Altkönig und das Füllhorn

hesiodHesiod. Teil des Monnus-Mosaiks, 3. oder 4. Jh

Der um 700 v. Chr. geborene griechische Dichter Hesiod gilt als der Be- gründer des Lehrgedichtes. Trotz seiner Werke bleibt aber vieles aus seiner Geschichte im Dunklen. Hesiod soll aus Askara, einer `kleinen verwunschen Burg´ in Böotien stammen, wie er selbst schreibt. Der Ort erscheint geradezu ideal für einen Dichter wie Hesiod zu sein, denn er  liegt doch am Fuße der Helikon. Dieses Gebirge galt in der Antike als der ursprüngliche Sitz der Musen. Erst Apollon brachte sie nach Delphi, wo  sie den Ruhm des Orakels mehrten.

Böotien KopieBöotien

Über sein Leben in Böotien schrieb Hesiod, dass es durch `harte Winter´ geprägt war und er dort `ein karges Dasein lebte, das niemals angenehm wurde´. Trotz der Nähe zu den Musen verknüpfte Hesiod wie kein zweiter die landwirtschaftliche Arbeit mit der Dichtkunst und beschrieb in seinem Hauptwerk `Werk und Tage´ das archaische Landleben Griechenlands.    In bildreichen Sätzen schildert er die bäuerlichen Tätigkeiten, wobei er stets gute Ratschläge für das Erkennen des richtigen Zeitpunktes der Arbeiten einflocht, oder auch den Einsatz von geeigneten Werkzeugen vorschlägt. In einzelnen Abschnitten beschreibt er so die gesamte Tätig- keit des Bauern während eines Jahres. Ein Beispiel, wie er zwei wichtige Eckpunkte des Bauernjahres mit der Himmelsbeobachtung verknüpft, ist seine Beschreibung der Ernte und der Aussaat.
`Wenn dein Herz sich im Busen nach Reichtum sehnet, so handle. Diesem Gebote gemäß, lass Arbeit auf Arbeit folgen!Gehen des Atlas Töchter am Himmel dir auf, die Pleiaden, Magst du die Ernte beginnen, die Saat, wann nieder sie sinken´.

Altkoenig EschbornAltkönig aus Richtung Escborn

Mehr als 300 Jahre nach dem Tod des griechischen Dichters wurde auf dem dritthöchsten Berg des Taunus ein Ringwall errichtet. Der doppelte Steinwall umschloss eine Fläche von ca. 26ha und weist eine Gesamt- länge von ca, 2,5km auf. Um die Anlage im Stil einer Pfostenschlitzmau-   er zu bauen, dürften ungefähr 45.000m3 Steinmaterial und Bauholz not- wendig gewesen sein. Da sich aus der geringen Anzahl von Funden keine große Siedlungstätigkeit nachweisen lässt, bleibt der einstige Zweck der Anlage bis heute im unklaren. Doch allein aus den Dimensionen wird ersichtlich, dass diese Anlage wohl kaum ohne einen konkreten Plan entstanden sein konnten.

Altkönig innerer WallAltkönig, innerer Wall

Wie schon bei anderen hier vorgestellten Anlagen, war dies eine Komb- ination aus den Richtungen wichtiger Sonnenaufgangspunkte und der Peilung von Sternen. Sie gaben letztendlich die Gewissheit, den richtig-   en Zeitpunkt im kalendarischen System eines Bauernkalenders. So wird der östliche Teil des Ringwalles durch die Ost-West Richtung,  dem Äquinoktium bestimmt. Aus dieser Richtung lässt sich auch mit Hilfe  eines Winkels von 80° die Ausrichtung des südlichen Wallabschnittes konstruieren. Doch die Komplexität der Geometrie wird durch den trapezförmigen Anex im Südwesten bestimmt. Wären dessen nördliche Kante auf die Letztsicht des Sternes Capella aus dem Sternbild Fuhrmann während des Frühjahrsäquinoktiums ausgerichtet ist, bestimmt die Erst- sicht des Sternes Arkturus während des Herbstäquinoktiums die Ausricht- ung des südlichen Abschnittes.

Altkönig PlanAltkönig Plan

Ganz im Sinne von Hesiod sind hier Sternsichtung und Sonnenaufgang  auf selbstverständliche Weise miteinander verknüpft und erhalten damit eine kalendarische Funktion. Da das Sternbild des Fuhrmann bereits den Babyloniern bekannt war, ranken sich um dessen Entstehung zahlreiche Sagen. Eine beschreibt das Schicksal des unglücklichen Myrtilos, der     als königlicher Wagenlenker am Hofe König Oinomaos, einem großem Pferde- liebhaber, diente. Der wollte verhindern dass seine Tochter Hippo- dameia, die Pferdezähmerin, einen geeigneten Mann findet. Mehrmals schlug das Duell zwischen dem König und einem Herausforderer fehl,    bis der Sohn von Hermes, Pelops, um die Hand seiner Tochter warb.  Doch als selbst die Hilfe Neptuns nicht half, riefen die Götter Myrtilos um Hilfe und versprachen ihm die erste Nacht mit der Tochter und die Hälfte des Königreiches. Pelops siegte, doch als Myrtilos seine Lohn einfordern  wollte tötete er ihn.

Sternbild Fuhrmann KopieSternbild Fuhrmann

Zum Dank für seine Hilfe wurde er von Zeus an den Sternhimmel versetzt, wo sich auch die Ziege Amalthea befand. Zu ihr hatte Zeus eine ganz besondere Beziehung. Bevor Zeus zum mächtigen Herrscher des Olymp aufstieg, war er vielen Gefahren ausgesetzt. So hatte ihn auch sein Vater Kronos verschlungen, als er erfuhr, dass ihn seine Kinder töten würden. Nur durch eine List spuckte er seinen Sohn Zeus wieder aus, was dem das Leben rettete. Aus Furcht vor seinem rachsüchtigen Vater musste sich er Knabe in einer Höhle verstecken,  wo ihn die eine Ziege entdeckte die ihn wie eine Amme säugte. Mit dem Namen Capella symbolisiert der hellste Stern des Fuhrmanns jene Ziege, deren abgebrochenes Horn als ein Zeichen für Fruchtbarkeit und Wohlstand gilt.                                       Im Jahr 1496 wird der Berg noch als `ald kune´bezeichnet, eine Bezeich- nung die mit der alte König oder Herrscher interpretiert werden kann. Im Volksglaube war dies sicher ein eine Erklärung für Überreste einer unbe- kannten Zeit. Königliche Bezüge weist der Berg trotz dem Wenigen was überliefert ist, allemal auf.

Bilder: Wikipedia / Hesiod. Teil des Monnus-Mosaiks, 3. oder 4. Jh., Rheinisches Landesmuseum Trier ,Αλεχάντρο Υγριέκα / Altkönig , MdE / Altkönig Innerer Wall.Magnus Manske / Simulation Stellarium

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