Der Venuscode des Untersberges

Karl DürerAlbrecht Dürer: Karl I., 1512, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg

Der Nimbus Karl des Großen strahlt bis heute, obwohl er mit vielen Opfern und Deportationen aus den eroberten Gebieten das Frankenreich geschaffen hat. Trotzdem wird alljährlich in Aachen der Karlspreis an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die europäische Ein- igung verdient gemacht hatten. In der Geschichte Europas überdauerte aber das rom- antisch verklärte Bild eines gerechten Herrschers, der ein Reich des Friedens geschaffen hatte. Im Laufe der Zeit vermischte sich dieses Bild jedoch mit den Vorstellungen eines Goldenen Zeitalters, das in antiken Erzählungen als friedliche Urphase der Menschheit vor der Entstehung der Zivilisation geschildert wird. In seinen Meta- morphosen schildert der römische Dichter Ovid Mitte des 1.Jds. v. Chr. dass seit der Entstehung des Mensch-engeschlechts 4 Zeitalter, vergangen sind. Das erste sah er als das Goldene Zeitalter unter der Regierung des Saturn und schreibt: `In dieser Epoche lebten die Menschen frei, ohne Gesetz und ohne Richter. Sie kannten nur ihre Ufer, keine Schiffe, keine Waffen, keine Krieger und Kriege; ihre Felder trugen Früchte, ohne geackert zu werden; es herrschte in diesem Zeitalter ein immerwährender Frühling´.

Goldenes Zeitalter CranachLucas Cranach der Ältere um 1530, Das Goldene Zeitalter

Zahlreiche im 16. Jahrhundert entstandene Sagen um Karl den Großen erfüllten diese Sehnsucht eines in der Zukunft wieder anbrechenden Goldenen Zeitalters. Schriftsteller nahmen es als willkommenes Motiv auf und auch Ludwig Uhland sah Karl den Großen als Held und Heiligen des deutschen Rechts, einen Urquell aller Gesetzgebung und Rechts-pflege. Berge in die einst den vorchristlichen Göttern vorbehalten waren dienten nun als Aufenthaltsort der legendären Gestalt. Als einer der berühmtesten gilt der Untersberg über den die Brüder Grimm berichten: `In dem Wunderberg sitzt außer andern fürstlichen und vornehmen Herren auch Kaiser Karl, mit goldener Krone auf dem Haupt und seinem Zepter in der Hand. Auf dem großen Walserfeld wurde er verzückt und hat noch seine Gestalt behalten, wie er sie auf der zeitlichen Welt gehabt. Sein Bart ist grau und lang gewachsen und bedeckt ihn das goldene Bruststück seiner Kleidung ganz und gar. An Fest- und Ehrentagen wird der Bart auf 2 Teile geteilt, einer liegt auf der rechten Seite, der andere auf der Linken, mit einem kostbaren Perlenband umwunden. Der Kaiser hat ein scharfes und tiefsinniges Angesicht, und er zeigt sich freundschaftlich und gemein-schaftlich gegen alle Untergebenen, die da mit ihm auf einer schönen Wiese hin- und hergehen. Warum er sich da aufhält und was sein Tun ist, weiss niemand und steht bei den Geheimnissen Gottes´.

Karl im BergKarl der Große im Untersberg

Karte Hochthronder Hochthron

Ein Ort der die Vorstellungen des saturnischen Zeitalters von einer kosmischen Harmonie der verkörpert ist der Salzburger Hochthron, denn seine Lage steht in einem ganz besonderen Verhältnis zum Äquator. Er liegt auf 47.71802° nördlicher Breite, was bei einem Cosinus von 0,6727 einer Länge des Breitenkreises von 26959 km entspricht. Wird der jedoch Äquator mit seiner Länge von 40075km mit dem Faktor 37/55 multipliziert erhält man das Ergebnis 26958.5. Beide Längen verhalten sich also wie 37 zu 55. Frühe Kulturen haben diesen Zahlenverhältnissen noch eine ganz besondere Bedeutung bei- gemessen die heute völlig verloren gegangen ist. Den Planetengöttern, den Herrschern über den Kosmos, waren Zahlen zugeordnet. So standen in der babylonischen Kos- mologie die 5 für die Venus, die 7 für den Mond, während die 1 für den Saturn, die 2 für den Jupiter, die 3 für den Mars und der Sonne die 4 zugeordnet waren. Die größte Zahl, die 8, war der Erde vorbehalten. So zeigt sich im Zahlenverhältnis des Hochthrones auch ein Idealbild der Vollständigkeit das den Vorstellungen des saturnischen Zeitalter entspricht. Während die 3 die in vielen Religionen die göttliche Trinität verkörpert stellt die 7 die Anzahl der in der Antike bekannten Planetengötter dar. Bei Pythagoras genoss die 37 eine große Wertschätzung, den sie verkörperte die Gesamtheit der Elemente des Tetraktysdreieckes mit dem er den Aufbau des Kosmos erklärte.

Tetraktys 3737 Elemente der Tetraktys:10 Punkte, 9 Flächen,18 Strecken

Die Zahl 55 ist zugleich die 8. Zahl der Fibonaccifolge und damit auch Symbol für die antike Planetenzahl der Erde. Doch die 55 ist gleich in zweifacher Hinsicht das Symbol einer Gesamtheit. Als Quersumme ergibt sie die 10 und damit das Sinnbild des vollendeten Ganzen. Mit den 10 Geboten wurde die 10 so zu einem Symbol der christ-lichen Religion. Zugleich steht die 55 als Summe für die ersten 10 Zahlen. Die hebräische Zahlenwertsprache hat der 55 eine besondere Bedeutung zugeordnet. Während die 5 die Zahl des Sohnes ist, stellt die 55 die Zahl der Braut dar und weist durch ihre Stellung im Primzahlkreuz auf ihre Beziehung zum Himmel. Die 5 verwiest aber auch auf die Sage vom Riesen Abfalter, der über mehre hundert Jahre auf dem Untersberg gehaust haben soll. Der Name des Riesen verweist auf den Apfelbaum als verbotenen Baum der Erkenntnis und damit auch auf die Frucht des Apfels. Bereits in der Frühgeschichte galt sie als Zeichen der Venus,  weil ihre Kerne in der Gestalt eines Pentagramms verteilt sind.

PostkarteDer Untersberg

Obwohl der Salzurger Hochthron nur der zweithöchste Gipfel des Untersberges ist, weist sein Zahlencode Code nicht nur auf die Venus, sondern auch auf die Sehnsüchte der Menschen nach der Wiederkehr eines Goldenen Zeitalters, das im Sagenkreis um Karl den Großen angesprochen wird.

Bilder: Albrecht Dürer: Karl I., 1512, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg/Das Wikipedia/Goldene Zeitalter. Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, um 1530, Alte Pinakothek, München / http://www.untersberg.org, Kaiser Karl im Berg /Tetraktys , http://www.decemsys.de /Sonnenblume mit 34 und 55 Fibonacci-Spiralen, Dr. Helmut Haß, Koblenz ,Esculapio

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