Der Bodensee und das Herz Europas

Herz EuropasDie beiden Autoren Max Rieple und Toni Schneiders schrieben ein Buch mit dem Titel `Bodensee – Herz Europas´. Die frühesten menschlichen Zeugnisse aus diesem Herz finden sich hier aus der Epoche der Jungsteinzeit, als Siedler an den Ufern des Sees die ersten Pfahlbauten errichteten. Trotz seiner kulturellen Bedeutung herrscht über den Ursprung des namens Bodensee bis heute Uneinigkeit. Die Lateinische Bezeichnung `lLacus Bodamicus´ scheint auf die Bedeutung der späteren Pfalz Bodmann zwischen Konstanz und Stockach hinzuweisen. Doch die Autorin Inge Resch-Rauter sieht im Namen ein ganz anderen Hintergrund. Auf die Magie der Landschaft weisen ihrer Über- zeugung zufolge zahlreiche Flurnamen wie Heilgenberg oder Betenbrunn hin.

Betenbrunn WinterBetenbrunn im Winter

Sie glaubt dass Bod-Magos als das Bethenfeld zu deuten ist. Als der Ort einer frühge-schichtlichen Urgöttin, die dann während des Christentums in den drei heiligen Maderln des Alpenraumes aufging, Dabei verweist das althochdeutsche Wort `bodam´, Boden, Grund, oder auch Schffskiel, auf etwas Dauerhaftes das dem Ort zu eigen ist.

Gustav SchwabGustav Schwab

Ein Gedicht von der großen Gestalt der Tübinger Romantik, Gustav Schwab, bietet einen Hinweis auf eine Eigenart der Landschaft die bereits die frühen Siedler in ihren Bann gezogen haben musste. Schwab schreibt im Gedicht `Die Maid von Bodman´: `Die grüne Maienau; Dort sitzt bei dem Gesellen eine reine, süße Frau; Es schwillet aus den Wellen. Ihr Herz, ihr Blüteneiland. Hat sie ihm zugesagt. Die tragische Liebesgeschichte endet mit dem Vers: `Wohin die Maid geflüchtet, Wo sie verweint die Zeit, Das hat kein Mund berichtet, Begraben ist ihr Leid; Doch in dem neuen Ordenshaus, Da tönte durch die Wellen, ein ernster Sang hinaus. ´

Eines der bestechenden Merkmale des Bodensees ist seine Ausdehnung vom Ort Bodman aus in der Richtung der Wintersonnenwende, die zu diesem Zeitpunkt über dem Plateau des Bödele hinter dem Horizont verschwindet. Über die Hochfläche des Bödele ist wenig bekannt , außer dass es vor der Umwandlung in ein Naherholungsgebiet dort eine Vorsäss gab. Auf diesen gerodeten Flächen gab es Hütten und Ställe für den Sommer- betrieb der Landwirtschaft, auf die dann ab Mai das Vieh hochgetrieben wurde. Ganz in der Nähe des Bödele spielt auch eine der bekanntesten Sagen Vorarlbergs und erzählt von den im 11. Jahrhundert hier lebenden drei Geschwistern, Merbod, Diedo und Ilga, zwei Brüder und eine junge Frau. Die Geschwister hatten ihr Leben dem Gebet gewidmet. Als sich Ilga sich ein letztes Mal von ihren Brüdern verabschiedete verfielen alle in große Trauer. Dort, wo Ilga am nordöstlichen Abhang des Bödele ihre Einsiedelei hatte, entstanden aus ihren Tränen der Trauer eine Quelle zu der später vor allem Augenkranke pilgerten.

IlgakapelleIlgakapelle Schwarzenberg

Einen weiteren Hinweis auf die Bedeutung des Ortes liefert der von Erzherzog Ferdinand Karl am 23. September 1655 ausgestellte Wappenbrief an das Gericht Dornbirn. Aus ihm entwickelte sich das heutige Wappen mit einen grünen Birnbaum mit 5 goldenen Birnen auf Rot-Weiß-Rotem Schild. Während der Jungsteinzeit kam diese Frucht aus dem persischen Raum nach Mitteleuropa. Erst von den Römern wurde die Birne veredelt, wodurch sie an Größe und Geschmack gewann. Die Birne ist wie der Apfel ein altes Fruchtbarkeitssymbol, verweist jedoch mehr die Fruchtbarkeit beim Sterben und nach dem Tode. Als Zeichen ist sie Matronensteinen viel häufiger zu finden als der Apfel. Auf Matrionen geweihten Altären wurden Birnen in Schalen, mit Füllhörnern und anderen Früchten arrangiert. Die Frucht symbolisierte Fülle, Reichtum und Wohlstand im praktischen Leben und in spiritueller Hinsicht. Auch die christliche Ikonographie griff die Jahrtausende alte Frucht auf.

Maria DürerMaria mit der Birnenschnitte, Albrecht Dürer 1512

So galt im Mittelalter der Birnbaum wegen seiner `makellosen´ weißen Blüten als ein Symbol der Jungfrau Maria, der ohne Erbsünde geborenen Makellosen. Auf zahllosen Marienbildern ist deshalb die Birne als heimlicher Hinweis auf diese Eigenschaften zu sehen. Ebenso ist die Birne auf Bildern oder Statuen der Anna Selbdritt, der Mutter Marias, zu finden. Dort nimmt das Jesuskind eine goldene Birne entweder aus der Hand seiner Mutter Maria oder seiner Großmutter Anna.

Bodensee JungfrauBodensee und die Jungfrau, um 250 v. Chr.

Die Symbolik der Birne von Dornbirn verweist auf eine geometrische Eigenschaft des Bodensees die sich am Himmel widerspiegelt. Er ist nicht allein die Ausdehnung in Richtung Wintersonnenwende, sondern ebenso die Ähnlichkeit mit dem Sternbild der Jungfrau. Noch um 250 v. Chr. war der Aufstieg des Sternbildes im Osten so zusehen, dass der Umriss mit dem des Bodensee in Einklang zu bringen war. Damit schließt sich auch der Kreis zur Behauptung der beiden Autoren. Europas Flagge beruht ebenfalls auf diesem Motiv. So stammen die 12 Sterne als Sternenkranz ebenso aus der Ikonographie Marias wie die Farbe Blau, die ab dem Mittelalter zur Farbe ihres Schutzmantels wurde  und gleichzeitig das Zeichen der Himmelskönigin. Liegt aber die Jungfrau so über dem Bodensee, markiert auch ihr hellster Stern Spica einen ganz besonderen Ort in der Schweiz.

EuropaBilder: Wikipedia/Betenbrunn im Winter, Claus Ableiter / Ilgakapelle Schwarzenberg, Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexiko/Maria mit der Birnenschnitte, Albrecht Dürer 1512- 5gEfjMKgnLVCgg at Google Cultural Institute / Simulation Stellarium

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