Devils Tower und die 7 Jungfrauen

Devils TowerDevils Tower National Monument

Im Nordosten des US-Bundesstaates Wyoming liegt Crook County. Dort erhebt sich eine der geheimnisumwittersten Geländeformationen über die Waldlandschaft fast 265 m hoch über die Ebene. Mit seinen nahezu senkrechten Felswänden wirkt das Devils Tower National Monument wie ein Fremdkörper und scheint seinen Namen auch nicht zu Unrecht bekommen zu haben, denn seine Entstehung begann tief im Innern der Erde.

GeologieEntstehung der Formation

Fast sein gesamtes Volumen besteht er aus alkalischem Vulkangestein Phonolith das zu säulenartig erstarrt, an den Bergflanken des Devils Tower zu sehen ist. Gelogen erklären die Entstehung der Formation durch Hebungen und Senkungen einer Geländeplatte vor etwa 50 Millionen Jahren, in dessen Folge heißes Material aus dem Erdinnern nach oben gedrückt worden sein soll. Dieser Vorgang führte dann und zu dieser domartigen Erhebung über in der Ebene von Crook County. Seine beeindruckende Form gab ihm auch eine mythische Bedeutung, denn von mehreren Völkern der Prärieindianer wird er als ein heiliger Ort verehrt, dessen Entstehung in einigen ihrer Legenden erklärt wird. Die wohl berühmteste unter   ihnen ist die der 7 Jungfrauen.

Kiowa IndianerKiowa Indianer ind traditioneller Kleidung

Sie stammt von den dort ansässigen Kiowa Indianern, die Devils Tower auch Mateo Tepe nennen. Ihren Erzählungen zufolge sollen einmal sieben Jungfrauen in der Nähe des Flusses kampiert haben obwohl das Territorium bekannt dafür war , dass sich dort viele Bären aufhalten. Tatsächlich entdeckte einer der Bären die Jungfrauen und verfolgte sie. In ihrer Not knieten sich nieder und flehten um Hilfe die sie von den Göttern erhofften. Die erhörhten das Flehen der 7 Jungfrauen und daraufhin wurde der Boden in den Himmel hinaufgehoben. Vergebens versuchte der Bär ihnen zu folgen und schlug voller Zorn seinen Klauen in die Seiten der Felsen. Deshalb sol- len seine Spuren noch heute am Devils Tower sichtbar sein. Um die Jungfrauen auf ewig zu beschützen, erlaubte ihnen dann der Große Geist, als die 7 Schwestern, die am Himmel zu bleiben.

Plejaden GemäldePlejaden. Gemälde von Elihu Vedder, 1885, Metropolitan Museum of Art, New York
Unverkennbar ist dies eine Erklärung für die Existenz des Plejaden wie sie es auch in der griechischen Mythologie gab. Auch dort ist die Rede von den 7 Schwestern, den Plejaden. Es sind die 7 Töchter von Atlas und Pleione und heißen Alcyone, Merope, Electra, Celaeno, Taygeta, Maia und Asterope. Über ihr Schicksal gibt es unterschiedliche Erzählungen. Eine schildert sie als die jungfräulichen Begleiter- innen der Göttin Artemis, die Orion über die Wiesen Böotiens verfolgte, bis sie in Tauben, den peleiades verwandelt wurden. Als Tauben hatten sie die Aufgabe den Göttervater Zeus mit Ambrosia zu versorgen. Doch ein Felsentor, das sie auf ihrem Weg passieren mussten, wurde ihnen zum Verhängnis. Immer wieder bezahlte eine der Tauben ihren Flug mit ihrem Leben und wurde von Zeus wieder ersetzt. Zum Dank für ihre Taten wurden sie dann als Siebengestirn in den Himmel versetzt.
Nicht nur bei den Indianer Wyomings oder den Griechen wurde die Entstehung des Siebengestirns mittels Legenden erklärt. Erzählungen zu seiner Entstehung sind auch bei zahlreichen weiteren Kulturen zu finden. Die wohl früheste erhalten ge- bliebene Aufzeichnung über das Siebengestirn der Plejaden dürfte die astronom-ischen Literatur Chinas bieten, denn dort sind sie bereits 2357 v. Chr. verzeichnet.    In Wirklichkeit diente die Mythologie der 7 Schwestern zusammen mit anderen zur Erklärung des jährlichen Kreislaufes der Natur, denn ihr Aufgang am Horizont mark- ierte den Beginn und das Ende von Wachstumsperioden.

Maori HausGeschnitzter Giebel eines Maori Hauses

Wie sich die Sicht der 7 Schwestern weltweit verbreitete, zeigt sich auch am Beispiel der Matariki. In der Sprache der neuseeländischen Māori ist dies die Bezeichnung für das Sternbild der Plejaden. Auch in der polynesischen Māori-Kultur war das Stern- bild bedeutsam für die kalendarische Festlegung der korrekten Termine von Aus- saat und Pflanzung. Sie bestimmten auch die Jahreseinteilung, denn mit ihrem und dem Aufgang des Sternes Rigel am nächtlichen Himmel, kurz vor dem Sonnenauf- gang im späten Mai, endete das alte Jahr und das neue begann. So erfüllten auch hier die7 Schwestern gleich mehrere Funktionen. Für das Volk, das über zahlreiche Inseln verstreut lebte, war die Navigation auf hoher See von zentraler Bedeutung. Deshalb vermuten Wissenschaftler, dass Plejaden auch hier eine wichtige Rolle spielten, denn ihr Name leitet sich wahrscheinlich von Mata-riki, die kleinen Augen ab.
Dies bestätigt auch der griechische Dichter Homer im 5. Gesang seiner Schilderung der Seefahrt von Odysseus nach Ithaka. Hier beschreibt ganz nebenbei die damalige Navigation der Seeleute unter Zuhilfenahme von bekannten Sternpositionen, die in Sterntafeln verzeichnet waren: `Auf die Plejaden gerichtet und auf Bootes gerichtet, der langsam untergeht, und auf den Bären, den andre den Wagen benennen, Welcher sich im Kreise dreht, den Blick nach Orion gewendet … `,

Odysseus SchiffOdysseus auf seinem Schiff

Diese kulturelle Bedeutung müssen die 7 Schwestern auch bei den Indianern Wyomings besessen haben, die sie am heutigen Devils Tower National Monument verortet haben. Sicher  nicht ohne Grund, denn die Geometrie des Plateaus ent- spricht auch der Lage dieses Sternbildes. Doch nicht zu einem beliebigen Zeitpunkt, sondern, wenn es kurz vor dem Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende am Osthorizont erschien.

Devils Tower Plan Lage der Plejaden kurz nach Sonnenuntergang, Wintersonnenwende um 1200

Devils Tower SonneWintersonnenwende und die Missouri-Buttes

 

Bilder: Wikipedia, Devils Tower National Monument, Zimbres / Kiowa Indianer, Kürschner / Plejaden. Gemälde von Elihu Vedder, 1885, Metropolitan Museum of Art, New York / Shuishouyue / Maori carvings on the waka house at the The treaty grounds in Waitangi / Montanabw / missouri buttes, VolcanoInf/ Simulation, Stellarium

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