Der Himmel über dem Fürstengrab

Orion Himmelsjäger

In vielen Kulturen beflügelte das Sternbild Orion die mythologischen Vorstellungen der Menschen. War es im alten Ägypten noch die Vorstellungen von Osiris, dem Herrscher des Totenreiches, so wurde im Christentum die drei Gürtelsternen des Orion als jene Himmelsleiter interpretiert, die Johannes in seiner Vision der Apokalypse beschrieben hatte.

Beteigeuze, HubbleBeteigeuze – Hubble Aufnahme

Auch in der modernen Literatur konnten sich Schriftsteller der Faszination des Sternbildes nicht entziehen. Sein rötlich leuchtender Stern Beteigeuze, oder auch die Hand der Riesin genannt, war schon Gegenstand von Sehnsuchtsfantasien. Der Name entstand wohl aus einer falschen Übersetzung arabischer Sterntafeln und sollte wohl ursprünglich `yad al-ǧauzāʾz´, die Achsel der Riesin heißen. An der Schulter des Orion sitzend, wurde Beteigeuze zu einem beliebten Motiv der frühen Science-Fiction-Literatur. Im Roman Planet der Affen wird der Stern umkreist und ebenso in der Erzählung Per Anhalter durch die Galaxis stammen zwei Akteure, Ford Prefect und Zaphod, von diesem Stern.So verbanden auch einige bekannte Autoren wie Philipp Dick und Stanislaw Lem ihre Erzählungen mit diesem neunthellsten Stern am Nordhimmel, der mit seinem Durch-messer den unserer Sonne um das tausendfache übertrifft. Der der Mythos des Orion begann mit der harmlosen Gestalt eines Schafes, das die Sumerer im 5. Jahrtausend in dem Sternbild erkannten. Der im arabischen als Achsel bezeichnete Stern war dort auch die Achsel des Schafes. Doch neuere Untersuchungen zeigen, dass das Sternbild bereits in der akkadischen Sprache auf Grund seiner Lichtstärke `Uru-anna´, das Licht des Himmels genannt wurde.

orion PoussinNicolas Poussin.1660-  der geblendete Orion sucht die Sonne

Ab dem 2. Jahrtausend v. Chr. hatten die Vorstellungen vom Himmelschaf ausgedient. Mit dem sumerisch-babylonischen Epos um Gilgamesch und seine Heldentaten betrat der Himmlische Jäger Orion die Bühne am Himmel. Zahlreiche Erzählungen ranken sich um ihn und tauchten abgewandelt, später auch in zahlreichen anderen Epen auf. Die heutigen Erzählungen die die Entstehung des Sternbildes erklären, von der stammen hauptsächlich aus den griechischen Göttermythen. Über seine Entstehung berichtet eine Erzählung in der sich in der sich der heldenhafte Jäger Orion einst in die Plejaden verliebte, die sieben Töchter des Atlas. Er war ein Sohn des Titanengeschlechtes und gleichzeitig der Bruder des Prometheus und Okeanide Pleione. Eines Tages genügten aber Orion die heimlichen Gefühle nicht mehr und er begann die Plejaden zu verfolgen und am Ende gar zu jagen. Als Zeus dies nicht mehr mit ansehen konnte, setzte er sie als Sternbilder an den Himmel, wo Orion die Plejaden noch heute verfolgt aber niemals erreicht. In einer anderen Erzählung ließ Orion eines Tages während einer Jagd auf Kreta verlauten, dass er alle Tiere auf Erden töten werde. Über diese Botschaft war Gaia, die uralte Göttin der Erde und Mutter des Uranos, so erbost, dass sie einen Skorpion aus ihrem Schoß entsandte. Der sollte Orion mit seinem Giftstachel zu töten. Doch Artemis, die mit ihm auf der Jagd gewesen war, setzte ihn aber zum ewigen Angedenken an seinen Mut und seine Tapferkeit an den Himmel. Diese Erzählung spiegelt auch die Situation am Sternenhimmel wieder, denn zur Untergangszeit des Skorpions, steigt Orion im Osten auf. Kehrt der Skorpion jedoch wieder an den Nachthimmel zurück, so verschwindet Orion unter dem Westhorizont.

SkorpionSternbild Skorpion

Das Fürstengrab am Glauberg wurde während eines Erkundungsfluges im Jahr 1988 entdeckt. Nur aus er Luft waren am Südende des Berges noch Spuren zu erkennen die durch die landwirtschaftliche Tätigkeit am Boden längst verwischt waren. Ein weiterer Grabhügel wurde später noch mittels geophysikalischer Messungen entdeckt. Die Entdeckung lohnte ich, denn die den Gräbern geborgenen Funde belegen die gehobene Stellung der Verstorbenen. Neben diesen Funden zeichnete sich das Grab durch mehrere Pfostenreihen aus und eine nach Südosten führenden Zugang aus.

Glauberg GrabÜber die frühere Funktion der Pfosten, die anfänglich für einen Teil eines Kalenderbau-werkes herrscht noch Unklarheit. Doch die Stangen eigneten sich hervorragend als Peilinstrumente, zumal wenn sie in die Geometrie des Fürstengrabes mit einbezogen werden. Mit einigem Abstand ergibt sich so eine Peillinie die über den letzten Stab über die Kuppe des Fürstengrabes in den Himmel zielt. Auf dieser Linie waren zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende die Plejaden kurz nach dem Sonnenuntergang zu sehen. Aber auch der Zugang muss auf ein Himmelereignis ausgerichtet gewesen sein, das mit der mythologischen Bedeutung von Tod und Wiedergeburt in Verbindung stand. In Ägypten wurde der Mondgott Chons verehrt. Der Mond galt durch seine Zu- und Abnahme gleich-zeitig als Sinnbild für Tod und Wiedergeburt. Als Totengott wird er auch mit dem Sternenkönig `der Leuchtende, also Orion gleichgesetzt, der später dessen Rolle. Mit ihm und dessen Schulterstern Beteigeuze lässt sich nicht nur die Ausrichtung er Straße, sondern auch die Geometrie des Grabes erklären. Beteigeuze wurde auch der Ankündiger genannt. Wie die Grabanlage Magdalenenberg bei Villingen sollte auch diese als ein großformatiges Bild mit einem erzählerischen Hintergrund verstanden werden.

Glauberg HimmelDer Himmel über dem Fürstengrab

In der Nacht zum 1. Februar verkündet er das kommende Fest Imbolc. Im keltische Fest- zyklus, übertragen auf das Leben eines Menschen, ereignete sich die Zeugung am 1. Mai, die Vollreife der Seele nach 6 Monden am 1. November und die Geburt am 1. Februar. Damit könnte die Sicht auf den Ankündiger das Motiv einer symbolischen Wiedergeburt im Sternbild des Orion interpretiert werden.

 

Bilder: Wikipedia, Sternbild Orion, Skorpion, Sco bode/ Plan Fürstengrabhügel, Grabhügel, http://www.fürstensitze.se/ Simulation Stellarium

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