Mont Saint-Michel – das Bild der Offenbarung

Mont Saint MichelMont Saint Michel

Die Darstellung des Mont Dol zeigte die Beziehung zum Mont Saint Michel,  die vom Sonnenaufgang am 1. Mai bestimmt wurde. Wie das Beispiel der Abteikirche auf dem Mont Saint Michel zeigt, folgte auch das Christentum  dieser Jahrtausende alten Tradtion der Sonnengeometrie. Vor dem Bau der Abtei im Jahr 800 trug die 92 m hohe Insel den Namen Mont-Tombe. Die Bewohner erklärte diesen Namen mit der auffälligen Ähnlichkeit des Ortes mit einem Grabhügel. Der Legende zufolge erschien im Jahr 708 dem Bischof Aubert von Avranches der Erzengel Michael und erteile ihm den Auftrag zum Bau einer Kirche auf der Insel. Doch der Bischof auch den mehrfach wiederholten Aufforderungen nicht, bis der Engel ihm mit seinem Finger ein Loch in den Schädel brannte.
Als im 10. Jahrhundert die Normannen zum Christentum übergetreten waren, bekamen sie dafür vom französischen König das Herzogtum Normandie zugesprochen. Im Jahr 966 stiftete Richard I. auf dem Mont Saint-Michel eine Abtei, die 30 Benediktinermönchen ein zuhause bot. Sie entwickelte rasch sich zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum.
Für die Menschen des 13. Jahrhunderts stellte das gotische Bauwerk mit seiner schwindelerregender Höhe ein absolutes Wunder dar.

Monte GarganoMichael erscheint auf dem Monte Gargano

Die Gestalt Michaels als Engelswesen wird im jüdischen Tanach ebenso wie im Alten und Neuen Testament erwähnt. Ein wesentlichen Impuls er- hielt die Michaelslegende durch die Erzählungen über dessen Erscheinung m Jahr 490 auf dem Monte Sant’Angelo im Garganogebirge in Apulien. Ein Viehzüchter soll dort einen Stier gesucht haben und wollte ihn auf einem Felsvorsprung über einer Höhle mit einem Pfeil töten. Dabei lenkte eine wundersame Begebenheit den Pfeil zurück, Der Schütze überlebte auf Grund von Gebeten des Bischofs von Siponto. Ihm erschien daraufhin der Erzengel und erklärte, dass er dieses Wunder vollbrachte, damit dort ein Heiligtum für ihn errichtet werde. Dies entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer der bedeutensten Wallfahrtstätten Italiens.
Bevor 708 Bischof Aubert seine Begegnung mit dem Erzengel hatte, half der auch nach einer Anrufung durch Papst Gregor im Jahr 590 die Stadt Rom von der Pest zu befreien. Aus diesem Grund änderte er auch den Namen des Hadrianmausoleums in Engelsburg. Ehe Michael in Gargano erschienen sein soll, war seine Gestalt noch weit entfernt von der kämpfer-ischen Rolle die ihm später zukam. Viel mehr hatte er die Funktion eines Seelenwägers, Weisen und Heilers, ähnlich dem griechischen Gott Askleipaios. Teilweise  wurde sogar dem ägyptischen Gott Osiris gleichgesetzt.

Michael SeelenwägerDer Seelenwäger

Einer dieser Sprüche aus 4. Jahrhundert mit denen Traumorakel ge- sprochen wurden lautete: Traumforderung ins Licht. Reinige dich von deinem Licht, und sprich bis es erlischt. Sei gesund, Licht, scheine neb- en dem Hasrentheptha und dem Harsenthenechta und dem großen Vater Osiris Michael. Wenn es gut ist wie ich fordere, so zeige mir Wasser und Holz, wenn anders, so zeige mir Wasser und Stein. Der Zauberspruch ist gleich in zweifacher Hinsicht aufschlussreich, denn er bringt den jüdischen Totenengel in Zusammenhang mit dem ägyptischen Gott Osiris.

Mont Saint Michel KircheDie Abteikirche

Der Gedenktag des Erzengels, der später zum Patron der Deutschen wurde, ist der 29. September, doch die Widmung der Kirche fällt auf den 16. Oktober. Doch beide Daten passen aber nicht zu Ausrichtung des Kirchenschiffes. Die anfängliche Rolle des Heilkundigen verlor er aber  bald wieder, denn im Laufe des 7. Jahrhunderts erhielt Michael eine zu- nehmend kriegerische Funktion. Sie entsprach auch den Schilderungen   in Texten der Johannes-Offenbarung. Hier weckt Michael während des jüngsten Gerichtes nicht nur die Toten aus den Gräbern auf, sondern tötet im endzeitlichen Kampf den Drachen zu seinen Füßen (Offenbarung 12, 4 – 7). Den stürzt er anschließend in den Abgrund. n der christlichen Literatur ist Drache die personifizierte Figur des Teufels, der von Michael und später auch vom heiligen Georg getötet wurde, die beide zu Vorbildern für das erstarkende Rittertum wurden.

MondsichelmadonnaMondsichel Madonna

Doch Johannes sah während seiner Vision noch ein weiteres Zeichen    am Himmel und schrieb: `Ich sah eine Frau, die mit der Sonne bekleidet war; sie hatte den Mond unter ihren Füßen, und auf ihrem Kopf trug sie eine Krone aus zwölf Sternen. Und sie war schwanger und schrie in ihr- en Wehen, denn die Schmerzen unmittelbar vor der Geburt hatten sie erfasst´. Aus dieser Frau, die den Kampf des Erzengels vom Mond aus verfolgt wird später das beliebte Motiv der Mondsichelmadonna mit dem Strahlenkranz. Die figürliche Entwicklung war damit aber nicht zu Ende, denn der Kranz der 12 Sterne und die Farbe ihres Gewandes findet sich heute in der Flagge Europas. Doch die landläufige Interpretation die sich auf vielen Altären finden lässt trifft gar nicht den Sachverhalt. Vielmehr symbolisiert die Frau das Volk Gottes und die Sonne mit der sie bekleidet ist ein Sinnbild Christi. Auch das Bild des Mondes ist keinesfalls wörtlich zu verstehen, denn im Gegensatz zur Sonne hat der Mond keine eigene Leuchtkraft. Er reflektiert das Licht der Sonne und stellt auf diese Weise . Er ist auf diese Weise ein treffendes Sinnbild der Kirche dar die das geist- liche Licht und ihr Leben allein von ihrem himmlischen Herrn empfängt.

Mont st. Michel Plan1Ausrichtung nach der Sonne

Dennoch bestimmte Verbindung Michaels mit Maria die Ausrichtung der Kirche. Traditionell wurde sie bei den Benediktinern verehrt und im Volks- glauben bestimmte sie das Bild der Offenbarung. Addiert man den Winkel des Sonnenaufganges am 29. September mit dem Hochfeiertag Marias, Maria Himmelfahrt am 15. August ergibt dies den Winkel der Baulinie. In- sofern stellt der Kirchenbau ein Abbild dieses kämpferischen Einsatzes des Erzengels während der Johannesvision dar.
Auch das Motiv der mit zwölf Sternen besetzten Krone auf dem Kopf der Frau war kein reines Zahlensymbol, sondern versteht sich als ein Sinnbild des zwölffachen Leitungs- und Lehreramtes der Kirche. Insofern, voraus-gesetzt die Europäische Union versteht ihre eigene Symbolik, hat sie sich ein Sinnbild gewählt, das auf einer Jahrtausendealten Tradition beruht die ihre Wurzeln in Babylon hat.

Bilder:Wikipedia, Monte Gargano, Dcastor /Mondsichelmadonna im Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg , Testus / Simulation stellarium

 

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