspunkt von Fernhandelswegen.

LegionslagerLegionslager Argentoratum

In der Literatur wird der Ursprung des römischen Namens unterschiedlich ausgelegt. Zum einen wird er für das Toponym einer schon existierenden keltischen Siedlung gehalten und als Bezeich- nung für eine weiße Burg interpretiert. Viel klarer ist jedoch die Ableitung aus dem lateinischen Wort argentum, das Silber oder Geld bedeutet. Eine Möglichkeit zur Interpre- tation bietet auch der Begriff argentarium, der Kammer für Silber. Diese Bedeutung des Silbers für den römischen Ort könnte natürlich durch den Münzumschlag begründet gewesen sein, mit dem sich die Stadt als Hand- elskontenpunkt ihren Reichtum erworben hatte. Ein Blick in die Münzwirt- schaft jener zeit weist aber in eine andere Richtung. Das Hauptzahlungs- mittel, der Sesterz tauchte erstmals im 3. Jahrhundert v. Chr. auf und wurde in der Anfangszeit hauptsächlich in Silber geschlagen.

 SesterzSesterz, geprägt unter Gallienus

Mit Cäsar begann dessen schleichende Entwertung Änderung, denn in seiner Regierungszeit wurde der Sesterz vermehrt in Bronze ausgegeb- en. Mit der Münzreform unter Kaiser Augustus erhielt der Sesterz seine endgültige Frm. Ab da wurde er in einer messingähnlichen Kupfer-Zink- Legierung, geprägt, dem Metal Aurichalkum. Da große Mengen echten Silbers als Zahlungsmittel also auszuschließen sind, könnte der Name also auch als Metapher des Wohlstandes von Argentoratum gesehen werden. Doch der Begriff war ebenso die Bezeichnung für ein ganz and- eres Metall, das unter der Bezeichnung argentum vivum, das lebendiges Silber gehandelt wurde. Heute ist dieses Metall unter dem Namen Queck- silber bekannt. Bereits die Römer kannten bereits die Gewinnung des flüssigen Metalls aus dem Rohstoff Zinnober, den sie in den Minen der spanischen Almaden gewannen.

röm minen GalerieGalerie einer römischen Mine

Das aus Zinnober gewonnene Pigment, auch Vermilon genannt, war       bei den Römern sehr beliebt. Aus ihn konnte ein häufig verwandter roter Farbstoff gewonnen werden. Doch der Rohstoff diente auch als Grund- lage für das Amalgamationsverfahren das seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. bekannt war. Dabei wird mineralhaltiges Goldgestein zerkleinert und mit Quecksilber versetzt, das dabei eine Legierung eingeht. Bei der an- schließenden Erhitzung verdampft das Quecksilber und das Gold bleibt zurück. Auch in China war zu diesem Zeitpunkt die Verarbeitung von Quersilber bereits bekannt. Um 210 v. Chr. wird über den Gottkaiser von Qin berichtet, der es in einem sagenumwobenen Relief verwendete. In dem sollen Flüsse und Seen mit dem Metall gefüllt sein worden , die dort `auf ewig fließen sollten.´ Auf Grund seiner Bedeutung gehörte es damals zu den sieben Metallen der Antike und war bei den Römern als Symbol für den Wandel und Beweglichkeit dem Merkur, dem Gott des Handels, zuge- ordnet. Ein Erbe dieser Zuordnung ist heute die englische Bezeichnung mercury für das Schwermetall.

MercuriusMercurius, Statue aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.

Innerhalb der Mythologie wurde der römische Gott Mercurius mit dem griechischen Hermes gleichgesetzt. Als Götterbote verkündete er die Be- schlüsse des Zeus und war gleichzeitig auch Seelenbegleiter für die Ver- storbenen auf ihrer Reise in die Unterwelt. Doch Hermes wurden auch zahlreiche Erfindungen zugeschrieben, die für die kulturelle Entwicklung der Menschheit von großer Bedeutung waren. Neben dem, Würfelspiel  und der damit zusammenhängenden Weissagung, wurde ihm die Erfind- ung des griechischen Alphabetes, die Entdeckung astronomischer und musikalischer Gesetze, die Erfindung von Maßen und Gewichten, sowie die Kultur des Olivenbaumes zugeschrieben. Seine Botschaften sind war nicht als reine Mitteilungen zu verstehen, sondern forderten Einsicht und Verständnis. Deshalb wurde die Wissenschaft vom Erklären und Ver- stehen auch als Hermeneutik bezeichnet. In Rom wurde galt er als Be- schützer des wichtigen Kornhandels und so wurde ihm schon 495 v. Chr. ein Tempel am Circus maximus eingerichtet. In seiner Funktion war er  Gott der Händler, aber auch der Diebe. Zu seinen Attributen gehörte der Caduceus, ein geflügelter Helm, ebenso Flügelschuhe und häufig ein Geld- beutel, den er in seiner rechten Hand hält. Durch den Handel wurde die Mythologie des Mercurius im gesamten römischen reich verbreitet, wobei seine Verehrung in den keltischen und germanischen Provinzen sogar noch größer war als in Rom selbst. Cäsar selbst setzte den gallisch-keltischen Stammesgott Teutates der Kelten dem römischen Gott Merkur gleich. Bei den Kelten erfüllte er neben der Funktion als Gott des Handels die Rolle die eines Fruchtbarkeitsgottes und die eines Kriegsgottes.

 ArgentoratumAusrichtung des Lagers

Vor diesem Hintergrund ist es auch verständlich, dass das Kastell Argent- oratum auf den Sonnenaufgang des 15. Mai ausgerichtet wurde, dem Tag des Festes Mercuralia, zu Ehren von Mercurius und Maia. In der Region musste Verehrung der beiden Gottheiten lange Zeit fortbestanden haben, denn die Ausrichtung wurde auch beim Bau des Straßburger Münsters beibehalten. So lebt die römische Göttin des Frühlings, der Wärme und des Wachstums in der Gestalt der Marias weiter, der das Straßburger Münster geweiht ist. Genauso bestimmt Merkur noch immer die Haupt- achsen des Stadtkerns von Straßburg.

Bilder:Legionslager /european-cultural-news.com, AIRDIASOL. Rothan/ dessin Ch. Gaston, Inrap / Wikipedia, Sesterz, Saperaud~commonswiki / Las Médulas, Province of León ,von Xauxa
Mercurius, Jastrow / Simulation: sunearthtools

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Ein Gedanke zu „Straßburg, die Stadt des Merkur

  1. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass die Linie des Straßburger Münsters fast genau zum Merkur bei Baden-Baden weiterführt und zur anderen Seite zum Odilienberg

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