Dünsberg und der Riese

Dünsberg GleibergDünsberg zwischen Vetzberg und Gleiberg

Mit fast 500 m Höhe überragt der Dünsberg die Flusslandschaft des Lahntales. Drei annähernd konzentrisch verlaufende Ringwälle schützten einst das Oppidum auf dem Dünsberg. Ähnlich wie auf dem Schiffenberg deuten auch hier Funde aus dem Neolith- ikum und der Bronzezeit auf eine frühe Siedlungstätigkeit. Doch kontinuierlich lässt sich diese erst ab dem 8. Jahrhundert nachweisen, wobei die befestigte Ansiedlung erst im   3.    Jahr- hundert ihren Höhepunkt erreichte. Aus dieser Zeit stammen auch die Reste der  drei Ringwälle. Rätselhaft bleibt bis heute die Entstehung des namens. Eine Erklär- ung sieht die Entstehung des Namens in Überresten der altketischen Sprache, in der   das  Wort dūnon, die befestigte Stadt bedeutete. Wie vielfältige sich die Bedeutung eines Wortes entwickeln kann, zeigt die althochdeutsche Sprache, wo aus dūnōn, der Sand- hügel oder wurde. Dieses Wort ist einem ganz ähnlich klingenden aus dem Indogerman-ischen verwandt, wo es mit wehen oder wirbeln übersetzt wird.

DunetalDunetal mit Viadukt

Knapp 130km weiter nördlich gibt es einen ganz ähnlich klingenden Flurnamen, das Dunetal über das Heinz Küting 1957 schrieb: `Immer wieder gleiten die Augen hinab in das so malerische Dunetal, aus dem sich rechtschaffene Höhen von der schmalen Sohle einzeln aufrecken wie Hünen und dann ineinander wachsen zu einem urwüchsigen Ganzen.´ Die Landschaft der Schwaneyer Schweiz oder auch Paderborner Harz ist im Volksmund ist eng mit dem Name Dune, dem Hünen verknüpft. Eine Sage berichtet, dass dort soll einst der Riese Dunold gehaust haben und auf der Iburg sein Bruder Ibold. So soll Dunold zum Schlagen der unförmigen Baumstämme ein schweres Schlagholz gebraucht haben und dabei sei sein lauter Ruf `Ibold läehn mai dain Schloholt!´ (Ibold leih mir dein Schlagholz) weit über die Wälder gedrungen. Dann warf der Iburger das Werkzeug in hohem Bogen ins Dunetal.
Auch im Dunetal diente die Sage, wie an vielen an anderen Orten auch, dazu Relikte aus der Vorzeit zu erklären. Riesen waren ideale Gestalten. Zum einen machten sie die ge- waltigen Mauerreste plausibler und mit ihrer furchterregende Gestalt hielten sie das ein- fache Volk von den Orten mit oftmals kultische Bedeutung fernzuhalten. Einen Hinweis dass auch hier ein Riese Pate für den Namen bietet das Bibertal, an dessen Ende der Dünsberg liegt. Einst nannten die Kelten den Biber nach seiner braunen Farbe bebros  und das zugehörige Adjektiv braun hieß bhero.

Heracles und GeryonHerakles im Kampf gegen den dreileibigen Geryon

Wie es den Texten des antiken Schriftstellers Diodor zu entnehmen ist, muss auch der Stammvater der Kelten eine braune Hautfarbe besessen haben. Diodor verortet die Entstehung im Sagenkreis des Herakles, der während seiner 10 Arbeit, dem Raub der Rinder des Geryoneus durch Hispanien gereist sein soll. Dort hatte er sich dort in die Tochter eines Galaterfürstern verliebt und mit ihr einen Sohn gezeugt haben. Keltos soll dann der Urahn jenes Volkes geworden sein das Mittel- und Nordeuropa besiedelte. Der Halbgott Herakles selbst, der aus einer Verbindung von Zeus und Alkemene, der Königin von Mykene hervorging, verbrachte seine Jugendzeit im Kithairongewibge wo er von Kentauren unterrichtet wurde. War er durch seine südliche Abstammung schon etwas dunkler, so wurde diese Farbe spätestens nach seiner ersten Arbeit auch zu seinem Markenzeichen. Mit der forderte sein Cousin Eurystheus von ihm den Nemeischen Löwen zu töten. Dessen Fell war so dick,  dass keine bekannte Waffe es durchdringen konnte. Wie viele Kämpfer vor ihm versuchte Herakles ihn zunächst mit einem Schwert und seiner Keule zu töten, doch jeder Versuch scheiterte. Schließlich erdrosselte er den Löwen mit seinen bloßen Händen, so wie er es schon einmal als Kind mit einer Schlange getan hatte, die ihn im Auftrag Heras erwürgen sollte. Herakles zog dem Löwen das Fell ab und bekleidete sich mit seinem braunen Fell, was ihn schließlich unverwundbar machte. In der Herakles Sage sind aber keinesfalls nur antike griechische Motive integriert worden, sondern auch Motive aus dem asiatisch-ägyptischen Raum.

Herakles und LöweHerkules im Kampf mit dem Nemeischen Löwen, Entwurf von Johann Gottfried Schadow

Sein eigentlicher Ursprung liegt in der Vorstellung eines solarischen Gottes der in ihm per- sonifiziert ist und sich ähnlich der Sonnenkraft, sieg- und segensreichen, aber auch ver- derblich wirken konnte. In seinem Bild lebt auch der kämpfende phönikische Sonnengott Melkart weiter und mit ihm die Vorstellung von Lichtgöttern, welche Geister der Finsternis besiegen. Herakles galt aber nicht nur in Antike als Vorbild für heldenhaften Mut, Kultur- schaffender und Städtegründer, sein Mythos wurde von europäischen Fürsten noch bis  ins 18. Jahrhundert hinein verehrt. Mit seinem braunen Löwenfell ihn als `bebros´ zu be- zeichnen wäre also durchaus eine denkbare Sehweise. Betrachtet man die Geometrie  der konzentrischen Ringwälle näher, so lässt sich tatsächlich eine Übereinstimmung zwischen der mythischen Gestalt des Herakles feststellen.  Am Tag der Sommerson- nenwende war das Sternbild um 600 v. Chr. kurz vor Sonnenaufgang so am Nordhimmel zu sehen, wie es auch mit der Wallgeometrie übereinstimmt. Anscheinend vertrauten die Erbauer der Wälle nicht allein deren Abwehrkraft, sondern benötigten den zusätzlichen Schutz ihres Totems, in Gestalt ihres legendären riesenhaften Urahns. Damit gewinnt auch der Name Dünsberg eine ganz andere Bedeutung.

Dünsberg Herakles         Dünsberg und Herakles (Herkules) – Wintersonnenenwende um 600 v. Chr.                                                 Sternbild Herakles um kurz vor Sonnenaufgang

 

Bilder: Wikipedia, Herakles im Kampf mit dem dreileibigen Geryon, attische Amphora des schwarzfigurigen Stils,um 540 v. Chr. Marie-Lan Nguyen / Herkules im Kampf mit dem Nemeischen Löwen“ nach Entwurf von Johann Gottfried Schadow , Manfred Brueckels / Simulation, Stellarium, Sunearthtools

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