Kultort Fritzlar

BonifatiusDonareiche

Bernhard Rode, 1781- Bonifatius fällt die Donareiche

`Auf den Rat seiner Gefährten legte er in ihrer Gegenwart die Axt an eine Eiche von unge-heurer Größe. Sie wurde von den Heid- en als Jupiter-Eiche bezeichnet und an einem Ort der Geismar genannt wird´.schrieb später der Mönch Willibald in der Leb- ensbeschreibung des Bonifatius. Dort schildert er ausführlich, wie der Missionar sich daranmachte, die gigantische Eiche zu fällen und eine riesige Menge Heiden ihn als verhassten Feind ihrer germanischen Götter schweigend zu verfluchen begann. Nach den ersten starken Schlägen soll die alte Eiche zu Boden gefallen sein, wo der mächtige Stamm in vier große Teile mit gleicher Länge zerbrach und sich die große Krone über das Gras erstreckte. Auch Willibald selbst schien erstaunt zu sein, wie die Heiden überrumpelt wurden, da sie doch den schrecklichen Zorn ihrer Götter erwartet hatten.

Bonifatius bekehrt

Bonifatius fällt die Donareiche – Relief auf dem Sockel der Statue des Hl. Bonifatius

Der rasche Fall ihres alten Heiligtums lässt sie von ihrem ange- stammten Glauben abfallen und schließlich begannen sie den Gott zu verherrlichen den Bonifatius ihnen verkündete. Das Endes eines der wichtigsten germanischen Heiligtümer eröffnet auch einen Blick auf die Rituale des vorchristlichen Europa über die es nur spärliche Texte, hauptsächlich aus römischer Hand gibt. Ganz anders als dies bei den mediterranen Völkern üblich war, verehrten germanische Völker ihre Gottheiten nicht in Tempeln, sondern an besonderen Orten, den heiligen Hainen. Dort standen die heilige Bäume die als Verkörperung der jeweil- igen Gottheit angesehen wurden.
Über diese für römische Vorstellungen befremdliche Sitten und Gebräuche hatte sich der römische Schriftsteller Tacitus in seinem Werk Germania ausgelassen, als er schrieb: `Jedes Jahr hatten sich die Heiden im Wald versammelt, wo sie ein obskures und unheimliches Götterfest feierten, das mit einer Menschen- opferung im Namen aller sich Versammelten begonnen wurde´

ArnoldBöcklinHain

Arnold Böcklin, Heiliger Hain

Dem Fällen der Eiche war nach den Schilderungen Willibalds eine Missionsreise im Nordosten des Frankenreichs voraus-gegangen, von wo aus Bonifatius mit seinem Gefolge in das Gebiet des heutigen Hessen zog. Diese Reise war nur aber eine von zahlreichen anderen, die Bonifatius mit seinem Gefolge an Rittern und Handwerken absolvierte. Da er sich dabei durch seine guten organisatorischen Fähigkeiten auszeichnete, ge- lang es ihm allmählich eine Struktur für die  Kirche im Gebiet des vorchristlichen Deutschlands aufzubauen. Seiner Arbeit verdankte es die Römische Kirche, dass sie die Oberaufsicht über weite Teile dieses Raumes erhielt, was ihm später auch den Beinamen `Apostel aller Deutschen´ eintrug.

BonifatiusStatue

Bonifatius Statue Fulda

Diesen Auftrag hatte der der Mönch Wynfreth, der aus einem Kloster im Süden Britanniens stammte, am 15. Mai 719 durch Papst Gregor II erhalten. Er war auch der Grund für ihn, einen neuen Namen anzunehmen, und so nannte er sich kurzerhand nach dem Heiligen des vorhergehenden Tages: Bonifatius, der abgeleitet von dem Lateinischen wort  `bonum facere´ , das Gute tun bedeutet.
Am Ende seines Lebens wollte Bonifatius, der seit 748 in seiner Erzbischofsresidenz in Mainz wohnte, noch einmal die Orte in Friesland aufsuchen wo er auch mit seiner Missionstätigkeit begonnen hatte. Vermutlich erreichte er dort im Jahr 754 die Nordseeküste, wo er an der Mündung des Flusses Borne auf Piraten stieß. Während des Überfalles soll Bonifatius seine 52 Jünger dazu aufgerufen haben keinen Widerstand zu leisten, sondern demütig den Märtyrertod zu erleiden. Zusammen mit ihm wurden all seine Begleiter getötet. Nur ein Buch, mit dem sich Bonifatius gegen einen Säbelhieb verteidigen wollte, wurde später zufällig im Schilf am Ufer des Flusses gefunden.
Der Fall der Donareiche bedeutete das sichtbare Ende des alten Glaubens und gleichzeitig auch einen Neubeginn. So wird in der Bonifatius Vita berichtet, wie der Missionar aus dem Holz der Eiche ein kleines Bethaus an einem nicht näher bestimmten Ort errichtet hatte. Willibald beschreibt ihn zwar in der Nähe des Ortes Geismar, doch zu näheren Angaben schweigt er sich aus. Dass die Eiche und das Bethaus auf dem Domhügel gestanden haben könnten, deutet auch das Petrus Patrozinium  des später errichteten Klosters an. Als ein weiterer Standpunkt der Eiche wird auch auch ein Platz auf dem nordwestlich gelegenen Jo- hanneskirchenkopf vermutet, wo im Wald noch die Reste der einstigen Johanneskapelle zu sehen sind.
Die Gedenktage von Johannes am 24. Juni und Petrus am 29. Juni sind eng verknüpft mit dem Tag der Sommersonnenwende. Das Johnannifeuer und auch der Brauch Johannikreuze aus den Blättern der Eiche zu fertigen, verweisen noch heute auf den alten Donar Kult, dessen Baum die Eiche war. In der german-ischen Mythologie war die Rolle Donars eng verwandt mit dem keltischen Taranis, oder mit mediterranen Gottheiten wie Iuppiter und Zeus.

Taranis

Taranis, mit Rad und Donnerkeil- Le Chatelet, Gourzon

Neben anderen Gemeinsamkeiten nutzten alle den Blitzstrahl als Waffe, den sie vom Himmel auf die Erde schleuderten. Diese Vorstellung eines hammerschwingenden Wetter- und Donner- gottes, der mit seinem Götterwagen über den Himmel zieht, ist ein tief verwurzeltes Bild, das auch in anderen Mythologien auf- taucht. Wurde Thors Götterwagen, der sich im Sternbild des großen Bären verkörperte, von Böcken gezogen, so sind es bei der Göttin Indra rötliche Pferde die ihren Prunkwagen über den Himmel ziehen. Nicht nur der Gedenktag des Apostels lag in der Nähe der alten Donarfeiern, sondern er wurde auch mit Attri- buten ausgestattet, die die neue Macht auch deutlich sichtbar machten. In mittelalterlichen Texten wird ihm die Schlüsselge- walt über die Pforten des Paradieses zugesprochen, eine ähn- liche der Funktion die einst auch der römische Gott Janus inne hatte. Augenzwinkernd wurde die Macht des Petrus im Himmel folgerichtig auch auf das Wetter übertragen. So lautet ein Bau- ernspruch an diesem Tag: `Wenn es am Peterstag regnet, so regnet es im ganzen Schnitt´.

Donar Eiche Sonne

Sonnenvisur vom Domplatz

Hatte der Domhügel eine Beziehung zum Ort der Eiche, wäre dies am ehesten über die Sonnenvisur zur Sonnenwende, oder dem 1. August zu ermitteln. Als geradezu ideal erweist sich jetzt der Standort des Domhügels, der auf dem westlichen Punkt des Gudensberg Dreieckes liegt. Zur Sommersonnenwende sind von hier, deren Aufgang über dem Schlossberg bei Gudensberg und der Untergang über dem Lohr Berg zu sehen, in dessen Name ja schon der alte Begriff Lohe (Feuer) steckt. Als Ort, wo sich Donar einst in Gestalt einer Eiche verkörperte, wäre aus dieser Sicht also der Platz des Domes der idealste Standort ge- wesen.

Bilder:Wikipedia, Bonifatius fällt die Donareiche (Bernhard Rode, 1781), Jdsteakley /Bonifatius fällt die Donareiche. Relief auf dem Sockel der Statue des Hl. Bonifatius , Jdsteakley / Arnold Böcklin, „Heiliger Hain“, (Eloquence) Blick aus der Ederaue südlich von Fritzlar nordnordwestwärtsüber den Reitstall Vogel hinweg zum Eckerich, (Magnus Manske) /Taranis (Jupiter mit Rad und Donnerkeil), Le Chatelet, Gourzon, Haute, Marne, Roman Gaul / Simulation sunearthtools

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