Siriuskogl und der vergessene Stern

Sirius MerianMathäus Merian, Siriuskogl im 17. Jahrhundert

Flurbezeichnungen weisen oft noch auf alte Funktionen von Orten hin die heute längst vergessen sind. Dies trifft auch auf den Siriuskogl in Bad Ischl zu, dessen Name ganz offensichtlich vom hellsten Stern des Großen Hundes stammte. Vor Ort ist die alte Bedeutung längst vergessen und der Ort einer einst angeblich auf dem Kogl stehenden Sternwarte nicht mehr bekannt.
Bezeichnenderweise hieß der 130m hohe und im Zentrum Bad Ischl`s liegende Berg einmal Hundskogl. Auf ihm gibt es ein Naturdenkmal, einen zweigeteilten  Stein. Er wird Einsiedlerstein genannt, obwohl es keine Hinweise auf einen einst hier lebenden Eremiten gibt. Im 19. Jahrhundert, als der Tourismus dem Alpenraum einen wirtschaftlichen Aufschwung bescherte, wurde Bad Ischl auch zu einem be- liebten Ferienziel des Kaisers Franz Josef. Damals soll man den Namen Hundskogl als abstoßend empfunden und ihm deshalb den lateinischen Namen des Sternbild- es gegeben haben.

Sirius Maximiliansfest 1827Siriuskogl, Maximiliansfest 1827

Dabei verweist der Hund doch auf eine alte kulturgeschichtliche Beziehung zum Menschen hin. Seine Domestizierung brachte dem Mensch einen vielfältig nutzbaren Helfer, der in ähnlicher Weise auch in den zahlreichen Mythologien der Antike auf- taucht. So der schwarze dreiköpfige Hund Kerberos die Rolle des Wachhundes am Tor zur Unterwelt. Wie den Mensch, so begleitete der Hund auch die Götter. Artemis, die Göttin der Jagd, begleitete er und auch die Liebesgöttin Aphrodite besaß einen. Ebenso deren Mann, der Kriegsgott Ares, der Gott des Weines Dionysos und auch der Heilgott Asklepius.

Großer HundSternbild Großer Hund

Das Sternbild des Großen Hundes ist seit über 5000 Jahren bekannt. Für das frühe Ägypten hatte dessen hellster Stern Sirius eine zentrale Bedeutung, denn sein Auf- gang kurz vor Tagesanbruch verkündete in jedem Jahr das kurz darauf eintreffende Nilhochwasser. Es beendete die lange, heiße Trockenzeit und erlaubte mit den Nährstoffen eine doppelte Ernte während des folgenden Jahres. Im alten Ägypten wurde er mit dem schakalköpfigen Gott Anubis identifiziert, der die Kunst des Einbalsamierens erfand und die Bestattungsriten beaufsichtigte. Er war auch der Seelenwäger, der entschied was nach dem Tod mit den Seelen der Verstorbenen   zu geschehen hatte. So nimmt es nicht Wunder, dass später in der griechischen Mythologie die Gestalt, verändert als dreiköpfiger Höllenhund, wieder auftauchte.

KerberosKerberos an der Pforte

Kerberos ist auch Bestandteil des Sagenkreises um Herkules, der den Wächter der Unterwelt in seiner 12. Aufgabe für König Eurystheus aus der Unterwelt entführen sollte. Schließlich waren die Menschen aber doch froh, als ihn Herkules ihn wieder an seinen angestammten Ort zurückbrachte. Eine andere Sage identifiziert den Großen Hund jedoch mit dem Hund Lailaps, den Zeus der Prinzessin Europa ge- schenkt hatte und später in den Besitz des Kephalos kam. Er konnte so schnell rennen, dass ihm keine Beute entkommen konnte. Seine Fähigkeit stellte er eines Tages unter Beweis als in der Nähe der Stadt Theben ein raubgieriger Fuchs auftauchte und das Land verwüstete. Diesem Fuchs war vorausbestimmt worden dass er von keinem Verfolger gefangen würde. Doch Kephalos ließ seinen Hund Lailaps auf die Bestie los. Daraufhin gab es eine spannende Verfolgungsjagd. Doch tatsächlich war der Fuchs immer wieder schneller als der Hund Lailap. Schließlich hatte Zeus ein Einsehen und verwandelte beide in Steine, nur den Hund versetzte er in den Himmel. Doch diese Vorstellung der ewigen Jagd, in der er den himmlischen Jäger Orion begleitete tauchte als Erzählung bereits in den babylonischen Mythen auf.

Eisenkraut KopieEisenkraut

Neben seiner Rolle als Zeitgeber hatte der Stern Sirius in jeder Epoche eine kulti- sche Bedeutung. So berichtete der römische Schriftsteller Plinius von keltischen Druiden die das Eisenkraut nur zur Zeit des Aufgangs vom Siriusstern während ein- er speziellen Zeremonien und begleitenden Opferungen ernteten. Zum Eisenkraut schreib er, daß die Gallier glaubten, Bankette und gemeinsamen Speisezeiten würd- en fröhlicher wenn man zuvor die Liegen mit Eisenkrautwasser besprengt habe. Eb- enso nutzten die Druiden die Pflanze zur Wahrsagekunst und für Wahrträume. Hier- bei wurde der entsprechende Raum entweder mit dem Kraut geräuchert oder ein Absud von Eisenkraut getrunken.
Der alte keltische Bauch führt zurück zum Ort ad Ischl, dessen erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1262 als Iselen erfolgte und sich erst später zu Yschl. wandelte. Iselin stellt eine abgewandelte Form des Namen Iselen oder auch Isolde dar. In bei- den steckt das alte Wort für Eisen, isan. Dass der Stern Siruus dem Berg ganz zu Recht seinen Namen gab, zeigt die Verbindung zu dem südwestlich gelegen Feuer- kogel, denn in seinem Namen steckt eine Eigenschaft des Hundssternes die ihm auch seinen Beinamen `der Feurige´ gab. Durch unruhige Luft in großer Höhe weist sein Licht ein starkes Funkeln auf.

Siriuskogl Plan1

Sternpeilung über Siriuskogl, 800 v.Chr.

So glaubten die Griechen der Antike, wo Sirius zur Zeit der er größten Sommerhitze aufging, dass er  das Land versengen könnte. Aus diesem Glauben entwickelte sich auch der heutige Begriff der Hundstage. In Bad Ischl muss der Feuerkogel als Peil- marke für wichtige Zeitabschnitte gedient haben. So begann zur Zeit der Kelten die dunkle Winterzeit mit dem Fest Samhaim und an diesem Morgen ging Sirius in der Morgendämmerung über der Bergspitze unter. Eine ganz ähnliche Funktion hatte der Stern Antares aus dem Sternbild Skorpion. Mit seinem Untergang in der Morgen- dämmerung kündigte er die Tag-und Nachgleiche im Frühling an und war damit der Zeitzeiger für das frühere Ostarafest. Schon im Persien des 15. Jahrhunderts v. Chr. zählte Antares mit seinem hellen Leuchten zu den vier königlichen Wächtersternen des Himmels. Somit standen beide Berge einmal in enger Verbindung zueinander, doch auf Grund der Präession wanderte der Untergangspunkt des Sirius weiter, so dass die hier vermutete Sternwarte wohl zu Recht in Vergessenheit geriet.

Bilder: Siriuskogl.at, Stich Merian, Maximilanstag. /Wikipedia,Sternbild Großer Hund,Stich von 1782, CMa bode/ llustration Verbena officinalis / Simulation, Stellarium

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