Reichenau, Markus und die Sonne

Hati und ManiHati und Skalli jagen Mani und Sol , Dollmann 1909

Zwar sind Ebbe und Flut sichtbare Auswirkungen der Gravitationskräfte des   Mondes auf die Erde, doch mehr Einfluss wird dem ihm heute immer noch nicht zuge- messen. Deshalb wird sein Einfluss auf die Pflanzenwelt bis heute kaum beachtet. Dies verhindern die Sicht der Wissenschaft und auch die Prämissen der industrialisierten Landwirtschaft. Wer dennoch diesen Mondkräften auf die Spur kommen will, sollte sich mit Möhren oder Buschbohnen intensiver auseinander- setzen. Scheint doch die Möhre ein wahrer Mondliebhaber zu sein, denn ausge-   sät drei Tage vor der Vollmondstellung, bedankt sie sich mit Mehrerträgen von bis   zu 14%. Dieser Dank setzt sich fort bis zur Lagerhaltung, denn die ist am besten bei Möhren die in diesem Zeitraum gesät wurden. Aber auch die Buschbohne hat eine geheimnisvolle Verbindung zum Mond. Aussaaten während des Mondhöchststand- es belohnt sie mit bis zu 16% Mehrertrag, wobei eine Aussaat bei einem Mondtiefst- stand ihr Wachstumskraft nimmt und so ein statistischer Minderertrag von bis zu 9% zu erwarten ist. Erst in den letzten Jahren, als an vielen Orten eine Abkehr von der traditionellen Landwirtschaft zu beobachten ist, wurden Dank aufgeschlossen wis- senschaftlichen Instituten diese alten Erkenntnisse beim Anbau von Feldfrüchten wieder entdeckt.

chons-falkeAltägyptischer Mondgott Chons, um 2500 v. Chr.

Dass in führen Kulturen ein Mondgott die Spitze des Götterhimmels einnahm, dürfte nicht nur auf dessen fruchtbringende Eigenschaften zurückzuführen sein, sondern auch auf eine Umlaufbahn. Sie reicht höher in den Himmel hinauf als die der Sonne, eine Charakteristik die sich in seiner Macht ausdrückte. Wie die Sonne, beschreibt auch der Mond bei seinen Auf- und Untergangspunkten einen Pendelbogen, dessen Endpunkte die Große und kleine Mondwende sind. Die Verehrung von Mond und Sonne konkurrierten und im Laufe des 3. Jahrtausends gewann die Sonnenverehr- ung immer mehr an Bedeutung.

Zellersee mit Radolfzell im HintergrundHalbinsel Mettnau

 An das alte Zeitalter der Mondverehrung erinnert aber noch die Einbettung der    Insel in den Untersee. Nahezu exakt folgt das Seeufer der Richtung der kleinen Mondwende Süd, während das nordöstliche Ufer der großen Mondwende folgt.  Doch die Richtung der Landzunge der Halbinsel Mettnau, die sich aus der Luft betrachtet mit dem nördlichen Ausläufer der Reichenau zu verbinden scheint, folgt der Ausrichtung der Wintersonnenwende. Tatsächlich gibt es in diesem Bereich kaum Stellen die tiefer liegen als 1m. So ist  es auch nicht verwunderlich, dass bereits ein  Jahrhundert nach der Klostergründung auf der Insel Reichenau größ- erer Grundbesitz im heutigen Stadtgebiet von Radolfzell zum Kloster auf der Insel gehörten. Mag dies nur zufällig Laune der Natur erscheinen, so weist die Geometrie der Insel eben jene beiden Sonnenrichtungen auf, die in frühgeschichtlichen Zeiten wichtige Daten im Jahreskreis markierten. Diese exakte Ausrichtung auf das Er- eignis der Sonnenwende lässt vermuten, dass die einstige Landverbindung die Funktion einer Prozessionsstraße hatte, die zum Heiligtum eines Sonnenkultes auf der Insel führte.

Reichenau See KopieGeometrie des Untersees

Reichenau DetailDie Geometrie der Reichenau

War die Insel in der Frühgeschichte Ort eines Sonnenkultes, so lässt sich der      spätere Kult um die Reliquien des heiligen Markus besser einordnen. Venezian- ische Seeräuber hatten die Überreste des Evangelisten im Jahr 829 nach Venedig gebracht, wo er zum Patron er Stadt erklärt wurde. Während eines Aufstandes ge- langten sie nach Verona. Dort erhielt sie der mit der Reichenau verbundene Bischof Ratold von Verona für die Unterstützung des Frankenkaisers Lothar. Die Weitergabe erfolge geheim, weshalb sie anfänglich auch als die Reliquien des heiligen Valeris ausgegeben wurden. Erst um 860 wurde ihre Existenz öffentlich und die Insel Reich- enau zu ihrem endgültigen Aufbewahrungsort erklärt.

Evangelist MarkusEvangelist Markus

Der Evangelist Markus , der unter dem Einfluss von Petrus zum Christentum bekehrt wurde, wird mit dem Symbol des Löwen in Verbindung gebracht. Bereits in vorchrist- licher Zeit steht der Löwe für ein universales Bild des königlichen Herrschers, der als eine Inkarnation oder als Stellvertreter der Sonnengottheit gesehen wurde. Diese Auffassung hat sich zumindest im übertragenen Sinn in der Heraldik des 19. Jahr- hundert durchgehend erhalten. Das im Orient sehr verbreitete Motiv des Löwen, der ein Rind oder anderen Hornträger schlägt, ist aber auch kulturgeschichtlich als ein Symbol der Überwindung des sesshafteren und zugleich mondorientierten Stier-Zeitalters zu sehen, das durch eine expansivere und kämpferische Geisteshaltung abgelöst wurde.
Anlagen die mit Prozessionsstraßen in Verbindung gebracht werden, sind in Mittel- europa nur wenige bekannt . Eine unter ihnen ist der Anweg zu einem frühkeltischen Grabhügel am Glauberg. Der Hügel hat einen Durchmesser von 48m und eine Höhe von knapp 6m. Bei Ausgrabungen stießen Archäologen auf zwei parallele Gräben im Abstand von 10 , die eine Länge von 350 m aufwiesen. Da ihre Ausrichtung auf den Aufgangspunkt des Mondes während der südlichen Mondwende identifiziert wurde, vermuteten die Wissenschaftler einen Zusammenhang mit einem Mondkult der Kelten.

Bilder: Wikipedia, Hati und Skalli jagen Mani und Sol ( Dollmann 1909) , Haukurth / Halbinsel Mettnau /Hansueli Krapf , von Simisa / Simulation; sunaerthtools

 

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