Hugo, Damian und das Schloss Bruchsal Teil 2

Bruchsal1689

Ansicht von Bruchsal vor der Zerstörung 1689

Erstmals wird der Stadtname im Jahr 976 anlässlich des Besuchs Königs Otto II. als `bruhosella inter paludes´ erwähnt. Wenig schmeichelhaft wird `bruho´ in der Literatur gedeutet, denn zumeist wird es als Bruch oder Sumpf übersetzt. Nur der zweite Teil des Namens `seli´ deutet als Halle auf ein besonderes Bauwerk hin. Mit einer vollständigen Interpretation könnte dann der Name als Palast im Sumpf gedeutet werden. Über mehrere Zwischenstufen ent- wickelte sich dann der Name weiter, bis er im 16. Jahrhundert als Bruchsel wieder auftaucht.
Ungleich lieblicher und der Gesundheit sehr zuträglich wird dagegen die Landschaft um Bruchsal im frühen 18. Jahrhundert in einer Beschreibung von Heilbädern geschildert. Sicher hatte sich  die Landschaft im Laufe von Jahrhunderten stark veränd- ert, doch Bruchsal wird hier als ein Ort beschrieben, der in einer Landschaft liegt, die als die  Toskana Deutschlands gilt.

landschaft bruchsal

Karl Wagner, Gochsheim bei Bruchsal – 1942

Ganz in der Nähe liegend wird auch das Amalienbad in Langen- brücken beschrieben, das der Fürstbischof Stolzenberg 1766 zu einem ansehnlichen Heilbad ausbauen ließ, doch bereits 1780 schon wieder in Vergessenheit geriet. Mitten in der Toskana Deutschlands wurde ab 1720  das Bruchsaler Schloss durch Fürst- bischofs Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim im Baustil des Barock errichtet. Die Anlage war  als Residenz der Fürstbischöfe von Speyer gedacht. Doch den Bau begleiteten nicht nur mehrfache Planänderungen, sondern auch ein Austausch der Bauleitung, die im Jahr 1731 Balthasar Neumann übernahm. Er zeichnete sich auch für den Entwurf des zentralen Treppenhauses verantwortlich.

BruchsalSchloss 1

Panorama Schloss Bruchsal

Als Sitz der Fürstbischöfe erhielt das Schloss eine Hofkirche    die die Funktion einer Prokathedrale im Bistum Speyer hatte. Damit war sie die zweite Bischofskirche nach dem Speyerer Dom. Ausgestaltet wurde sie von dem berühmten Künstler Cosmas Damian Asam.

Hofkirche mit Turm

Hofkirche mit Turm

Die den beiden Heiligen St. Damian und Hugo geweihte Kirche liegt im südlichen Flügel des Schlosses direkt am Ehrenhof und ist nicht als ein eigenständiger Baukörper erkennbar. Um das Gesamtbild des Schlosses nicht zu stören, wurde aus Symmet- rie gründen der 1740 von Balthasar Neumann entworfen Turm von der eigentlichen Schlossanlage abgerückt. Durch einen langen Gang wurde er mit der Hofkirche verbunden.
Damien und sein Zwillingsbruder Cosamas stehen für tugend-haftes Leben im Zeichen des Glaubens. Schon in ihren Namen ist auch ihre Bestimmung erkennbar, denn der Name Damianus bedeutet Demut und Cosmas die Zier, oder auch ein gutes Beispiel geben.

BeinwunderCosmasDamien

Beinwunder in einem Altarbild aus dem 16. Jahrhundert.             Landesmuseum Württemberg

Der Legende zufolge wurden die beiden Brüder in Aegea geboren und lernten dort die Kunst der Ärzte. Anschließend behandelten sie nicht nur zahlreiche Kranke unentgeltlich, sondern ihnen wurden auch außerordentliche chirurgische Fähigkeiten nach gesagt. Die Legende berichtet hier von einer Beintransplantation, bei der sie ein verfaultes gegen ein gesundes Bein ausgetauscht haben sollen. Mit ihrer wunder- samen Kunst sollen sie auch viele Heiden zum Christentum bekehrt haben. Diese Eigenschaft verließ sie auch nicht als sie ihr Martyrium erdulden mussten. Während den Diokletianische Verfolgung ließ der Präfekt Lysias beide an Ketten gefesselt ins Meer werfen. Doch dort rettete sie ein Engel. Auch in einem Feuer, in dem sie verbrannt werden sollten, starben zwar ihre Mitgefangen, doch die beiden Brüder überlebten unverletzt. Selbst an Kreuze gebunden wirkte ihre wundersame Stärke , denn die auf sie ab- geschossenen Pfeile kehrten zurück und töteten die Folterknechte. So gelang es dem römischen Präfekten nicht die beiden Brüder durch Folter zu  töten und deshalb musste er sie schließlich enthaupten lassen.
Nach ihrem Tod sollen die beiden wundersamen Ärzte rasch in Vergessenheit geraten sein. Erst durch den plötzlichen Fund    des Fürstbischofs in Bremen wurde ihre Erinnerung wieder wachgerufen. Burchard Gelle hatte im Chor des Bremer Doms höchst persönlich die angeblich dort eingemauerten und vergessenen Reliquien der beiden Ärzte aufgefunden. Aus dies- em Anlass wurde an Pfingsten 1335 ein großes Fest veranstaltet um die Reliquien an ein würdigen Platz zu überführen. Wenige Jahre später wurde zur Aufbewahrung der Gebeine ein Schrein in Auftrag gegeben der aus mit Silberblechen belegtem Eichenholz besteht. Er zählt zu den bedeutenden Erzeugnissen mittelalterlicher Goldschmiedekunst.

Schrein in St. Michael

Schrein in St. Michael in München

Die Heiligenlegende der beiden wundertätigen lässt nun auch eine ganz andere Interpretation des Ortsnamens zu. Waren gar die in der  Beschreibung erwähnten Quellen mit ihrer Heilwirk- ung be- reits eine  typische Eigenschaft der Landschaft?  Dazu findet sich im altdeutschen Wortschatz das Wort brūhhi oder brūchi, das mit brauchbar, aber auch heilsam übersetzt. Dass der Fürstbischof auch Hugo von Cluny, den einstigen Förderer des gleichnamigen Klosters, als zweiten  Schutzpatron wählt,  lässt auch auf sein Verlangen schließen, es seinem großen Vorbild gleichzutun. Die Bedeutung beider Heiligen lässt es verständlich erscheinen, dass auch die Ausrichtung des Schlosses durch ihre Gedenktage bestimmt wurde. Damit wurde der Sonnenuntergang Teil des eines barocken Gesamtwerkes. Werden dazu die beiden Winkel am Tage des Sonnenuntergangs addiert, ergibt dies den Ausrichtungswinkel der bis heute den Stadtgrundriss von Bruchsal.

Bruchsal Plan Sonne

                                                 Schlossachse Bruchsal

Bilder: wikipedia, Ansicht von Bruchsal vor der Zerstörung 1689,AndreasPraefcke / Karl Wagner. ,Gochsheim bei Bruchsal – 1942. Panorama Schloss Bruchsal, HubiB , Hofkirche mit Turm, Amadeus2006 ,Sargoth / Beinwunder in einem Altarbild aus dem 16. Jahrhundert. Landesmuseum Württemberg , AndreasPraefcke /Schrein in St. Michael in München , Chris 73 / Simulation, sunearthtools

 

 

 

 

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