Der grausame Watzmann und seine Kinder

Watzman KönigKönig Watzmann

Eine Sage berichtet vom König Watzmann und seiner Familie: In unserem schönen Bayern war der Himmel schon immer weiß und blau und die Menschen ihm näher als anderswo. Auch die höheren Mächte haben und hatten ein Auge auf dieses Land. So erzählten die Alten, einst habe im Berchtesgadener Land ein König geherrscht, grausam und boshaft. Sein Name war Watzmann und seine Frau und die sieben Kinder waren alle von gleicher Art. Es gab nichts Schöneres für diese Herrscherfamilie, Menschen und Tiere zu quälen und sich am Leid der anderen zu erfreuen. Gefürchtet waren ihre Jagdausflüge, denn weder das Wild, noch die Bauern, noch die eigenen Pferde wurden geschont. König Watzmann und seine Familie genossen es, wenn die Hunde ein Opfer zerfleischten. Als wieder einmal die Hörner im Schloss ertönten, wurde die Hunde freigelassen und König Watzmann, seine Frau und alle sieben Kinder hetzten hinaus zum Tor hinaus, blutgierig nach Opfern jagend. Zu dieser Zeit saß an einer kleinen Bauernkate eine alte Frau mit ihrem Enkelkind auf dem Schoß. Als Koenig Watzmann sie beim Vorbeireiten sah, lenkte er sein Pferd so, dass es beide zerstampfen musste. Der Bauer und seine Frau versuchten die sterbende Mutter ins Haus zu bringen, doch da hetzte der König die Hunde auf sie, bis sie sterbend alle am Boden lagen. Hei, was war das für eine Lust für die Königsfamilie. Lachend und scherzend freuten sich alle über die mit dem Tode ringenden Bauersleute.Doch nun hatten die himmlischen Mächte genug und erhörten den Fluch der sterbenden Alten. Fast schon im Jenseits angelangt verfluchte die alte Frau den lachenden König: `Ihr, Eure Frau und Eure gesamte Brut habt Herzen aus Stein. Möge der Himmel sich uns erbarmen, Euch aber allesamt zu Stein verwandeln!´Kaum war die letzten Worte gesprochen wurde ihr Blick starr, doch die Königsfamilie lachte wie von Sinnen. Doch dann erbebte auf einmal die Erde, ein Sturmwind tobte durch das Tal und aus der Erde kam schweflig gelbes Feuer. Als alles wieder still wurde, da waren zwei große und sieben kleinere Felsen entstanden. So wurde König Watzmann mit seiner Frau und Kindern zur ewigen Wacht über das Berchtesgadener Land verurteilt.

Watzmann von Bertesgaden ausWatzmann von Berchtesgaden, um 1900

Der deutscher Schriftsteller, Bibliothekar und Archivar Ludwig Bechstein veröffentliche diese Sage Mitte des 19. Jahrhunderts im Deutschen Sagenbuch. Das Motiv des rast- losen wilde Jägers gehörte für Bechstein zu einem weit verbreiteten Volksmythos der Wilden Jagd. Zu dieser Zeit gab es noch in vielen Gegenden Mitteleuropas die Vorstellung, dass in den Rauhnächten, also jenen Tagen zwischen Weihnachten und dem 5. Januar, ein Geisterheer über das Land zieht das Furcht und Schrecken verbreitet.

Rauhnacht 01Die Wilde Jagd

Da in der Regel Sagen als ein Ausdruck volkstümlicher Glaubensvorstellungen betrachtet werden, liegt der Schwerpunkt ihrer Bewertung meist in sozialgeschichtlichen Betrachtungen. Legt man jedoch den Ursprung der griechischen Mythen zu Grunde, die mit ihren zahlreichen verzweigten Familiengeschichten die Entstehung und den Lauf der Sterne verklären, führt dies zu einer Erklärung der Watzmann Sage.

Orion SternbildSternbild Orion

Am deutlichsten verkörpert sich das Motiv des Wilden Jägers in der Mythologie des Orion. Die Legende berichtet über ihn, dass er während der Jagd von seinen beiden Hunden Sirius und Procyon begleitet wird und er eines Tages alle wilden Tiere des Erdkreis töten wollte. Die Göttin Gaia brachte daraufhin einen Skorpion hervor, der den wilden Jäger mit einem Stich tötete. Diese Version der Erzählung spiegelt sich auch am Himmel wieder, denn während Orion untergeht, taucht das Sternbild Skorpion am Horizont auf. Doch Artemis hatte Mitleid mit Orion und suchte beim Heilgott Asklepios um Hilfe nach. Vergeblich versuchte der ihn zu retten und daraufhin versetzte ihn Zeus zusammen mit dem Skorpion als Sternbild an den Himmel. Auch in den frühen christlichen Schriften, wie in den Schriften des im 7. Jahrhundert lebenden Jesaja wird Orion mit einem Strafgericht in Verbindung gebracht. Im Kapitel 13 erzählt er von Gottes Gericht über Babel mit folgenden Worten. `Denn siehe, des Herrn kommt grausam, zornig, grimmig, das Land zu verstören und die Sünder daraus zu vertilgen. 10 Denn die Sterne am Himmel und sein Orion scheinen nicht hell; die Sonne geht finster auf, und der Mond scheint dunkel.´ Erst im Laufe des 15.Jahrhunderts werden die Sterne des Orion unter einem neuen Blickwinkel betrachtet. Mit der Erfindung des Jakobsstabes, eines Stabes zur Winkelmessung, der die Hochseeschifffahrt der Neuzeit erst ermöglichte, wird der Name auch auf die Gürtelsterne des Orion übertragen. Sie werden fortan als Jakobsstab oder auch die Himmelsleiter bezeichnet.

Watzmann PlanWatzmann und Orion

Ab dem 16.Jahrhundert ist Orion in perfekter Lage über dem Watzmann zusehen, wo seine Sterne kurz nach Sonnenuntergang das Herbstäquinoktium. ankündigen. War aber Orion an diesem Tag in voller Pracht zu sehen, war dies kein gutes Zeichen für den kommenden Winter. So schreibt der Bauernkalender an diesem Tag, dem Gedenktag des heiligen Mauritius: `Zeigt sich klar Mauritius, viele Stürm`er bringen muß, oder ist St. Moritz hell und klar, so stürmt der Winter, das ist wahr. Auch heißt es: `Gewitter um Mauritius, bringen Schaden und Verdruss´. Auf diese Weise spiegelt sich in der Sage nicht nur der Wilde Jagd, verbunden mit dm Motiv des Sturmes, sondern auch das Bild der Verwandlung, zur Erklärung für die Entstehung der damals als bedrohlich empfunden Bergwelt.

Watzmann C. FriedrichWatzmann, Caspar David Friedrich 1824/25

Bilder: Berchtesgaden, Ortsansicht um 1900, Simulation Stellarium

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