Der Drache am Drachenfels

DrachenfelsDrachenfels, von der linken Rheiinseite

Anlässlich der Feier zum Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig schrieb Heinrich Heine sein Gedicht `Die Nacht auf dem Drachenfels´. Bereits die erste Strophe lässt ein Motiv anklingen das bereits die alte Sage vom Drachenfels beherrschte: `Um Mitternacht war schon die Burg erstiegen, Der Holzstoß flammte auf am Fuß der Mauern, und wie   die Burschen lustig niederkauern, Erscholl das Lied von Deutschlands heilgen Siegen´.
Von einem Sieg berichtet auch die alte Sage vom Drachenfels, als hier die Herrschaft eines Ungeheuers beendet wurde, unter dem die Bevölkerung seit vielen Jahren gelitten hatte. In alten Zeiten, so die Sage, als an den Ufern des Rheins noch Heiden wohnten, hauste im Siebengebirge ein furchtbarer Drache, dem man tagtäglich Menschenopfer darbrachte. Meist waren es arme Kriegsgefangene, die ihm vorgeworfen wurden. Un-   weit der Höhle band man sie fest an einen Baum, unter dem ein Altar aufgemauert war.

Drache FanfurDrache Fanfir bei nibeölungenhalle

Zur Zeit der Abenddämmerung kam das Ungeheuer hervor und verschlang gierig die Opfer.  Einst brachten die Bewohner des Landes von einem Kriegszug eine christliche Jungfrau von großer Schönheit als Gefangene mit. Da sich die Anführer über den Besitz der Beute nicht einigen konnten, wurde die Unglückliche als Opfer für den Drachen be- stimmt. Auf dem Altarsteine wurde sie, in weißem Gewande, wie eine Braut geschmückt, festge- bunden. Ruhig stand sie da, ergeben in Gottes Willen. Aus der Ferne blickte das Volk wie gebannt nach der furchtbaren Stätte. Als die letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf den Eingang der Höhle fielen, kam mit glühendem Atem der Drachen hervor und kroch nach dem Altare, um sein Opfer zu verschlingen. Doch auch da verzagte die edle Jung- frau nicht. Zuversichtlich hielt sie ihr Kreuzlein empor. Vor diesem Zeichen wich das Untier zurück; brüllend und schnaubend stürzte es sich den Felsen hinab in den Rhein. Voll Staunen und Freude eilte das Volk herbei, um die Jungfrau zu befreien. Es bewunderte gar sehr die Macht des Christengottes und ließ die Gerettete frei in die Heimat zurückziehen.

Drachenfels SageDie Lichtjungfrau vom Drachenfels

Die weiße Frau ist jedoch kein Bild der Fantasie, sondern entsprang ganz konkreten Vor- stellungen der vorchristlichen Mythologien. Sie trat mit dem Ende des dunklen Winter-halbjahres auf und hatte viele Namen. In der keltischen-irischen Tradition ist sie mit Brigantia, oder auch Brigid überliefert. Je nach Interpretation bedeutet der Name `glänz- ender Pfeil, oder auch die Strahlende und Erhabene. In den Vorstellungen löste sie löste die dunkle, schwarze Göttin ab, die als Percht, Cerridwen oder auch Morrigane den Wint- er beherrschte.In den damaligen Vorstellungen stiegen mit ihr die Elementarwesen und Fruchtbarkeitsgeister aus der Erde um die Natur zum Erblühen zu bringen. Ihre Herrschaft dauerte bis zum Mai, dem Zeitpunkt der Heirat mit dem jungen Sonnengott. In der Sage wird die Errettung der Jungfrau ohne den in anderen Erzählungen auftauchenden jungen Helden geschildert, dem im Mittelalter beliebten Motiv des Drachentöters.

Drache und St. GeorgDrachentöter St. Georg

In der Drachenfelssage bezwingt die weiße Jungfrau das Untier mit dem Symbol des Kreuzes. Hier erinnert die Handlung die Legende der Drachenheiligen Martha vom Rhonetal. In ihr wird erzählt, wie Martha in der Nähe des später so genannten Tarascon  im Rhônetal den Menschen fressenden Drachen Tarasque mit einem Kreuzzeichen und Weihwasser bändigte. Anschließend soll sie an ihrem Gürtel nach Arles geführt haben. In der Legenda aurea, einer 182 Traktate umfassenden Sammlung von Heiligen Geschichten und Legenden, sind rund 60 Drachenheilige erwähn, die alle ähnliche Untiere besiegt haben. In diese Erzählungen steht das Untier symbolisch für die Qualen der Blutzeugen und dem anschließenden Sieg des Glaubens. Im frühmittelalterlichen Glauben person-ifizierte der Drache das Heidentum, die Sünde, später auch die Ketzerei. Immer wird er  im Kampf getötet und der Sieg über ihn ist Sinnbild für ein mit Gottes Hilfe vollzogenes Wunder. Wurde er nicht mit dem Schert getötet, genügte dafür das Zeichen des Kreuzes oder auch ein Gebet,

Venusberg SonneSonnenrichtung Venusberg

Um dieses Wunder von Bonn zu verstehen, muss man den Standort auf dem Venusberg wählen. Sein Name soll sich aus dem Fenn entwickelt haben, der auf das Niederlöndische Wort Morast zurückzuführen ist. Wie auch beim Drachenfels ist dieses Verständnis der Landscaft nur durch den Kulturbruch nach der Christianisierung zu verstehen. Dass alle Namen auf die alte Sonnengeometrie zurückzuführen zeigt schon der Petersberg. Auch hier zeigt sich die einstige Bedeutung des Venusberges, denn vom diesem Standpunkt aus lässt sich der Sonnenaufgang am 22 Februar beobachten, dem Gedenktag Kathedra Petri oder auch Petri Stuhl.
So erklärt auch der Sonnenaufgang am Drachenfels am 1. Februar die Sage der weißen Jungfrau, denn zu diesem Zeitpunkt feierten Kelten und später Germanen das Ende der dunklen Winterzeit mit dem Erscheinen einer Lichtjungfrau. Verständlich, dass diese Gestalt im Glaube der Menschen weiterleben musste, aber eben mit einem Kreuz in den Händen, um die Macht des neuen über den alten Glauben unter Beweis zu stellen.

Bilder: Wikipedia/Drachenfels von der linken Rheinseite,Heuschrecke – Drache Fanfir bei Nibelungenhalle, Leit – Simulation/ sunearthtools

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