Otzenhausen, das Oppidum des Taurus

TheaterTheaterstück Indutiomarus und Cingetorix

Am 19. September wird in der Gemeinde Nonnweiler das  von Dr. Manfred Peter verfasste Theaterstück `Indutiomarus und Cingetorix – Das Schick- sal des letzten Fürsten des Ringwalls´ aufgeführt. Das Stück in dem das Ende der keltischen Epoche geschildert wird bietet den Anlaß den Blick auf den in der Nähe liegenden Ringwall von Otzenhausen zu werfen.

Ringwall 03Ringwall Otzenhausen

 Auf den ersten Blick erscheinen die polygonal verlaufenden Wälle kelt- ischer Oppida so, als sei ihr Verlauf dem natürlichen Gelände angepasst worden zu sein. Doch die heute oft mit Gras überwucherten Wälle täusch- en über die gewaltigen Materialbewegungen und den konstruktiven Auf- wand hinweg, der dafür notwendig war. So stellt sich die Frage, ob diese Arbeiten ohne einen konkreten Plan geschahen, oder aber wie Siedlungen und sakrale Bauwerke des Mittelmeerraumes durch einen `mythologisch´ begründeten Plan bestimmt wurden.
Die heute noch sichtbare Teil des Ringwalles von Otzenhausen werden ,wie vergleichbare Anlagen in Deutschland, im Volksmund als Hunnenring bezeichnet. In dem Wort verbirgt sich nicht nur das althochdeutsche Wort kuning, der König, sondern auch der Hüne. Mit dem Wort  wurde oft eine Sage verbunden, die eine Erklärung für die unbekannten Mauerreste aus grauer Vorzeit lieferte.

Murus GallicusModell Murus Gallicus

Im Falle von Otzenhausen mussten ungefähr 800.000m3 Material zur Herstellung des Ringwalles bewegt werden,. was ungefähr einem Drittel der Cheops Pyramide entspricht. Dies schloss auch die Baumstämme  mit ein, die für die Konstruktion des Walles vom Typ Murus Gallicus be- nötigt wurden. Für die Erbauer stellte dies eine große Herausforderung  dar, zumal die umschlossene Fläche verhältnismäßig klein war.
Eine genaue Betrachtung zeigt, dass 3 Hauptrichtungen die Lage sowie die Grenze des Oppidums bestimmen. Eine ist die Richtung der großen Mondwende Süd, der auch die Geländeformation der Dollberge folgt. Die Nord- und Südwestgrenze werden durch die Richtung des Äquinoktiums, sowie der des Sonnenunterganges zur Wintersonnenwende bestimmt.

Otzenhausen Plan Otzenhausen- Sonnen- und Mondrichtungen

Mit seiner Ausrichtung auf Aufgangspunkte von Gestirnen folgten die Er- bauer des Oppidums der Tradition antiker Tempel. Eines der bislang um- fangreichst- en Beispiele dafür sind die griechischen Tempel auf Sizilien,  deren Aus- richtung auf Sonnenaufgangspunkte in einer Studie der Uni- versity of Leicester dargestellt wurden
Zwei Namen könnten eine Erklärung für die eigentliche Geometrie des Ringwalles liefern, der Ortsname Otzenhausen, sowie der Name er ehe- maligen Siedler, die Treverer. Der Name Otze wird auf den seit dem frühen Mittelalter beliebten Name Otto zurückgeführt . Der leitet sich aus dem alt- hochdeutschen Wort `ot´ ab, das Besitz, oder Erbe bedeutet. Doch dieser  Name entstand über 800 Jahre nach dem Ende der Besiedlung. Das Ge- biet der Treverer erstreckte sich von Rhein bis zum Gebiet der Remer, die im in der heutigen Champagne ansässig waren. Nach einer Beschreibung des römischen Geschichtsschreibers Tacitus rühmte sich das Volk der Treverer für seinen besonderen germanischen Ursprung, und wollte sich damit von den als schlaff betrachteten Galliern abheben.

Peutingersche TafelAusschnit  aus der Tabula Peutingeriana

Sprachforscher sehen die Entstehung des Namens im gallischen Wort `trei´,  das durch oder über bedeutet und der Silbe `uer´, dem Fluss oder auch Wasserlauf. Damit interpretieren sie den Namen Treverer im Sinne von Leuten, die etwas über den Fluss bringen. Die friedliche Tätigkeit will aber ganz und gar nicht zur überlieferten Selbsteinschätzung der Treverer passen. Deshalb vermutete der im 17. Jahrhundert lebenden Heimatfor- scher Sigismund Andreas Cuno einen ganz anderen Ursprung dieses Namens. Er sieht ihn in dem s kymrischen Wort gwyr, das kräftig und tüchtig bedeutet. Diese Erkenntnis würde auch zum altkeltischen Wort tre(x)no passen, das mit stark und kräftig übersetzt wird.
Ein Tier dem diese Eigenschaften zu eigen sind ist der Stier. Er ist ein geschlechtsreifes, männliches Haus- oder Wildrind, das auch als Bulle bezeichnet wird. In vielen antiken Kulturen steht der Stier, obwohl er astrologisch von der Venus regiert wird, als Männlichkeitssymbol für Zeugungskraft und Fruchtbarkeit und wurde als die Inkarnation göttlicher Geist- und Lebenskraft betrachtet. Die Zeit der Stierkulte, die durch zahl- reiche Funde von Stieridolen belegt ist, lag zwischen dem 5. und 1. Jahr- tausend. Der Kult reflektierte nicht nur den Übergang von der Nomaden- wirtschaft zur Ackerbaukultur, in der der Stier, in Gestalt des Ochsen zum unverzichtbaren Arbeitstier wurde, sondern ebenso die Bedeutung des Frühlingspunktes. Dieser Punkt, der als Schnittpunkt von Himmelsäquator und scheinbarer Sonnenbahn bezeichnet wird markiert auch den Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche, das Äquinoktium. Wie in Mesopotamien, wurde auch in Mitteleuropa eine Verbindung von Stier und Mond gesehen, da der Zwischenraum der Hörner einer kreisrunden Mondscheibe entspricht. Der Stier in Gestalt des Sternbildes Taurus ermöglicht nun auch die Interpreta-  tion der Geometrie des Ringwalles von Otzenhausen.

Otzenhausen Taurus gesDer Taurus von Otzenhausen

Am Tag der Sommersonnenwende lag er in vier Positionen so, dass mit der Lage seiner Sterne wesentliche Punkte der Wälle markiert werden konnten. Damit bekommt auch der Name Dolle einen konkreten Sinn.  Denn vom Aufgang am Morgen der Sommersonnenwende, umkreist der Taurus die Fläche des Oppidums wie an einer Dolle festgebunden, ehe er am Mittag im Westen wieder untergeht. Mit diesem, gleich einem Totem verwandten Zeichen, bekommt auch der Name der Treverer ein konkretes Bild.

Bilder: Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Ringwall Otzenhausen, Slick-o-bot , Murus Gallicus, (Magnus Mansk / Tabula Peutingeriana, Stefan Kühn Indutiomarus und Cingetorix , Gemeinde Nonnweiler, Simulation Stellarium, Sunearthtools

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