Bad Boll und die Bollen

Bad Boll MerianKupferstich von Matthaeus Merian von ca. 1650

Die Geschichte Bad Bolls ist eng verknüpft mit Berta von Boll, die bis ins 16. Jahr- hundert hinein im Ort wie eine Heilige verehrt wurde. Sie soll einst eine Burg auf einem Bergsporn des südöstlich des Ortes gelegenen Kornberges besessen haben, deren Steine zum Bau des Stiftes und der Kirche St. Cyriakus verwandt wurden. In der Literatur wird sie gerne als Tochter von Herzog Friedrich I. von Schwaben gesehen und damit mit der Stauferdynastie in Verbindung gebracht.       Auf diesen Zusammenhang weist auch eine ihr gewidmete Stauferstele hin ob-  wohl eine verwandtschaftliche Zuordnung bis heute nicht geklärt werden konnte.

BertaburgGraben der Bertaburg

Ihre besondere Beziehung zum Ort lieh ihm auch seinen Namen, der auf Grund    des schwäbischen Ausdruckes `bolla´, einem Klumpen oder einer aus Lehm geformte Kugel auch mit den umliegenden Bergen in Verbindung gebracht wird.
Doch die Namen Berta und Boll sind wesentlich vielschichtiger als dies auf den ersten Blick zu vermuten ist. Der Name Boll ist gleichlautend mit dem althochdeut- schen Wort für bolle, das Knospe bedeutet oder auch für einen damals gebräuch-lichen, bauchigen Trinkbecher stand. Die Gleichsetzung des Wortes bol mit der Form eines Berges dürfte durch das ähnlich klingende althochdeutsche Bolon ver- ursacht worden sein, aus dem sich auch das schwäbische Wort bolla, die Lehm- kugel, entstand. Das Wort Bolon, lässt sich bis zur indogermanischen Sprache zurückverfolgen, wo es sich aus dem Wort bel, aufblasen oder anschwellen ent- wickelte. Das ähnlich klingende Wort belos, das glänzend bedeutete, gab es in der keltischen Sprache und  hier zeigt sich eine ganz ähnliche Sinnzusammenhang wie der Vorname Bertha. Er geht zurück auf das althochdeutsche Wort berath, das eben- falls glänzend oder strahlend bedeutet.

Boll St Cyriakus innenBad Boll Stiftskirche Innenraum

Bertha soll 1140 Bad Boll die Kirche St. Cyriakus gestiftet haben, die auf der Krypta eines Vorgängerbaues errichtet wurde. Cyriakus wurde um 300 in Rom von Papst Marcellinus zum Diakon geweiht. Bekannt wurde er durch die wundersame Heilung der Tochter des Kaisers Diokletian. Die Legende berichtet, dass Arthemia vom Teufel besessen war und nur Cyriakus sie heilen konnte. Bei dieser Heilung schrie der ausfahrende Teufel dass er Cyriakus zwingen werde nach Babylon zu gehen und tatsächlich soll er auch kurz darauf vom Perserkönig gerufen worden sein, dort eben- falls seine besessene Tochter Jobia zu heilen.

Cyriakus heilt ArthemeaHeller Altar, Mathias Grünewald, Heilung der Arthemia

Doch nach seiner Rückkehr nach Rom ließ ihn Kaiser Maximus zusammen mit seinem Gefährten enthaupten. Bald nach seinem Tod begann im 4. Jahrhundert seine Verehrung ,wobei er seine größte Verbreitung als einer der 14 Nothelfer mit Beginn des 15. Jahrhunderts erfolgte. Cyriakus Gedenktag ist der 8. August, also eine Woche nach dem 1. August, dem ehemals keltischen Feiertag Lugnasad.    Auch der Name Arthemia darf als ein Verweis auf die griechische Göttin Artemis verstandenen werden, deren Eleusische Mystherienlehre zur Entstehungszeit der Legende sich noch größter Beliebtheit erfreute. Auch Babylon war aus Sicht der Kirche eine verdammenswerte Stadt, denn dort stand ja der Haupttempel des Sonnengottes Marduk, der Gegenspieler des Gottes Jahwe der Israeliten. Neben bolle oder bolon ist auch der keltische Gott Belenos in die Betrachtung des Orts- names mit einzubeziehen, denn dessen Name leitet sich vom indogermanischen Wort bhel ab, das ebenfalls hell und leuchten bedeutet. Belenos, der im süddeut- schen Raum auch unter dem Namen Grannos verehrt wurde, bietet die Möglichkeit nun die anscheinend erst im 16. Jahrhundert entdeckte Heilquelle mit dem Korn- berg, dem Hausberg Bad Bolls zu verbinden.

Bad Boll Plan SonneKultort Badhaus Bad Boll

Nur von dieser Stelle und nicht von heutigen Ortszentrum waren auch in keltischer Zeit zwei wichtige Sonnenauf- und Untergänge zu beobachten. In der Mitte des Monats Februar und am keltisches Festtag Samhain war der Sonnenuntergang über dem Aichelberg zu beobachten. Gerade das zweite Datum verbindet die Legenden des Cyriakus mit der irisch keltischen Legende des CuChulainn. Der dem Herakles gleichende Krieger der irischen Mythologie wurde an Samhain durch ein besonder- en Trank vom Bann der Anderswelt befreit und damit geheilt.
Zur Wintersonnenwende ist der Sonnenaufgang über dem Kornberg und der vorge- lagerten Bertaburg zu beobachten. Belenos oder Grannos, der Strahlende, galt als keltischer Sonnen- und Heil-, aber auch als Fruchtbarkeitsgott. In seiner Rolle gleicht er dem griechisch-römischen Apollon. Auf den Fruchtbarkeitsaspekt deutet auch der im Name enthaltene Begriff Grane an, das zwar in der Literatur oft mit Barthaar ge- deutet wird, doch gleichzeitig auch als Ährenspitze übersetzt wird. Die Granne bietet eine weitere Brücke zum Kornberg in dessen Name sich wohl zwei Bedeutungseb- enen überlagert haben: Das lateinische cornus, das Horn, weist auf die eigentüm- liche Hügelform des Kornberges hin und eben die Granne. In südöstlicher Richtung, etwas vom heutigen Badbereich entfernt, liegt die Boller Heide, von der aus die Son- nenuntergänge während der Tag- und Nachtgleiche über dem Aichelberg beobachtet werden können und dies war einst auch die Zeit, in der die Eleusischen Mysterien gefeiert wurden. Eicheln, wie die drei heute im Wappen des Ortes blasoniert sind, wurden auch im Schmuck einer Artemisstatue in Ephesus gefunden. Als Kult- statue trug sie zahlreiche Brüste, die gleichzeitig als Eier, Trauben, Nüsse, oder eben auch als Eicheln galten.

Artemis in EphesusRömische Kopie der Artemisstatue aus Ephesus

Boll Wappen

Wappen Bad Boll- hischstange mit Eicheln und Fontäne

Bilder: Wikipedia, Boll, Kupferstich von Matthaeus Merian von ca. 1650 Aquarell von General Eduard von Kallee , 1876./ Bertaburg, Bad-Boll-Bertaburg , Geak / Stauferstele vor der Stiftskirche St. Cyriakus in Bad Boll., Geak / St. Cyriakus in Furtwangen. /Simulation, sunearthtools

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s