Ursula und der Mägdeberg

hegau KegelspielVulkanlandschaft Hegau

Die Vulkankegel des Hegau bezeichnete der Heimatdichter Ludwig Finckh einst als des Herrgotts Kegelspiel. Einer dieser geheimnisvollen Berge innerhalb dieser Vulkanland-schaft ist der Mägdeberg bei Hilzingen. Wie der Hohentwiel oder der südöstlich liegende Hohenkrähen besteht auch er aus Phonolithgestein. Geologen erklären seine markante Form durch Abschürfungen während der Gletscherbewegungen in der letzten Eiszeit. Obwohl der Berg geschichtlich erst ab dem Mittelalter fassbar wird, muss er bereits in frühgeschichtlicher Zeit eine große Wertschätzung genossen haben, denn einige Spuren deuten auf eine Kultstätte aus keltischer Zeit hin. Auf seine frühere Bedeutung verweist auch die Sage, die zu seinem heutigen Namen Mägdeberg führte. Wie wohl die Sage den Kern seiner einstigen Bedeutung trifft, verbindet sie auf geschickte Weise die beliebte Gestalt der er Ursula mit diesem Ort am Bodensee.

MägdebergMägdeberg

Die Legende der heiligen Ursula erzählt von der im 4. Jahrhundert lebenden wunder-schönen und klugen Tochter des christlichen Königs Maurus, die sich schon in jungen Jahren der ewigen Jungfräulichkeit verschrieben hatte. Dennoch verlobte sie ihr Vater mit dem englischen Fürstensohn Ætherius. der vom Kaiser für seine Treue die heutige Bretagne geschenkt bekam. So erbat sich Ursula eine Frist von drei Jahren und in dieser Zeit sollte Ætherius auch getauft werden. Doch in einem Traum erfuhr sie von ihrer Reise nach Rom und dem anschließenden Martyrium nach ihrer Rückkehr in Köln. Trotz dieser Prophezeiung machte sich Urusla mit dem legendären Zug der 11 000 Jungfrauen auf nach Rom. Über die Reiseroute dieses Zuges gibt es in den unterschiedlichen Versionen der Legende verschieden Angaben. Eine jedenfalls schildert die Route am Mägdeberg vorbei, wo sie gelagert haben sollen. Aus dem frühen 9. Jahrhundert sind bereits Zeugnisse ihrer kirchlichen Verehrung bekannt, doch erst um 975 entstand die  von Erz- bischof Gero von Köln geschriebene Leidensgeschichte `Fuit tempore pervetusto´, aus alten Zeiten. Um die Jahrtausendwende verbreitete sie sich rasch im süddeutschen Raum. In dieser Zeit entstand auch eine Ursula Kapelle auf dem Mägdeberg, die auf Geheiß des Abtes des Klosters Reichenau zwischen 1235 und 1240 mit einer Ver- teidigungsanlage ausgestattet wurde. Sie wurde um 1240 erstmals in einer Urkunde als castrum Megideberc erwähnt.

UrsulaUrsula bei der Abfahrt in Köln

Die drei heiligen Jungfrauen in Gestalt der Einbeth, Wilbeth und Worbeth, die als die drei bethen, oder auch drei Madeln genannt im Süddeutschen- und im Alpenraum verehrt werden, waren Gefährtinnen der heiligen Ursula. Doch ihre Dreigestaltigkeit geht nach Meinung des Heidelberger Mythenforschers Hans Christoph Schöll auf eine unbekannte frühchristliche germanische Göttertrias zurück, die er als jungfräulich-mütterliche Erdgöttin, mütterliche Sonnengottheit, Glücksgöttin und Mondfrau sieht. Diese von Schöll vermutete weibliche Göttertrias ist aber weder in irisch – keltischer Tradition nachweisbar, noch wird sie von römischen Schriftstellern erwähnt. Eine ganz andere Spur des Namens findet die Patriarchatskritikerin Kirstin Armbruster in der semitischen Sprache. Dort bedeutete betula die heilige Frau und beth den Sitz oder das Haus. Ein ähnlich lautendes Wort gibt es in der altgriechischen Sprache mit betyl, dem eiligen Stein, oder auch Sitz einer Gottheit. Damit, so Armbruster könnte das Wort bethe auch als der heilige Stein als Sitz der Gottmutter interpretiert werden.

Ursula HolbeinUrsula, Hans Holbein 1523

Dass die beliebte Sage der Ursula nicht rein zufällig mit dem Mägdeberg in Verbindung gebracht wurde, zeigen auch die Attribute der Heiligen. Sie steht für gleichzeitig für den furchtlosen Tod wie für den Aufbruch in das Leben. So wird Ursula oft mit einem Pfeil dargestellt, der als Zeichen des Todes gilt, während ihr Palmzweig für die Fruchtbarkeit und die Fahne für den Aufbruch ins Leben steht. Diese Bedeutung unterstreicht auch das Schiffsmotiv in dem Ursula und ihre Gefährtinnen gerne dargestellt werden. Dieses Motiv steht sinnbildlich für die Fahrt durch das Leben bis hin zum Jenseits.

Mägdeberg PlanMägdeberg und Hohenkrähen

Dass der Mägdeberg längst vor der dem Bau einer Urusla Kapelle und der 1235 durch die Abtei Reichenau errichteten Burg ein Kultort gewesen sein muss. zeigt seine Beziehung zum Hohenkrähen. In der Literatur wird die Entstehung seines Namens auf das keltische Wort craig, der Fels zurückgeführt. Dort gibt es zwar das ähnlich klingende crac, das rauh bedeutet, doch im Zusammenhang mit Fels existiert dieser Wortzusammenhang nur in der gällisch-keltischen Sprache. Dabei deutet der Name des ersten Rittergeschlechtes der Burg, der Edlen von Cregin deute auf eine abgewandelte Form des Namens Gregor hin. Seine Bedeutung im Griechischen bedeutet `auf der Hut sein. In der späteren Abwandlung zu Kraien oder Krähen, vermischte sich dies wohl mit den Erinnerungen eines kulturellen Gedächtnisses an die Krähen, die in der germanisch-keltischen Kultur als Seelenführer ins Jenseits galten.

So zeigt eine nähere Betrachtung des Mägdeberges dass beiden Eigenschaften Be- deutungen der Usrula, der Aufbruch ins Leben wie auch der Tod eine symbolische Bedeutung für den Berg hatten. So kann von hier aus der Sonnenaufgang zum keltischen Fest Imbolc, dem Aufbruch der Natur und zu Samhain, dem Öffnen der Tore zum Jenseits, über dem Hohenkrähen betrachtet werden. Insofern trifft hier die Bezeichnung Fels als heiliger Ort ebenso zu, wie der Ort der Krähen, an dem sie einst die Toten als Seelenvögel begleiteten.

Krähen

Krähen am Bodensee

Bilder: Wikipedia, Mägdeberg, Hubenschmid , Simulation, Stellarium

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