Der Glauberg und Teutates

Glauberg 1Der Glauberg

In Gestalt eines langgestreckten Tafelberges liegt der Glauberg am Ostrand der Wetterau. Spuren einer Besiedelung sind hier bereits aus der Jungsteinzeit bekannt, doch dann soll die Siedlung wieder aufgegeben worden sein. In einzelnen zeitlichen Abschnitten, wie in der späten Bronzezeit und ab der Hallstattzeit erfolgte dann eine Neubesiedelung. Ein um- fangreiches Wallsystem, das auch ein Wasserresvoir auf der Nordwestseite des Glau- bergs einschloss, schützten zu dieser Zeit das Plateau. In der aktuellen Forschung wird der Glauberg, wie einige andere Wallburgen im süddeutschen Raum, als Fürstensitz be- trachtet. Die derzeitige Sehweise sieht sich auch durch den Fund einer überlebensgroßen Statue, den `Fürst vom Glauberg´ bestätigt.

Keltenfürst

Der Keltenfürst in der Ausstellung

Den Berg zeichnen mehrere Eigenschaften aus, die aber auch eine andere Interpretat- ionen möglich werden lässt und seine Bedeutung für die frühen Kulturen erklärt. Wie Bernhard Schwade in einer Karte übersichtlich darstellt, war er einst ein Knotenpunkt mehrerer Fernhandelswege, die vom Mittelmeerraum zur Nord – und Ostsee führten    und von Zentralfrankreich, den Niederlanden in Richtung Alpen und dem Balkan. Ein weit- eres Charakteristikum des Glaubergs ist die Ausrichtung seiner Geometrie nach Sonnen- auf-gangspunkten und Mondwenden. Wurden diese Richtungen nach mythologischen Ge- sichtspunkten ausgewählt, können sie auch möglichen Gottheiten zugeordnet werden und so zu einem besseren Verständnis des Glauberges führen. In diesen Richtungen spiegeln sich auch die unterschiedlichen mythologischen Vorstellungen, wie sie sich im Laufe der Jahrtausende gewandelt haben.

Glauberg Sonne, Mond Glauberg:  Sonnen- und Mondrichtungen

So entspricht die Hauptrichtung des Plateaus der Richtung der kleinen Mondwende. Mondgötter wie Sin, der Stadtgott von Ur, oder Chons der im Alten Reich Ägyptens als Herr der Zeiten angesehen wurde, standen in vielen Kulturen für den Beginn von Götter- familien. Während die Hauptrichtung durch den Mond bestimmt ist, folgen die Ränder des Glauberges solaren Ausrichtungen. So ist die Nordwestseite auf den Sonnenaufgangs- punkt der Sommersonnenwende gerichtet und die Südostseite auf den Punkt am 15. Mai definiert. In diesem Zeitraum, also vom 1. bis zum 20. Mai wurde in der Antike der Beginn des Sommers gefeiert. Im römischen Feiertagskalender entspricht das Datum am 15. Mai dem Fest Mercuralia und war dem Götterpaar Merkur und Maia geweht war. Der Name des römischen Gottes Merkur ist als einziger der Götternamen begrifflich ableitbar und stam- mt vom römischen Wort merx , die Ware. In den mythologischen Vorstellungen wurde er mit dem griechischen Gott Hermes, dem Götterboten und Seelenführer gleich-gesetzt. Attribute des Mecrcurius, des römischen Gottes des Handels, des Gewerbes und des Reichtums waren sein geflügelter Helm und eine prallgefüllte Geldbörse.

Mercurius 1. JhMercuris- Bronzefigur 1. Jhd.

Ein vergleichbares Götterpaar In Gestalt des Teutates und der Rosmerta wurde im Nord- en verehrt. Auch bei den Galliern galt Teutates als Gott des Handels und Beschützer der Reisenden und wurde Erfinder der Künste verehrt. Gleichzeitig hatte er auch Ähnlichkeiten mit Mars, denn Teutates galt auch als Kriegsgott. Seine unterschiedlichen Eigenschaften weisen ihn als höchst viefältige Gottheit aus, die je nach Region mehr die Eigenschaften des Mars oder des Merkur besaß, bisweilen sogar die des Jupiter. Von dem im 1. Jhr. n. Chr. lebenden römischen Dichter Marcus Annaeus Lucanus stammt das wenig schmeich- elhafte Bild des Teutates, das spätere Vorstellungen von keltischen Gottheiten nachhaltig geprägt hat. In seiner Schrift Pharsalia beschreibt er eine Trias gallischer Götter die aus Teutates, Esus und Taranis bestand. Dieser Teutates – Mars, so Lucanus, konnte nur `mit schrecklichem Blut´ besänftigt werden, also durch ein Menschenopfer. Dazu wurde ein Mensch mit dem Kopf voran, bis zum Ersticken in einen vollen Kessel gehalten. Doch bereits in der römischen Kaiserzeit wurde darüber gestritten ob Lucanus auf Grund seiner schweren, bildgewaltigen Sprache nicht mehr als Dichter, denn als Historiker zu werten sei.

Rosmerta und TeutatesRosmerta und Teutates. Museum `Saint Remi´

Nach der römischen Landnahme vereinigten sich die Bilder des Teutates mit denen des Merkur und Mars. Auf diese Weise verschmolzen gallische Kulte nun vollständig mit röm- ischen Vorstellungen, wobei die Gewichtung innerhalb des Paares Teutates-Rosmerta höchst unterschiedlich ausfielen. An manchen Orten wurde sie auch allein, ohne ihren Begleiter verehrt. Wie ein Weihebild aus dem französischen Fins d’Annency zeigt, erhielt Rosmerta dann auch seine Attribute, den geflügelten Hut und den Beutel. Damit zeigten sich aus Rosmertas Zuständigkeiten auf gleiche Weise, als Göttin des Wohlstands, des Überflusses, der Fruchtbarkeit und Fülle. Dies verdeutlicht auch Ihr gallischer Name der übersetzt `die große Versorgerin´ bedeutet . Aus diesem Grund rief man sie auch an, wenn man um Erfolg bei Handel und Geschäften bat.
Der Handelsknoten läßt es plausibel erscheinen, dass kultische Vorstellungen des Mittel- meerraumes schon lange vor der Landnahme der Römer, zusammen mit dem Handel in den Norden gelangten. Eine entsprechende Ausrichtung auf die Gottheit des Teutates-Mercurius würde dann auch die Geometrie des Berges erklären. Der Berg wurde im Jahr 844 zum ersten Mal mit dem Namen Gloubero erwähnt. Ganz ähnlich wird das althoch- deutsche Wort glouwī geschrieben, das mit Klugheit übersetzt wird. Die Geometrie des Glauberges verweist nicht nur auf die kluge Ausrichtung der Siedlungsstätte, sondern ebenso mit den gewählten Richtungen auf den erhofften Beistand der Götter.

Bilder: Glauberg Mittelhessen,Wikipedia/Statue des Keltenfürsten in der Ausstellung,Heinrich Stürzl /Rosmerta und Teutates. Museum `Saint Remi´ , Fab5669 /Bronzefigur des Mercurius (1./2. Jhdt.) ,Jastrow, Simulation sunearthtools

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s