Kultort Oberesslingen

LuftbildLuftbild einer Viereckschanze

Der Name Viereckschanze entstand in den Anfängen der archäologischen Forschung. Als Eduard Paulus im Jahr 1877 die Anlage bei Oberesslingen entdecke und vermaß, hielt er sie noch für ein Schanzwerk aus der römischen Zeit. Seine beachtliche Fläche von an- nähernd 1,15 Hektar und die beachtliche Größe der Wälle, die bis zu 2m aus der Grab- ensohle ragten , führten Paulus zu diesem Schluss. Spätere Funde und die Überreste eines Gebäudes lassen jedoch eine Entstehungszeit der Viereckschanze um das 3. Jahr- hundert v. Chr. vermuten. In der frühen Forschungsgeschichte wurde ihr anfänglich die Rolle eines Kultplatzes zugesprochen, wie wohl es dazu keine stichhaltigen Beweise gab. So ist bis heute, wie bei zahlreichen anderen Anlagen dieses Typs, ist eigentliche Funktion nicht geklärt.
Die Entdeckungsgeschichte der Anlage in Oberesslingen begann in den 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurden während der württembergischen Landesvermes- sung auch die zahlreichen noch existierenden Viereckschanzen aufgenommen und in den Katasterplänen verzeichnet. Zu dieser Zeit hielten sie Landvermesser, ähnlich wie später Paulus, für Sommerlager des römischen Heeres. Etwas später hat Johann Nepomuk Ritter von Raiser in seiner Darstellung `Der Oberdonaukreis des Königreichs Bayern unter den Römern´ die bis dahin bekannten Viereckschanzen als römische Gutshöfe, oder auch als Befestigungen interpretiert. Erst durch die Arbeiten des Archäologen Friedrich Drexel änderte sich diese Sehweise. Im Jahr 1931 vertrat Drexel erstmals die Theorie, dass es sich bei den Anlagen nicht um Gutshöfe, sondern um Heiligtümer gehandelt haben könnte. Systematische Ausgrabungen ab den Fünfzigerjahren stützen Drexels These und man begann die Viereckschanzen als heilige Orte anzusehen, die durch Wälle von der pro- fanen Welt abgegrenzt wurden. Die dort gefunden Schächte wurden als Opfer- und Kultschächte gedeutet.

Bopfiingen FlochbergViereckschanze Bopfingen Flochberg – Darstellug als Gutshof

Als Bestätigung dieser Vermutung könnten auch die Maße der Schanze dienen. Unter der Annahme, dass hier ein ganzzahliges Maß verwendet wurde liefert die Differenz der Seite im Osten mit 85m und der im Westen mit 102m einen ersten Anhaltspunkt. Umgerechnet in vormetrische Maße ergibt nur das in der Antike entstandene Baumaß von 0,2879m ein ganzzahliges Ergebnis 59 Einheiten. Unter allen Maßstäben weist das Baumaß auch den geringsten Fehler auf . Damit wäre die Ostseite 265 BA lang, die im Westen 354, die Süd- seite 434 und die Nordseite 427. Bei allen Maßen zeigt sich ein Fehler von etwa 0.04% Doch alle Maße ergeben erst durch die Summe von 1510 BA ein interpretierbares Bild.

Keltenschanze TetraktysViereckschanze Oberesslingen

So lässt sich die Zahl 1510 in das Produkt 151 x10 aufspalten und damit auch mit dem   im 5. Jahrhundert vor Chr. entstandenen System der Tetraktys in Verbindung bringen. Dieses auf einem Dreieck mit 37 Elementen aufbauenden geometrischen System      diente nicht nur als ein Modell die göttliche Ordnung zu erklären, sondern in unterschied- licher Anordung auch zur Zahlenverschlüsselung von Namen. Werden nun die Punkte  des Dreiecks mit    2 und die Strecken mit 3 bezeichnet, so ergibt sich auf jeder Seite    die Punktezahl 8 und die Streckenzahl 9. Alle drei Seiten des Tetraktys – Dreieckes ergeben zusammen dann  51 Elemente, wobei dem Zentrum die Zahl 1 vorbehalten        st. Damit entspräche eine Dar- stellung in der Schreibweise 1-51 der Tetraktys. Die Systematik der 37 Elemente findet sich auch in den beiden Seiten Süd und Nord. Beide ergeben gemessen an der Westachse eine Summe von 37 Grad. Diese Schiefen inner- halb der Geometrie führt zur Überlegung über die eigentliche Ausrichtung der Anlage und die damit verbundenen kultischen Bezüge. Die Kultur der Antike war eng verknüpft  mit Frühlingsfesten, mit denen Gottheiten der Fruchtbarkeit gefeiert wurden die ein erneut-    es Wachstum der Natur und Gedeihen der Ernte garantieren sollten. Je nach Klima und Beginn der landwirtschaftlichen Tätigkeit geschah dies von Anfang Februar bis Anfang März.

Keltenschanze PlanAusrichtung Oberesslingen

Die Flucht der Schanze trifft im Talkessel von Geislingen auf den Albrand. Wird diese minimale Höhe über dem Horizont mit einbezogen ist die Seite auf den Sonnenaufgang am 15. Februar ausgerichtet. Zu dieser Zeit wurden in Rom die Luprcalien, ein altitalisches Fest der Fruchtbarkeit. Auch in Griechenland war dies ein Datum an dem die Fruchtbarkeit gefeiert wurde. Zu dieser Zeit trugen Mädchen einen gelben Krokus um ihre Bereitschaft zu einer Bindung zu signalisieren.
Auch die katholische Kirche konnte such später der Beliebtheit des Fruchtbarkeitsfestes nicht verschießen und übernahm das Datum als Valentinstag. So hatte Valentin durchaus eine Verbindung zum eigentlichen Hintergrund, denn als Priester hatte er heimlich Liebes- paare getraut und dies mit seinem Märtyrertod bezahlt. Wird nun auch die Westseite mit in die Betrachtung mit einbezogen, muss die Flucht auf ein Objekt am Nachthimmel gewählt worden sein. So zeigt das geometrische Konzept der Anlage eine Übereinstimmung mit dem Sonnenaufgang am 15. Februar, denn an diesem Tag war der heutige Polarstern kurz vor Sonnenaufgang zum letzten Mal in dieser Richtung sichtbar, ehe er im Licht der auf- gehenden Sonne verblasste.
Die komplexe Konstruktion, in der Sonnenlauf, Gestirne und das philosophische Gebäude der Tetraktys erkennbar sind, wird wohl kaum für einen Gutshof realisiert worden sein. Viel eher scheinen sich hier die ersten Vermutungen Drexels zu bestätigen, dass dieses An- lagen vor einem kultischen Hintergrund erbaut wurden.

Bilder: Bopfingen Flochberg,Wieland 1999, Zeichnung J. Sailer/Simulation Stellarium, Sunearthtools

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