Die Matrix des Kyffhäuser

Kyffhäuserdenkmal1900

Kyffhäuser Denkmal um 1900

Eine Legende des Kyffhäusers erzählt von dem im Berg schlafenden Kaiser Barba-rossa. Mit seiner 1817 erschienen Ballade verhalf der Dichter Friedrich Rückert ihr  zu einer ungeahnten Popularität. Sie machte die Sagenfigur des Stauferkaisers Barbarossa zu eine identitätsstiftenden Heilsfigur deren Wirkung sich nicht einmal Bismarck entziehen konnte. Deshalb sollte eine von ihm finanzierte Expedition die nach dem plötzlichen Tod Barbarossa in Tyros bestatteten Knochen bergen und nach Deutschland bringen. Dort sollte sie in einem deutschen Nationaldenkmal, dem gerade vollendeten Kölner Dom, bestattet werden. Dieser ideell überhöhte Ort war als Symbol der Reichseinigung vorgesehen. Doch die vergebliche Suche nach den Überresten des Kaisers verhinderte das Projekt.

Barbarossas ErwachenBarbarossas Erwachen von Hermann Wislicenus im Bilderzyklus der Kaiserpfalz Goslar (um 1880)

Der Wurzeln der Legende, die in dem Gebirge im südöstlichen Teil des Harzes be- heimatet ist, liegen im frühen Mittelalter. Es ist die Zeit als Friedrich I. Barbarossa 1152 in Aachen zum Deutschen König und 1155 in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt wurde. Sein Reich hatte eine Fläche die das Gebiet Deutschlands, den Alpenraum und das nördliche Italien umfasste.   In der Erinnerung an die Regentschaft Barbarossas wurde sie als eine Epoche    des Friedens empfunden, die durch innenpolitische Stärke und diplomatisches Geschicke geprägt war. Auch sein Enkel Friedrich II führt diese Politik fort, der mit seiner umfassenden Bildung als die überragende Persönlichkeit seiner Zeit galt.  Als `Stupor mundi´, der die Welt in Erstaunen versetze ging er in die Geschichte ein. Doch der Erfolg des Staufers auch im außenpolitischen Bereich, waren dem Papst ein Dorn im Auge und so bezeichnete er ihn noch zu seinen Lebzeiten als den Antichristen.

Friedrich II mit FalkenFriedrich II mit Falken

Bereits ein Jahrhundert nach seinem Tod berichtete der Chronist Johann von Winter- thur: `Er (Friedrich) wird mit der Herrlichkeit des Reiches zurück-kehren… und alle Gerechtigkeit erfüllen´. Der Mythos einer Heilsgestalt war geboren, die den Frieden zurück in die Welt bringen sollte. Der Wunsch erfüllte sich nicht, dennoch bedienten sich im 15. Jahrhundert eine antiklerikalen Sekte in Nordthüringen der Wirkung diese Heilsgestalt, denn in dieser Zeit verbanden sich die Hoffnungen einer Wied-  erkehr des Kaisers mit den in der Region des Kyffäusers vorhandenen Sagen. Im Jahr 1519, so die Vermutung der Historiker, mischten sich auf Grund einer Schrift des Stadtarztes `Adelphus zu Landshut´ beide Figuren. Er beschrieb den Kaiser    als Barbarossa mit langem roten Barte in einem holen Perg hausend. Die Beweg- ung der Romantik verhalf dieser Vorstellung zu ihrem endgültigen Durchbruch. Nun war er der schlafende Kaiser, der einst wieder erwachen und aus dem Berg heraus-treten würde. Mit ihm sollte ein goldenes Zeitalter des Friedens und der Harmonie beginnen.

Barbarossa PortraitKyffhäuser Denkmal – Barbarossa Portrait

Der Legende liegt das alte Motiv der Bergentrückung zu Grunde die zum Bestand-  teil zahlreicher Mythologien ist. Sie berichten wie Menschen aus der realen Welt verschwinden, doch ohne zu sterben, leben sie in einer unterirdischen Welt weiter. Im Skandinavien ist die Bergentrückung oder auch `Bergtagning´ genannt, ist eng mit der Vorstellung des nordischen Trollglaubens verbunden, wo erwachsene Menschen beiderlei Geschlechts nach Verfehlungen in eine Unterwelt entführt werden.
Das ab 1896 errichtete Kyffäuser Denkmal verlieh der Sage vom schlafenden Kaiser endgültig eine bildliche Gestalt. Der Bau, angeregt vom deutschen Kriegerbund, wurde etwas unterhalb vom Gipfel des Kyffhäuser Burgberges errichtet, einem knapp 800m langen Ostausläufer des Gebirges. Die Standort korrespondierte nicht nur mit dem Ort der Sage sondern lag auch zwischen den Teilen der ehemaligen Reichs- burg Kyffhausen.

Reichsburg Kyffhausen1900Reichsburg Kyffhausen, Barbarossaturm um 1900

Der Bau sollte ein Symbol nationaler Einigkeit darstellten, die die zahlreichen Krieg- ervereine durch die deutsche Sozialdemokratie bedroht sahen. In verkürzter Form wurde das einstige Scheitern der Staufer als Mahnung empfunden, um Deutschland vor einer Wiederholung dieses zu bewahren. Das mächtige, aus rotem Sandstein erbaute Kyffhäuser Denkmal sollte diese Entschlossenheit zum Ausdruck bringen. Stilistisch lehnte sich der blockhafte Aufbau des Denkmals an die Architektur der Stauferzeit an. Die im Sockelbereich sitzende Figur des Kaisers steht sinnbildlich   für den Wunsch der Reichseinigkeit, an die das mehrere Meter über  ihm stehende Reiterstandbild Kaiser Wihelms ebenso anknüpft. Da Wilhelm mit  der Kaiserkrön- ung 1871 den lang ersehnten Wunsch der Einigung vollendete,  wurde er auch oft in Anlehnung an den berühmten roten Bart des schlafenden Kaisers als Barbablanca, der Weißbart bezeichnet.

Kyffhäuser PlanKyffhäuser Breitenkreis

Angesichts des mythisch aufgeladenen Ortes stellt sich die Frage warum ausge- rech- net an dieser Stelle und nicht an einer wichtigen Verkehrsroute. Ein wesentlich er Grund für dessen Bedeutung dürften aber nicht nur die Sagen sein, sondern auch seine besondere seine Position. So liegt der Berg liegt auf einem Breitenkreis mit umgerechnet 51,41306°Nord. Wird der Vollkreis mit 360 Grad durch diesen Winkel dividiert, erhält man die Zahl 7. Auch bei der Division der Länge dieses Breitenkreis- es und der Äquatorlänge erhält man ein ganzzahliges Verhältnis mit einer symbol- ischen Aussage: 50 zu 80.
Da diese Erkenntnis weit zurückliegen dürfte, führt sie auch zu einer Interpretation des Namens. In der Literatur wir Kyffhäuser gerne von dem althochdeutschen Wort kifelen, streiten abgeleitet. Doch es gibt auch die Wagenkipf oder Wagenrunge, die als Wagengabel noch in mehreren Wappen auftaucht. In der Heraldik vereinfacht dargestellt gleicht sie auf verblüffende Weise einem Stiersymbol, dem Zeichen einer Kulturepoche, die vom 5. Jahrtausend bis zum 2. Jahrtausend dauerte.

Wagenkipf2

Minoischer Stier und Wagenkipf

Bilder:Wikipedia/ Kyffhäuser um 1900, Jan Arkesteijn / Barbarossas Erwachen von Hermann Wislicenus im Bilderzyklus der Kaiserpfalz Goslar (um 1880),Magnus Manske) / Kyffhäuser von Tilleda, Dguendel / Barbarossa Portrait, Reinhard Kirchner /Friedrich II. mit seinem Falken, Il Dottore / Reichsburg Kyffhausen, Barbarossaturm um 1900, Jan Arkesteijn / Minoischer Stier, Kungfuman

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s