Mainau, die Insel des Pan

Mainau 1820Mainau 1820, Johan Jakob Biedermann

Zahlreiche am Bodenseeufer gefunden Pfahlbausiedlungen aus der Stein- und Bronzezeit lassen darauf schließen, dass auch die Insel Mainau bereits in diesem Zeitraum besiedelt war. Eine Häusergruppe aus 6 Gebäuden, die aus der Jungsteinzeit stammt, stützt diese Vermutung. Doch weitere Siedlungsbelege gibt es nicht. Als ab 15 v. Chr. das Gebiet des Bodensees Teil der römischen Provinz Rätien wird, soll die Insel als Flottenstützpunkt eine wichtige Rolle gespielt haben. Nach dem Ende des römischen Reiches und einer Zwischenphase der alemannischen Herrschaft ging die Insel 724 zusammen mit dem Landstreifen des Bodanrücken als Geschenk an das mächtige Kloster Reichenau und wurde später den Herren von Maienowe als Lehen übertragen. Im Jahr 1271 fand ein dann erneuter Besitzwechsel statt, als die Insel von dem auf der Reichenau ansässigen Ministerialen Arnold von Langenstein an den Deutschen Orden weiter verschenkt wurde. Einen repräsentativen Charakter verliehen der Insel aber erst der Bau des Schlosses und der Neubau der Schlosskirche St. Marien von 1732 bis 1739.

Mainau SchlosskircheMainau Schlosskirche

Bei diesem Kirchenbau handelt es sich um eine rechteckige Saalkirche mit einer Länge von 20m, einer Breite von 9,5 Meter breit, sowie einem halbrundem Altarhaus. Schloss und Kirchenbau verweisen noch auf jene Tradition der Sonnenausrichtung sakraler Gebäude, die mit dem Ende des Barockzeitalters in Vergessenheit geriet. Ihre Ausrichtung wird durch die Sonnenaufgangspunkte von zwei wichtigen Tagen bestimmt: Der höchste Feiertag Marias, die Aufnahme in den Himmel, sowie den Festtag des Deutschen Ordens am 6. Februar. Diese Ausrichtung führt auch auf die Spur der besonderen  Geometrie und dem Namen der Insel.

Mainau Plan 01Ausrichtung der Schlosskapelle

Der eigentliche Ursprung für den Namen der Mainau scheint im Dunkel der Geschichte verlorengegangen zu sein. Um 1250 wird sie noch als Maginowe bezeichnet. Dieser Name soll auf das kelto-ligurische Wort `mag´, der Sumpf oder Moder zurückzuführen sein. Ein Begriff der mit der prachtvollen Bepflanzung und der einzigartigen land- schaftlichen Lage kaum in Verbindung zu bringen ist. Eine plausiblere Erklärung bietet dazu der althochdeutsche Wortstamm `māgi´, der Weise, der Gelehrte, aber auch `māgin´, die Verwandte. Das ähnlich klingende Wort `ouwa´ bezeichnet eine Aue oder Insel. Also eine Bezeichnung die mehr als nur Moder erwarten lässt. Nachdem die Insel in Besitz des weltberühmten Klosters Reichenau war, wäre also die Bezeichnung Insel der Gelehrten wohl weitaus zutreffender. Dass die Insel schon viel früher ein besonderer Ort war, darauf deutet ihre heute noch erkennbare geometrische Form hin. Sie passt sich in eine leicht nach Südosten gedrehte Fibonaccispirale ein, wobei die Drehung der Spirale auf den  Sonnenaufgang während des römischen Festes der Lupercalien zeigt.

Mainau SpiraleGeometrie der Mainau

Die Lupercalien, die nach dem griechische Geschichtsschreiber und Philosoph Plutarch angeblich durch Romulus begründet wurden, waren ein Reinigungs- und Frucht-barkeits-fest. Es wurde am 15. Februar, also bei Annäherung des Frühlings, gefeiert. Als Tag der Sühnung hieß der Festtag dies februatus. Die altertümlichen, in Rom bis in die Spätantike gepflegten Gebräuche der Lupercalien deuten auf Sühnung und Befruchtung des Landes, der Stadt, ihrer Einwohner und ihrer Herden hin. Da außerdem zu diesem Zeitpunkt die Paarungszeit der Vögel beginnt, unterstreicht dies den Fruchtbar-keitscharakter des Festes, das in Griechenland auch im Zeichen der Blumen stand. Im 5. Jahrhundert verbot Papst Gelasius schließlich die heidnischen Bräuche der Lupercalien, welche immer noch im Volk lebendig waren und erklärte den 14. Februar zum Gedenktag des Heiligen Valentin von Terni. Im Gegensatz zur Romulussage gibt es aber Indizien dass der Lupercalien Kult seinen Ursprung in Arkadien hatte. Der Zusammenhang entsteht aus den Kulten des Zeus Lykaios und des Apollo Lykaeos, sowie des Pankultes. Doch alle drei Götter dürften griechische Überformungen eines viel weiter zurückreichen Kultes sein, wobei der Pan-Kult vielleicht dem ursprünglichen Kult noch am ähnlichsten sein dürfte. So stießen amerikanische Ausgrabungen am Lykaion, dem Wolfsberg in Arkadien, auf die Spuren eines Heiligtums, das in seinen Anfängen auf das 3. Jahrtausend v. Chr. datiert wurde. Dies stützt die These, dass die Lupercalien im Erbe eines vorgriechischen Kultes zu suchen sind, der seinerseits wieder mit Vermutungen überformt ist. So sah Porphyrius, ein Philosoph aus dem 3. Jhd.n.Chr. im Kult des Zeus Lykaios Parallelen zum karthag-ischen Baal Moloch. Die spätere Verehrung des Valentin ersetzte diesen alten Kult und rückte das ursprüngliche Motiv des Blumenschenkens unter Verliebten in den Vordergrund.

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Skulptur des Pan (Athen, 2.Jahrhundert v.Chr.)

Nachdem Großherzog Friedrich I. von Baden 1853 die Mainau kaufte, brachte er zahreiche Bäume von seinen Reisen auf die Insel und schuf damit die Grundlage für die heutige Parklandschaft. Später verwilderte sie wieder, doch als Graf Lennart Berndadotte 1932 auf die Mainau kam, fing er an die Mainau neu zu gestalten. Dies war der Beginn der heutigen Wald – und Blumeninsel. War die Insel tasächlich einmal Ort des Lupercalien Kultes und des Gottes Pan, dem Gott der Wälder und Wiesen, führt die heutige Gestaltung die ursprünglichen Gedanken weiter.

Bilder:Wikipedia,Mainau 1820,Johan Jakob Biedermann – Rosengarten-Museum Konstanz, Mark Hengerer und Elmar L. Kuhn: Adel im Wandel; / Inneres der Schlosskirche, Pakwesi /Skulptur des Pan (Athen, 2.Jahrhundert v.Chr.), Marsyas / Simulation Sunearthtools

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