Das Sonnendreieck Hohenasperg

Hohenasperg Luft 1950

Hohenasperg , Luftbild 1950

Weithin sichtbar liegt der Berg inmitten des Strohgäus. Schon früh wurde er als `Württembergs höchster Berg´ bezeichnet. Seine Berühmt- heit erlangte er aber nicht durch seine Jahrhunderte dauernde Besiedel- ung, sondern in seiner Funktion als Gefängnis. Jeder Häftling der hier einsaß kannte das geflügelte Wort: Es dauere nur fünf Minuten um hinauf zu kommen, aber Jahre um wieder herunter zu gelangen. Auf Grund der zahlreichen prominenten Insassen des Landesgefängnisses wurde der Berg im Volksmund auch den Hausberg der `schwäbischen Intelligenz genannt.

Hohenasperg Festung 1

Hohenasperg, Zufahrt zur Festung

Über die Vorgeschichte der einstigen Landesfestung und des Gefängnis- ses ist nur wenig bekannt. Zahlreiche Funde deuten im Umland deuten jedoch auf eine rege Siedlungstätigkeit im Umland seit dem Neolithikum
Hügelgräber rund um den Hohenasperg veranlasste Archäologen in den 90-er Jahren zur Annahme, dass auch der Berg wie ähnliche Anhöhen zur Zeit der Kelten ein Fürstensitz war. Stichhaltige Beweise für diese Annahmen gibt es allerdings so gut wie keine. Ebenso wird hier eine Thingstätte vermutet die hier bis in das frühe Mittelalter hinein exist- iert haben soll. Der Berg hatte zweifellos eine besondere Funktion, was schon der erste urkundlich festgehaltene Name zum Ausdruck brachte. Um 1181 hieß er noch Ascisberc doch schon 10 Jahre später war der heutige Name Asperk deutlich erkennbar. Eine erste Ähnlichkeit zum Namen lässt sich im lateinischen Verb ascendre erkennen das mit aufsteigen übersetzt wird Im Name steckt auch die Infinitiv Konjugation ascuire, `du nimmst auf´. So scheint im ursprünglichen Name bereits seine spätere Funktion als Gefängnis präfiguriert gewesen zu sein.

Gartenlaube 1866

Gartenlaube 1866, Schiller besucht Schubart im Kerker

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts hatte die mittelalterliche Burg als Schutz vor Angriffen ausgedient, denn das aufkommende Schwarzpul- ver hatte mit den Bombarden eine ganz neue Waffengattung ins Leben gerufen. Durch den Beschuss mir schweren Steinkugeln konnten die statisch ungünstig dimensionierten Burgmauern relativ rasch zerstört werden. Durch bessere Konstruktionen erhöhte sich im lauf es 15. Jahr- hunderts die Reichweite und Feuerkraft der Bombarden deutlich. So konnten französische Truppen unter Karl VII. vom Mai 1449 bis zum August 1450 mit Hilfe von Bombarden über siebzig englische Stützpunkte in der Normandie erobern,
Festungsbaumeister reagierten auf die neue Gefahr mit veränderten Mauerquerschnitten. Die Die Mauern wurden niedriger und durch einen breiten Wall verstärkt, der als Geschützplattform diente. Die Wälle wurd- en nicht mehr aus homogenen Mauerwerk erbaut, sondern mit einem Kern aus Erde, der den Impuls der Geschosse abdämpfen sollte. Der Ge- brauch von Bombarden und später der Kanone veränderte natürlicher- weise die Geometrie der Mauer sondern auch der gesamten Schutzan- lage. Neuerung kamen aus Italien, wo der Architekt und Theoretiker Leon Battista Alberti 1452 in seinem Traktat `De re aedificatoria´ vor- schlug neue Festungsanlagen nach geometrischen Mustern zu bauen die auf sternförmigen Grundrissen berichten. Ähnliche Konzepte wurden im Laufe des 15. Jahrhunderts entwickelt die zum Name `trace italienne´, führten.

Palmanova1600

Plan von Palmanova um 1600

Die mehr formalen Überlegungen Albertis, die den Idealvorstellungen der Renaissance entsprachen, machte später der Architekt Ghuilano da Sangolla praxistauglich, Mit dem Bau der Bastionen von Poggo Imeriale entstand 1487 die erste Festung nach den modernen Grundsätzen. Sangallo plante eine Festung mit 10 spitzwinkligen Bastionen die weit über die Festungsmauern hinausragten. Mit diesem Prinzip waren die Verteidiger in der Lage bei einem Angriff den Gegner von zwei Seiten unter Feuer zu nehmen, In der Folgezeit setzt sich regelmäßige Vielecke mit herausragen spitzen als Idealform der Festung durch. Doch der Hoh- enasperg entspricht trotz den späteren Zubauten nicht diesem Schema.
Betrachtet man die Geometrie der Festung genauer, erkennt man ein klare geometrische Figur, deren Nordwestseite durch die Ausrichtung auf den Sonnenaufgang der Sommersonnenwende ausgerichtet ist. Die Südwestseite jedoch orientiert sich zur Hälfte an de Sonnenaufgang der Wintersonnenwende. Durch eine Symmetrieachse die das Dreieck in zwei gleiche Winkel von je 30° Grad teilt, erklärt sich auch die Ost – und der restliche Teil der Südseite. Einen Bezug auf Sonnenwende lässt sich im Burgenbau immer wieder feststellen, doch die Geometrie der auch die Anhöhe selbst in Teilen folgt, scheint auf wesentlich älteren Bezügen zu beruhen. Sie könnten tatsächlich bis in die Bronzezeit zurückreichen könnten.

Hohenasperg Plan neu Kopie

Hohenasperg – Sonnendreieck

Eine denkbare Möglichkeit die zur gespiegelten Geometrie des Hohen- asperg geführt haben könnte, wäre die Ausrichtung der Hauptasche. Um 1100 v. Chr., zur Zeit der Urnenfeldkultur, hätte sie einen tieferen Sinn erhalten. In dieser Zeit stieg in dieser Richtung der Leitstern Arkturus zur Zeit der Wintersonnenwende über den Horizont.

Zur Zeit er Sommersonnenwende taucht die Sonne über dem Benning bei Großbottwar auf. Noch heute genießt der Berg nicht nur durch sein- en Wein Beachtung. Seit den 70-er Jahren entzündet dort die CVJM an Silvester ein Fackelkreuz. Vielleicht kann dieses Ritual als Rest einer Erinnerung an die einstigen Sonnenbezüge gedeutet werden, die mit der Anlage der Haftanstalt erloschen ist. Vor dem Hintergrund der Sonnen- ausrichtng gewinnt der Name Ascisberg auch eine ganz andere Bedeut- ung. Mit dem lateinischen Wort aufsteigen war nicht der Aufstieg zur Haft, sondern ursprünglich der Aufstieg er Sonne gemeint.

Bilder: Hohenasperg Dürer 1519 / Wikipedia, Festung Hohenasperg von 1950, D.W. / Festung Hohenasperg, (Magnus Manske) / Karte von Palmanova um 1600,Holger.Ellgaard / simulation Sunearthtools, Stellarium

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