Züschen und der Schwan

Züschen 1a

Das Galeriegrab Züschen

Das Steinkammergrab von Züschen liegt in Nordhessen, zwischen den Fritzlarer Ortsteilen Züschen und Lohne. Die Entstehungszeit dieser zu den bedeutendsten Anlagen diese Art zahlenden Grabes wird auf die Zeit zwischen dem 4. und 3. Jahrtausend v. Chr. Geschätzt. Ungefähr 30, im ähnlichen Baustile errichtet Anlagen die als hessisch-westfälische Stein-kisten bezeichnet werden, wurden bislang gefunden. In der Ausführung gleichen alle den Gräbern der Seine-Oise-Marne-Kultur oder den ir- ischen wedge shaped gallery graves.
In allen Regionen ist eine ähnliche Vorgehensweise zu beobachten. Die Grundfläche des Grabes wurde im Boden eingetieft und die Seiten mit Orthostaten, den Tragelementen für die Decksteine eingefasst. Auch die beiden Ende wurden mit Orthostaten verschlossen, wobei eine Schmal- seite einen kreisrundes Loch erhielt, der heute als Seelenloch interpret- iert wird.

Züschen Grab4

Lochstein

Ein Rätsel stellt bis heute auch der Transport und die Aufrichtung dieser Orthostaten dar, die teils mehre Tonnen schwer, über längere Weg- strecken transportiert werden mussten. Was das Grab von Züschen dennoch von andren unterscheidet ist nicht nur die Größe, sondern auch die Steinritzungen auf den Steinen. Dort sind unter optimaler Beleucht- ung abstrakte Darstellungen von Rindern mit Geschirren und und wagenartigen Gebilden zu sehen. Daneben gibt es auch geometrische Zeichen die aus Halbkreises mit senkrechten Strichen bestehen, oder auch nur aus Mustern gezackter Linien. Von einer besonderer Bedeutung scheint die Darstellung einer weiblichen Figur zu sein, die im Gefüge der andren figürlichen Darstellungen als `Dolmengöttin´ gesehn wird. Auch hier gibt es Parallelen zu Darstellungen in Steingräbern des Pariser Beckens.

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Steinzeichungen auf den Orthstaten

Das Galeriegrab in Züschen liegt auch in Sichtweite des Wartberges, wo zahlreiche Funde der Wartbergkultur ihren Namen gaben. Sie stellte eine Kulturgruppe des nordwestdeutschen Jungneolithikums dar, die auf den Zeitraum von 3500 v. Chr. bis 2800 v. Chr. Datiert wird. Sie existierte zeitgleich zur Walternienburg-Bernburger Kultur des östlichen Nachbar- gebietes und der weiter im Süden verbreiteten Trichterbecher Kultur.  Die Kultur existierte also zeitgleich mit dem Aufstieg des Reiches der Sumerer. Unter der Annahme dass es bereits zu dieser Zeit einen kultur- eller Austausch gab, müsste die Anlage wesentlich komplexer gebaut worden sein, als dies auf den ersten blick erscheint. Eine genauere Betrachtung zeigt, dass das Grab von der Mitte des Wartberges 4921m Entfernt ist , was umgerechnet auf auf die sumerische Nippur-Elle, eine Entfernung von 9500 NE bedeutet. Während das metrische Maß keine Aussage zu symbolischen Bezügen erlaubt, bietet das Maß der Nippur Elle durchaus Ansätze.
Die 9500 ist das Produkt der beiden Zahlen 95 und 100. Während in der 100 mit Quadrat der 10 durchscheint und damit auch die Symbolik einer Gesamtheit, ist die 95 eine wichtige Zahl. Sie stellt das Produkt aus den Zahlen 5 und 19 dar. Die 19 taucht wohl viel später im Gregorianischen Kalender als Goldene Zahl zur Berechnung des Osterzyklus aufs, spielt aber auch in den frühen Kalenderrechnungen ein wichtige Rolle. Jedes Jahr gibt es eine Differenz von Mond- und Sonnenjahr und diese beträgt in 19 Jahren genau 7 Monate. Mit der 5, der Zahl die den Mensch sym- bolisiert, Bild sich dann die Brücke zum Mond. Aufschlussreich ist aber auch die rein mathematische Betrachtung der 19, denn ihre Quersumme ergibt wieder die 10, die ja schon Faktor der Zahl 9500 ist. Ein weiterer Gedanke der die Schönheit der 19 bis in die Zeit der biblischer Texte so attraktiv machte, ist ihre Lage unter den Primzahlen. Dort nimmt sie die 8. Stelle ein und verweist damit indirekt auch auf die Symbolik der 8,  die bereits in alten Kulturen mit Vorstellung von der Unendlichkeit verbund- en war.
Diese Zahlensymbolik setzt sich auch innerhalb der Konstruktion fort, deren Wände beidseitig aus 12 Orthostaten bestanden. Damit wird auch eine konkreter Bezug zur Zeit ersichtlich, deren Einteilung zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Hexagesimalsystem erfolgte.

Züschen Plan

Ausrichtung des Galeriegrabes

Die Ausrichtung des Grabes zum Wartberg entspricht im gregorianischen Kalender dem Sonnenaufgang am 1. Mai. Dieses Datum markierte im keltischen Kalender den Beginn des hellen Sommerhalbjahres das dem dunklen Winterhalbjahr folgte. Der Wechsel von dunkel zu hell führt auch zur Mythologie der Seelenwanderung die sich bereits im Motiv kreisrunden Seelenlöcher andeutet. Bei der Ausrichtung auf den Wart- berg, die darauf schließen lässt, dass auch die Toten aus diesem Umfeld stammten, wurde aber auch der Nachthimmel in das Konzept mit einbe- zogen. So war am Tag der Wintersonnenwende, kurz vor Sonnenauf- gang, noch der Stern Sadr in dieser Richtung zu sehen. Er ist neben Deneb, dem hellsten Stern des Schwanes, der zweit wichtigste in diesem Sternbild und stellt seine Brust dar. Das Sternbild zählt zu den ältesten nahezu unveränderten Sternbilder in der Astronomie. Im Alten Europa zählte er zu den heiligen Tieren die als Seelenbegleiter der Verstorbenen dienten. So galt der weiße Schwan auch als Symbol des Lichtes und der Reinheit, der Reifung und Vollendung. Als Relief tauchte er bereits auf den Stelen der Siedlung Göbekli Tepe auf, die zu den ältesten bislang bekannten Ansiedlungen der Menschheit zählt. Die Komplexität des Bauens erreicht in Züschen einen Höhepunkt, von dem heutige Grabanlagen weit entfernt sind.

 

Bilder: Wikipedia/ Züschen, Armin Schönwolf,Einsamer Schütze / Wartberg bei Kirchberg, Armin Schönewolf, Wdwdbot /Keramik,Athinaios ,(Magnus Manske) /Simulation: Stellarium u. Sunearthtools

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