Die Schlacht am Himmel

Konstantin der GroßeKopf der Kolossalstatue Konstantins des Großen Kapitolinische Museen

Im Jahr 311 war Konstantin neben Galerius, Maxentius und Licinus einer der Kaiser der römischen Tetrachie. Doch Maxentius wehrte sich gegen die durch die Tetrachie eingeschränkten Erbansprüche. Nachdem Galerius 311 plötzlich verstarb und Konstantin durch die anderen Tetrachen anerkannt wurde, war eine Konfrontation unvermeidlich. Im Frühjahr 312 marschierte Konstantin von Trier aus nach Italien. Doch inzwischen war der in Rom residierende Maxentius auf den Angriff gut vorbereitet. In der Zwischenzeit hatte er mehrere Städte in Norditalien befestigen lassen und neue Truppen aufgestellt, so dass er über eine Heerestärke von 100.000 Mann verfügte. Da er wegen der Sicherung der Rheingrenzen nur ein Viertel seines Heeres entbehren konnte, war Konstantin schon zu Beginn des Feldzuges zahlenmäßig unterlegen.

Mit 40.000 Mann zog er schließlich gegen Rom. Mit seinem Heer errang er bereits in Oberitalien mehrere Siege und war somit für die entscheidende Schlacht bestens vorbereitet. Maxentius der bereits zwei Angriffe auf Rom überstanden hatte wollte Konstantin außerhalb der Mauern Roms stellen. In seinem Schlachtplan spielte dabei die Milvinische Brücke eine wichtige Rolle. Zum Schwein sollte den Truppen Konstantins der Durchbruch ermöglicht werden, um über die inzwischen durch eine Holzkonstruktion ersetzte Brücke auf die Stadt vorrücken zu können. Im entscheidenden Augenblick sollte diese dann in Brand gesteckt werden und Konstantins Truppen in der Falle sitzen.

Konstantin Vision

Konstantins Vision, Raffael Santi um 1520

Über den Vorabend der Schlacht berichtet der Bischof und Kirchenschriftsteller Eusebius von Caesarea Vita Constantini von einer Vision des Kaisers. Während ihm Christus erschien, soll Konstantin im Traum ein leuchtendes Kreuz am Himmel gesehen haben. Mit dem Spruch `In diesem Zeichen wirst du siegen´ befahl er es ihm gegen seine Feinde einzusetzen. Noch in der Nacht, so die Erzählung, sollen die Feldzeichen und Embleme auf den Schildern der Soldaten gegen das Christusmonogramm ausgetauscht worden sein. Dieses Zeichen wird als Mischung der beiden Buchstaben Chi und Rho gedeutet, den ersten beiden Buchstaben des Namens Christus. In der späteren Zeit änderte sich die Interpretation des Symbols und wurde nun als Kurzform des lateinischen Pax, der Frieden oder auch als Pax Christi gesehen.

ChristusmonogrammSteintafel mit Christusmonogramm Chi-Rho ☧, Calixtus-Katakombe, Rom

Doch die Brücke und der Tag der Schlacht am 28. Oktober 312 haben aber auch noch einen ganz anderen Zusammenhang. Es war ein himmlisches Bild das das den Untergang des alten römischen Reiches nicht deutlicher hätte zum Ausdruck bringen können. Kurz vor Sonnenaufgang stand der himmlische Riese Orion, in dem sich der Gott Serapis/Osiris verkörperte, von der Milivinischen Brücke aus betrachtet im Südwesten am Himmel. Vor ihm kippte der Stier hinter den Horizont. In diesem Moment , kurz vor Sonnenaufgang, sah alles sah danach aus als ob Orion ihm noch vor dem Erscheinen der Sonne letzten und entscheidenden Todesstoß versetzen würde. Dieser tödliche Stoß richtete sich aber nicht allein gegen den Stier, sondern zielte direkt auf das Herz des römischen Selbstverständnisses. Da der Stier das heilige Tier der Venus war, der Stammmutter der Römer, war mit dem Tod des Stieres auch ihr Ende besiegelt.

Milvinische Brücke 01iPieter Lastman, die Schlacht bei der Milvischen Brücke, 1613

Rom bestand bereits seit viereinhalb Jahrhunderten, als man dort den ersten offizielle Venustempel errichtete. Im Jahre 295 v. Chr. wurde er der Göttin Venus obsequens, der erhörenden Venus geweiht. Während der kritischen militärischen Lage im 2 Punischen Krieg ließ Fabius Maximus 217 v. Chr. einen weiteren der Venus geweihten Tempel errichten. Als ein überaus glühender Verehrer der Venus erwies sich Pompeius im 1. Jahrhundert v. Chr. Das durch ihn errichtete erste steinerne Theater Roms war mit einem Tempel der Venus Victrix, der siegreichen Venus, verbunden. Innerhalb der römischen Mythologie wurde Venus zur Mutter des aus Troya geflüchteten Aeneas schließlich zur Ahnherrin der Römer erhoben. Dieses Sicht nutzte Cäsar politisch aus und sah seine Familie als direkte Nachfahren aus der Verbindung der Venus mit einem Irdischen. Im 2. Jahrhundert wurde der Kultes unter Kaiser Hadrian noch einmal erneuert. Einer der unter ihm errichteten Tempel war der Venus Felix und Roma Aeterna geweiht. Er wurde in der Spätantike wieder hergestellt und zur prächtigsten Kirche im spätantiken Rom umgebaut. Die aufgeh- enden Sonne ließ den Stier, das Symbol der Venus dann endgültig verblassen und machte das neue Zeichen von Konstantins Armee zum Sieger.

Milvinische Brücke OrionLetztsicht des Orion vor der Schlacht

Doch dieses Zeichen ist doppeldeutig, denn es ist mit Christus ebenso verbunden wie mit dem himmlischen Riesen Orion. Werden seine hellsten Sterne verbunden, ergeben sie die Form dies Chi, während die Linie der drei Gürtelsterne die Basis des Rho ergibt. Mit ihm zielt Orion seiner Kopf des untergehenden Stieres. Rho steht im griechischen Alphabet an 17. Stelle, was eine weitere symbolische Deutung ermöglicht, denn die Zahl verbindet die 10, das Sinnbild des Alten Testamentes und die 7 des Neuen. Auch der Buchstabe selbst, von dem Sokrates sagte dass er die Bewegung verkörperte, unterstützt die himmlische Geste des Orion, den Stier über den Horizont hinabzustoßen. Alle Vermutungen ber den Ort der Schlacht zum Trotz lässt sich das Ereignis im Verlauf dr Brücke erkennen. Eine Senkrechte zur damaligen Visurrichtung des Sternes `Beteigeuze, die Schulter des Riesen´, bildet die Ausrichtung der Brücke. Viele Gemeinsamkeiten verbinden Serapis/Osiris und so dürfte auch Serapis, dessen Kult sich größter Beliebtheit erfreute, an diesem Tag der eigentliche Sieger gewesen sein und war gleichzeitig Geburtshelfer der neuen Religion.

Milivinische Brücke 2Milivinische Brücke Rom

Bilder:Bilder: Wikipedia, Kopf der Kolossalstatue Konstantins des Großen Kapitolinische Museen, Rom, Jean-Pol GRANDMONT / Konstantins Vision, Raffael Santi um 1520 / Steintafel mit Christusmonogramm Chi-Rho ☧, Calixtus-Katakombe, Rom,Dnalor 01 / Milvinische Brücke, Anthony Majanlahti , Pieter Lastman, die Schlacht bei der Milvischen Brücke, 1613 Rabax63, Konstatin, Jean-Pol GRANDMONT , Simulatation Stellarium

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