Freudenstadt, die Georgsstadt

Freudenstadt Merian 1643 Kopie

Freudenstadt, Merian 1643

Zwei Barben und die für Württemberg obligatorische Hirschstange sind im Wappen Freudentadts blasoniert. Die beiden Fische stammen noch aus dem Wappen der Grafschaft von Mömpelgard, doch als Sinnbild verweisen sie auf die christliche Ethik mit der auch der Plan der Stadt entworfen wurde. Die Barbe trägt auch den Namen St.Petersfisch und zählt zu den Fischarten die im See Genezareth leben. Unter den Fischen gilt die Barbe als genügsam, denn sie ernährt sich hauptsächlich von Plankton. Deshalb wird sie traditionell auch mit Netzen gefangen.

Freudenstadt Wappen

Freudenstadt Wappen

Doch nicht nur diese Eigenschaft machte den Fisch berühmt, sondern das frühchristliche Piktogramm des Fisches zählte zu  den frühesten Symbolen der aufstrebenden Religion. Auch die Hirschstange bezeugt weniger den Reichtum an Rotwild, sondern sie ist ein altes Symbol der Fruchtbarkeit und wurde durch den christlichen Glauben adaptiert. Bereits in Frühkulturen galt der Hirsch durch seinen abgescheuerten, rötlichen Bast als Sonnentier. Diese ständige Erneuerung seines Geweihes machte den Hirsch auch zu einem Sinnbild der Wieder- geburt der Natur. Vor diesem Hintergrund wandelte er sich im Christentum zu einem Sinnbild von Christus.

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Friedrich I., Herzog von Württemberg, Gründer von Freudenstadt

Der frühe Übertritt Württembergs zum evangelischen Glauben machte das Land auch zum Ziel zahlreicher Glaubensflüchtlinge. Diese an ausgesuchten Orten anzusiedeln und damit auch das wirtschaftliche Wachstum  des Landes zu fördern war das Ziel von Herzog Friedrich I. Im Zeitalter des Frühabsolutismus war er bestrebt, durch die Förderung von Manufakturen und der Rohstoffgewinnung die Staatseinnahmen zu steigern. Dazu zählte auch die Förderung des Bergbaues im Christophstal der mit der Stadtgründung von Freudenstadt verbunden war. Mit den Planungen für dieses Vorhaben beauftrage Friedrich I um das Jahr 1598 seinen Bau- meister Heinrich Schickhardt . Doch Schickardt äußerte sich kurze Zeit später wenig positiv über das in Aussicht gestellte Baugelände. Trotzdem hielt der Herzog an dem Vorhaben fest.

HeinrichSchickhardtHolzschnitt

Heinrich Schickhardt, Holzschnitt

Schickhardt entwarf Freudenstadt ähnlich den Gedanken einer Idealstadt der Renaissance am Reißbrett. Seine ersten Entwürfe zeigten mehrere Häuserzeilen, wobei das Schloss in einer Ecke dieser Anlage platziert war. Im letztendlich ausgeführten Entwirf bestand die Bebauung aus drei Zeilen auf jeder Seite mit einem großen Platz in der Mitte, der dem Schloss vorbehalten war. Auf Grund seiner strengen graphischen Ordnung erinnert er auch an die Einteilung eines Mühlebrettes. Der Entwurf ist sorgfältig durchgeplant, selbst die Namen der ersten Handwerker die in die Gebäude einziehen sollten, sind auf dem Plan vermerkt.

Freudenstadt plan

Freudenstadt, Plan

Der Tag des Äquinoktiums im März 1599, gilt als das eigentliche Gründungsdatum der Stadt, denn an diesem Tag wurden die ersten Häuser und Straßen von Schickhardt in Anwesenheit des Herzogs abgesteckt. Die ideale Ordnung der Planstadt äußerte sich ebenso in der Ausr- ichtung der Anlage. Auch in Fall der Planstadt Freudenstadts wurde die Richtung nicht nicht beliebig gewählt, sondern umgerechnet auf den Julianischen Kalender, der Sonnenaufgang am 23. April, dem Georgstag. Die am Horizont erscheinende Sonnenscheibe diente hier als Visierpunkt für die Ausrichtung des Stadtgrund- risses. Bereits im 6. Jahrhundert begann die Verehrung des heiligen Märtyrers Georg in der Westkriche des merowingischen Frankenreichs. Sie erreichte einen ersten Höhepunkt Ende 11. Jahrhundert. Sicht- barer Ausdruck war die Reliquienübertragung in das Kloster Reichenau, wo Hermann von Reichenau im 11.Jahrhundert die Georgslegende verfasste. In diesem Zeitraum erfolgte auch die Klostergründung St. Georgen im Schwarzwald, doch zugleich wandelte sich das Bild des Heiligen zum Schutzpatron der Ritter und Schlachtenhelfer bei der Eroberung Jerusalems. Im Kern blieb er aber weiterhin seinem Urbild treu, das schon der Ursprung seines Namens, der Landmann, vorzeichnete. Als Schutzpatron der Bauern, Sattler und vor allem der Bergleute hätte es keinen anderen Heiligen gegeben, dessen Festtag sich besser zur Ausrichtung der  Bergbaustadt Freudenstadt geeignet hätte.

freudenstadt Plan 1.JPG

Freudenstadt, Ausrichtung

 

Bilder: Wikipedia, Freudenstadt Merian, Nairem /FriedrichI., Gründer von Freudenstadt, BetacommandBot / Porträt von Heinrich Schickhardt, Mewa767 / Simulation, sunearthtools

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