Lindau, die Insel der Linden

 Lindau Luftbild

Lindau Luftbild

Von einem Mönch des Klosters St. Gallen stammt die erste Urkunde in der der Name von Lintawia auftaucht. Schon bald wurde der Name als Insel auf der die Lindenbäume wachsen gedeutet. An diese Interpretation erinnert noch heute das im 13. Jahrhundert entstandene Stadtwappen mit einem 13-blättrigen Lindenbaum. Trotz dieser Interpretation der Namensentstehung aus dem althochdeutschen Wort linta, die Linde, gibt es noch eine weitere Theorie, die die Namensentstehung im Wort lind sieht. Dieses steht gleich für drei Bedeutungen. Zum einem ist hier bereits das verwandte Wort lindern enthalten und zum anderen auch der Lindwurm, der sich im Laufe der Geschichte zum Drache wandelte. Ebenso bezeichnet lind aber auch eine Quelle. Ganz ähnlich klingt das altkeltische Wort lindon, der See. Aus diesem römischen Namen soll sich also das spätere Lindau ent- wickelt haben. An diesen mit einer Gottheit verbundene Interpretation erinnert auch der 1884, anlässlich des 20. Krönungstages König Ludwig II eingeweihte Brunnen der Lindavia. Sie gilt als symbolische Beschützerin der Stadt und deren Reichtum.

Lindavia BrunnenLindavia Brunnen

Aus der Luft betrachtet scheint die Insel mit dem Hintergedanken eines Viertelkreises entstanden zu sein, wobei ein Anschnitt dieser Figur in Richtung der Stadt Bregenz weist, die am Fuße des Pfänders liegt. Dies ist auch die Richtung, aus der der Sonnenuntergang am 1. Februar über dem Pfänder zu beobachten ist. Damit deutet sich auch eine Bezieh- ung zwischen den beiden Orten an. Eine Verwandtschaft zum keltischen Volk der Briganten, die Erhabenen, wird als Ursprung des Ortsnamens gesehen. Darin steckt auch der Name Brigid, der im keltischen Fest Imbolc verehrten Lichtjungfrau Brigid, die latinisiert auch Brigantia genannt wurde. Sie war eine der Feuergöttinnen des alten Europa.

Brigantia Rennes

Keltische Göttin (Brigantia) im Bretagne-Museum von Rennes

Ihre Rolle war dreigestaltig und ihre Eigenschaften vielschichtig. In den Vorstellungen war sie zuständig für Heil- und Schmiedekunst, Poesie und Hellsicht. Außerdem wurde sie als Fruchtbarkeitsgöttin gesehen, die über Felder und Früchte gebietet. In dieser Rolle sah man sie auch als Hirtin und dabei waren ihre Tiere das Mutterschaf, die Kuh und der Hahn. Doch als Leuchtende und Erhabene waren ihre Attribute der Getreidegarten, der Kessel und die Flamme. So gab es In Irland auch regional-verschiedene Formen eines Brigitte-Kreuzes, das Ähnlichkeit mit einem Sonnenrad aufweisen. Neben diesen Zuordnungen ist Brigid auch eine Göttin des Wassers auf die in Irland noch heute ein heiliger Brigid-Brunnen hinweist.

Der frühere Feiertag Maria Lichtmess am 2. Februar übernahm die Funktion dieses keltischen Festes über mehrere Jahrhunderte hinweg, bis mit der Reform Calendarium Romanum Generale im Jahr 1969 auch der einstige Name Lichtmess aus dem liturgischen Kalender verschwand. Der Tag wird heute gemäß dem mosaischen Brauch als Darstellung des Herrn bezeichnet, denn gemäß den alten Regeln mussten Kinder 40 Tage nach ihrer Geburt in den Tempel gebracht werden. Nur die Kerzenweihe, die an das in vorchristlicher Zeit gefeierte Lichtereignis erinnert noch heute noch in vielen ländlichen Gegenden an den ursprünglichen Sinn. Längst vergessen ist auch der Brauch des Tin- Phales, des Lichtmesspfahles. In Zeiten wo es noch keine Uhr gab, war es für jede Siedlung wichtig einen eigenen Pfahl zu besitzen, der bei Germanen am 1. Februar, dem Tag der Lichtjungfrau gesetzt wurde. Deshalb wurde das germanische Wort für Sonne, Sul, auch gleichzeitig für den Zeitpfahl oder die Sonnensäule verwendet.

Lindau Plan 1Lindau, Sonnenaufgang am 1. Februar

Für die Siedlung Lintawia lag dieser Sonnenaufgangspunkt über dem Pfänder. Der Name des Berges könnte sich aus dem Pfand oder auch der Beruf des Pfänders entwickelt haben, eines Gerichtsdieners der von Schuldnern das ausstehende Pfand einzieht. Ebenso ist könnte darin auch das verkürzte Wort Pfabdl, die Pfanne gesehen werden. Doch als markanter Visurpunkt für den Sonnenaufgang am 1. Februar bietet das alt- hochdeutschen Wort Phenih, die Hirse  eine weitere Erklärung. Noch heute gibt es in Irland den Brauch, bei dem junge Frauen aus Getreidehalmen, Stroh oder Schilf eine Brigid binden. Innerhalb der irischen Mythologie ist sie die Tochter des Gottes Dagda und die altirischen Erzählungen schildern sie mit Ehemann und Kindern. Trotz des Beinamens Lichtjungfrau ist sie verheiratet und hat Kinder. Manche Autoren sehen ihre Gestalt als identisch mit Cerridwen oder Danu, die beide wichtige keltische Göttinnen waren. Gerade Danu, die auch im Flussname Donau durchscheint, spielte eine wichtige Rolle in der Gründungslegende Irlands. Im Name Pfänder könnte sich somit diese alter Brauch der Strohpuppen erhalten haben.

Lindau Wappen 14Das Wappen von Lindau

Während der Christianisierung trat die Bedeutung des Sonnenereignisses in den Hintergrund. Viel besser ließ sich das Motiv der Linde, in der Frühzeit auch als Freyalinde bezeichnet, mit dem Ort in Verbindung bringen. Ihr Holz wurde in der Zeit der wachsenden Marienverehrung zum geschätzten Rohstoff für zahlreiche Marienstatuen. Die 822 erfolgte Gründung des Klosters `Unserer Lieben Frau unter den Linden´ durch Graf Adelbert von Rätien bereitete auch dem alten Kult der Lichtjungfrau ein Ende und ersetzte ihn endgültig durch die Marienverehrung.

Bilder: Wikipedia,Inselaltstadt von Lindau im Bodensee, Edda Praefcke /Lindavia-Brunnen,Ramessos /Keltische Göttin (Brigantia) im Bretagne-Museum von Rennes, Paul B (talk)/ Pfänder mit Bregenz vom östlichen Bodensee, E.peiffer@gmx.net , Simulation Sunearthtools

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