Eber, Hund und Adelberg

kloster AdelbergKloster Adelberg

Vor dem Panorama der Dreikaiserberge liegt das Kloster Adelberg           auf einem Plateau des Schurwaldes. Der Bezug zu zweien der Drei Kaiserberge bietet nicht nur eine Erklärung für die Entstehung einer         der beliebten Marienwallfahrtsorte im Südwesten, sondern auch eine        für die Ursprünge der Wappenfiguren.

Wappen AdelbergWappen Adelberg

Noch bis zur Eingemeindung im Jahr 1851 trug der Ort den wenig schmeichelhaften Namen Hundsholz. An ihn erinnert im heutigen Ortswappen noch der springende Hund unter dem auch ein Eber abgebildet ist. Räumlich getrennt vom alten Ortskern des heutigen Adelberg liegt die Anlage des ehemaligen Klosters Adelberg. Hier         stand das althochdeutsche Wort `adal´, vornehm oder von vornehm-        en Geschlecht Pate für den Namen. Er lässt sich auch auf die Rolle        der ehemaligen Schutzherrn des Klosters, die Staufer zurückführen.       Auf Grund der Ausstattung des Klosters mit zahlreichen Schenkungen   und Rechten kann es auch als Hauskloster der Staufer betrachtet werd- en. Nach dem vorangegangene Gründungsversuche anderer Mönchs- orden auf dem Schurwaldplateau gescheitert waren gelang es Volknand von Staufen-Toggenburg, einem Vetter Barbarossas, den Orden der Prämonstratenser für eine Klostergründung zu gewinnen.

Wappen PrämonstratenserWappen der Prämonstratenser

Der Reform- orden wurde von dem Wanderprediger Norbert von Xanten gegründet,    der sich zum Ziel gesetzt hatte, den Lebensstil Jesu und seiner Jünger nachzuahmen. Mit zahlreichen Anhängern, Männern wie Frauen, schloss er sich 1120 im Tal von Prémontré bei Laon zu einer Gemeinschaft zusammen, die sich das Ideal des gemeinsamen Lebens im Stil der Urkirche zum Ziel setzte. Im Kloster Adelberg bildete die 1501 erbaute Ulrichskapelle mit dem Patronzinium des heiligen Ulrich und der Maria das geistliche Zentrum des Klosters. Der 1511 geschaffen Flügel- alter blieb bis heute fast unverändert erhalten. Auf seinem rechten und linken Flügel finden sich zwei, dem Patronzinium entsprechende Dar- stellungen der Motive Mariaverkündigung am 25. März und Maria Königin.

Adelberg Ulrichskapelle AltarschreinUlrichskapelle Altarschrein

UlrichskapelleUlrichskapelle

Die Hervorhebung Marias war nicht nur ihrer wachsenden Verehrung im Mittelalter geschuldet, sondern weist auch auf die frühere Bedeutung des Ortes hin. Er bietet nicht nur die Möglichkeit den Sonnenaufgang während des Äquinoktiums über dem Rechberg zu betrachten, sondern um 500 v. Chr. auch die Erstsicht von Spica, dem hellsten Stern aus dem Sternbild Jungfrau. Die Sicht beider Ereignisse über den markanten Punkten ents- prechen auch den neuesten Erkenntnissen der frühgeschchtlichen Kal- enderrechnung. Diese zeigen, dass auch dass assyrische Jahr nicht allein durch das Frühlingsäquinoktium festgelegt wurde, sondern zusätzlich durch die Sichtung von sogenannten Kalendersternen notwendig war.

PanoramaPanorama Adelberg

Als markanter Kalenderstern galt in der assyrischen Kaenderrechnung der Stern Sirius, der in den akkadischen Texten als KAK.SI.SÁ (Lanze, Pfeil) bezeichnet wurde. Sein heliakischer Aufgang bestimmte automatisch das notwendige Schaltjahr, in dem ein weiterer zwölfter Monat mit 30 Tagen zugefügt und durch einen königlichen Erlass ausgerufen wurde. Das Äquinoktium war zur Zeit des römischen Reiches auch der Zeitpunkt des großen Märzfestes, bei dem der Kult der phyrigschen Göttin Kybele ge- feiert wurde. Sie war durch die Unterstützung des Sieges über Karthago zur wichtigsten römischen Göttin aufgestiegen. Ihr Fest bildete einem Fixpunkt im offiziellen Festkalender der römischen Republik. Zu ihren Ehr- en gab es anfänglich die ludi megalsensis, die vom 4. bis zum 11. April gefeiert wurden. Doch gleichzeitig wurde aber das ebenfalls in ihrem Namen abgehaltene Frühlingsfest immer bedeutungsvoller. Dieses be-  gann am Tag des Äquinoktiums mit dem Fällen einer Pinie, dem Symbol ihres getöteten Gemahls. Sie wurde mit Binden umwickelt und zum Tempel der Magna Mater getragen.

Adelberg PlanAdelberg, Sichtung Sonne, Stern

Die kultischen Mysterienfeiern hatten einen Höhepunkt am 24. März,      dem Bluttag, an dem die Kybele – Priester sich in Trance tanzten. Dabei zerschnitten sie sich die Körper mit Tonscherben zerschnitten um mit ihrem Blut den Altar und das Bildnis der Kybele zu tränken. Die gerade beim ärmeren Publikum beliebten Feiern endeten am 27.März, In der Erzählungen tötete der eingangs erwähnte Eber Attis, den Gemahl der Kybele.In der germanischen Mythologie verkörperte das Tier den Sonnen- eber der am kürzesten Tag der Wintersonnenwende sterben muss, um  im Frühling wiedergeboren zu werden. Für den Tag der Wintersonnen- wende scheint der Geländesporn wie geschaffen, der zwischen zwei  Täler weist er genau auf den Sonnenaufgangspunkt. Auch der Hund, der schon in frühen Neolithikum ein Begleiter des Menschen war, erweist sich als stetes Attribut von Göttinnen. So auch Kybele, der er als Seelenbegleit- er ins Totenreich diente. Aber auch vor den Römern gab es bei den Kelten zahlreiche Bezeichnungen für eine große Muttergöttin, wie die Namen Rhiannon, Rigantona- die Große Königin, oder auch Noreia zeigen. Die Sonne, Hund und Eber zeigen, dass das Kloster keinesfalls zufällig an diesem Ort errichtet wurde, sondern ihm eine neue Bedeutung innerhalb der christlichen Lehre verleihen sollte.

Bilder: Kloster Adellberg, Wappen, Altarschrein / Gemeinde Adelberg, Simulation, Stellarium/Sunearthtools

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