Reims, Lug und der Mond

Weinberge ReimsWeinberge südlich von Reims

Unter dem Namen Durocorter wurde die Siedlung am Fluß Vesle um 80 v. Chr. von den Kelten gegründet. In der Literatur wird der Name als `runde Burg´ interpretiert. Abgerundet erscheint der Grundriss der inneren Burg, doch die Bestandteile des Namens, sowie die Geometrie der Siedlung deuten in eine ganz andere Richtung. So setzt sich der Name aus den beiden Worten `dûro´ und ´corter´zusammen. Das gallische Wort `dûro´ ist dem keltischen Wort `dųoro´ ähnlich, das sich aus dem indoeuropä-ischen Wort `dhųer- dhųor´ entwickelte und mit Tür oder Tor übersetzt wird. Im Regelfall wird damit ein zweiflügliges Tor bezeichnet, das Zang- entor eines keltischen Oppidums.

Modell eines Zangentores in Manching

Der zweite Teil des Wortes entspricht einer Verkürzung des altkeltischen Wort `goros´, das mit Garten oder Hof übersetzt wird. Der Name kann  also auch als der Hof mit den beiden Toren interpretiert werden. Diese beiden gegenüberliegenden Tore des inneren Walles liegen auch auf ein- er wichtigen Linie, die die Rolle des Ortes bestimmte. Sie führt vom Son- nenaufgangspunkt am 1. August zum Sonnenuntergang am 1. Februar weist. Nahezu symetrisch zur Senkrechten auf dieser Basislinie wurde  der innere Grundriss der Siedlung ausgerichtet.

Reims PlanReims Plan Sonne- Mond

Im irischen Kalender findet man noch das keltische Erbe, denn dort      wird der Monat August Lunasa genannt, das sich aus dem keltischen Luganasad entwickelte. Dieser Name setzt sich auf den Begriffen `Nasad´, der Versammlung. und `Lug´ dem Eid oder Schwur, zusammen. Der Tag Lugnasad kann also als der Tag der Zusammenkunft verstanden werden. Der römische Kaiser Augustus, erklärte später die nach Lug benannte Stadt Lugdunum, dem heutigen Lyon, zur römischen Hauptstadt Galliens und den Termin Lugnasad 1.August zum dazugehörigen Staatsfeiertag. In den Überlieferungen der keltischen Mythologie Irlands ist Lugh, der kelt- ische Sonnen- und Lichtgott und das Fest selbst war ein Gedenken an seine Ziehmutter, die Fruchtbarkeitsgöttin Tailtiu. In diesen Erzählungen hatte Tailtiu ihr Leben dem irischen Volk geopfert um ihm Nahrung zu spenden.

JahreskreisJahresfeste in einem symetrisch eingeteilten Jahr

Lugh und anderen Göttern wurde an Lughnasadh das erste Brot geopfert, das aus der ersten Korngabe gebacken wurde. So sollte eine weitere gute Ernte gewährleistet werden. In der keltischen Mythologie vollzieht eine Göttin in Gestalt einer Schnitterin das Opfer. Während den Feiern wurden große Strohpuppen angezündet und der Korngott durch die Felder gejagt, bis er schließlich in die letzte Ähre hüpfte, um sich dort auf das Sterben vorzubereiten. Dieser Zeitpunkt kam dann ungefähr 50 Tage später, wenn die Ernte zur Herbsttagundnachtgleiche vollendet war. An diesem Tag endete auch das Leben des Korngottes. Begeitet urde dieses Ritual an Lughnasdah mit einem Schlachtfest, Tanz, Wettkämpfen, Gesang und viel Wein. Mit dem Sonnenuntergang an Imbolc bildete die Linie zwischen beiden Toren eine Zeitachse, die sich streng an der landwirtschaftlichen Tätigkeit orientierte und gleichzeitig eine Art Kalenderachse bildete. Mit dem Fest des Lichtes wurde am 1. Februar das Erwachen der Natur gefeiert und am Ende, am 1. August die erste Ernte.

BriefmarkeBriefmarke zum 1. August

Die Länge beider Strecken, Torlinie und die Senkrechte, stehen im 13/11. Erst in christlicher Zeit wurde die 13 als Unglückszahl betrachtet, währ- end sie zuvor in unterschiedlichen Kulturen noch Ausdruck göttlicher Schöpfung war. So wird im 2. Buch Moses noch auf die 13 Eigenschaften Gottes verwiesen und auch im Nag Hammadi Codex III ist von einem Gott der 13 Aeonen und den Kräften dieser Aeonen die Rede. Auch in der Kultur der Maya spielte die 13 eine wichtige Rolle. In ihrer klassischen Periode gab  es dreizehn Himmel und in mehreren Kalendersystemen der präkol- umb- ianischen Mesoamerika existierten dreizehntägige Zeiteinheiten, die Trecenas.

Kalender ColignyTeilstück des Kalenders von Coligny

Nei den Kelten galt der 13. Tag der Woche als `Urfreitag´, an welchem    die Mondkräfte besonders auf die Lebewesen einwirkten. Die Woche der keltischen Kultur hatte 15 Tage. Sie begann mit dem Tag nach dem Voll- mond und endete mit dem darauffolgenden ersten Tag des Neumondes. Dann zählte man wieder 15 Tage bis zum ersten Tag des Vollmondes. Ähnlich unserem heutigen Sonntag, wurden die Zeiten von Neumond und Vollmond als Festtage begangen. Nach diesen beiden Festtagen folgten zwei 14-tägige Wochen. Der 15. Tag war der Mondwechsel (Wechsel = Woche) und der 2. Tag vor Mondwechsel war der 13. Tag der Urwoche, der Urfreitag. Der Glaube an die Wechselwirkung Mensch und Natur verlor sich mit dem Aufkommen der modernen Landwirtschaft. Doch neuere wissenschaftliche Studien belegen den Einfluss des Mondes  nicht nur   bei den Gezeiten, sondern auch beim Wachstum von Pflanzen.
Auch die Zahl 11 ist eine Zahl des Mondes. Ihre Symbolgehalt, das Über- schreiten einer von Gott gegebenen Grenze, wie sie die 10 Gebote dar- stellen, beruht auch auf einer ganz einfachen Beobachtung. Das Mondjahr von 354Tagen und das Sonnenjahr von 365 Tagen unterscheidet sich ge- nau um 11 Tage.

Bilder:Wickipedia, Zangentor Manching,CC BY-SA 3.0, HeinrichStuerzl / Weinberg u. Reims,Pline / Teilstück Kalender Coligny,Ptyx /Grundriss,www.oppida.org / Simmulation: sunearttools

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