Mythos Apfel

Bodensee JungfrauDer See und die Jungfrau haben mehr Gemeinsamkeiten als die sie verbindende Eigenschaft der Fruchtbarkeit. Dass sie zum Sinnbild der Fruchtbarkeit wurde, hatte das Sternbild Jungfrau den Sumerern zu verdanken. Dort kündigte ihr Aufstieg im Herbst, kurz vor Sonnenaufgang, die fruchtbringende Regenperiode an. Auch bei den Römer lebte diese Symbolik weiter und sie gaben ihrem hellsten Stern Spica den Namen die Kornähre. Das Sternbild verkörperte nun die Göttin Demeter und ihr waren nicht nur das Korn, sondern auch der Mohn und der Apfel geweiht. Liegt das Sternbild über dem See, befindet sich ihr hellster Stern ausgerechnet über einem Gebiet das sich auf eine der Früchte Demeters bezieht: den Apfel. Doch über das Gemeindegebiet von Affeltrangen gibt es geschichtlich wenig zu berichten, nur dass es ein gewisser Immo im Jahr 779 die Ländereien dem Kloster St. Gallen vermachte.

Wappen AffeltrangenWappen Affeltrangen

Dieser Apfel ist aber nicht nur ein Markenzeichen eines der größten Apfelanbaugebiete Europas, sondern auch das Zeichen der Schweizer Gründungslegende. Sie beginnt mit dem bekannten Apfelschuss des Freiheitskämpfers Wihelm Tell. Doch die Erzählung ist nicht so innovativ wie dies meist dargestellt wird, denn der Handlungsablauf des Apfelschusses ist auch mehreren anderen europäischen Sagen zu finden. Auch hier hat der Held einen Apfel vom Kopf seines Kindes zu schießen und hält einen weiteren Pfeil bereit. Mit dem will er im Falle eines Fehlschusses denjenigen töten, der ihm den Befehl dazu gegeben hat. Im Saxo Grammaticus, die vom dänischen Helden Toko handelt, findet sich die älteste Version diese Handlung, die in der Schweiz im Jahr 1291 stattgefunden haben soll.

Wilhelm Tell

Tell mit Sohn und Bogen (statt Armbrust), Statue in Mülhausen

Dieser Auftakt des Schweizer Freiheitsdranges erfolgte wohl nicht von ungefähr in einem Schicksalsjahr europäischer Geschichte, das die Hilflosigkeit von Papst und Königtum offenbarte. Mit dem Fall der Festung Akkon und der Aufgabe Jerusalems war die große Idee der Kreuzzüge und eines Königtums Jerusalem, die Europa über 2 Jahrhunderte hinweg inspirierte, erst einmal verfolgen. Doch mit seiner Apfellegende steht die Schweiz partout nicht allein in er Geschichte, denn auch das römische Weltreich ist einem Apfel zu verdanken. Die griechische Mythologie erzählt von 3 Frauen die sich um den goldenen Apfel stritten: Aphrodite, die Göttin der Liebe, Athene, die Göttin der Weisheit und Hera, Göttin der Ehe und Ehefrau des obersten Gottes Zeus. Doch den heiklen Streit wer die schönste unter den dreien sei wollte partout kein Gott entscheiden und so fragten die drei einen Menschen. Paris, der Sohn des trojanischen Königs Priamos sollte das Urteil sprechen. Alle drei Göttinnen versprachen ihm wunderbare Dinge damit er sie als die Schönste auswähle. Da Aphrodite ihm Helena versprach, die schönste Frau auf der Welt, wählte Paris die Göttin der Liebe und sinnlichen Begierde. Doch mit dem Raub Helenas wurde der Trojanische Krieg ausgelöst den nur wenige überlebten. Aeneas war einer von ihnen und er flüchte nach Italien, wo dessen Nachfahren das römische Reich gründeten. Aber auch Sehnsuchtsorten wie Avalon, wo sich König Arthur nach seiner Verwundung zurückzog, gab der mythische Apfel seinen Namen.

AvalonJames Archer, König Arthurs Tod, im Hintergrund die Barke zur Überfahrt nach Avalon

Kultiviert wurde er vor rund 10000 Jahren in Asien, wo noch heute die Stadt Almaty, die `Stadt des Apfels´ genannt. War er in der Antike noch ein Sonnensymbol und Sinnbild ewiger Jugend, wurde er in der Bibel durch Evas Griff zum Apfel in das Sinnbild des menschlichen Sündenfalls verwandelt. Verdeutlicht wird dies durch den lateinischen Ausdruck, der seine medizinische Wirkung und ursprüngliche Symbolik geradezu ins Gegenteil verkehrt. Malus, schlecht, schlimm oder böse heißt das Wort, das fortan für die Gattung der Äpfel stand. Zusammen mit der Schlange, am Boden liegend vor Maria, wird er zu einem Zeichen der überwundenen Erbsünde. Trotzdem sollte dies Könige und Kaiser nicht davon abhalten den Apfel als ihr Herrschaftssymbol zu nutzen, so wie es bereits im antiken Persien der Fall war.

VenuspentagrammVenuspentagramm

Der Apfel führt wieder zum Bild Himmelsgöttin. Wird die Frucht aufgeschnitten bilden seine Kerne, zumindest beim Granatapfel, die Figur eines Pentagramms. In der Natur ist diese Figur, auch Venuspentagramm genannt, in zahlreichen Gewächsen wieder zu finden. Was in der Biologie noch als einheitliches Gesetz des Wachstums gelten kann, lässt sich aber auch am Himmel erblicken. Dort nimmt der Planet Venus, auch eine Verkörperung der Himmelskönigin und Stammmutter der Römer innerhalb von 8 Jahren 5 erdnächste Punkte ein. Sie alle liegen auf den Spitzen eines Pentagramms liegen. Gleich 12 mal ist in dieser Figur der Goldene Schnitt enthalten und damit verkörpert das Pentagramm wie keine andere Figur das Gesetz der Schönheit.

Pentagramm

Durch die biblische Sicht haftet ihm aber seit dem Mittelalter der Ruch des Bösen an, denn in dieser Zeit wurde es zum Sinnbild von Hexerei und Zauberei, Auch dies geschah wohl nicht ganz zufällig, denn nur so konnten die immer noch verehrten Bilder der antiken der himmlischen Jungfrau durch die Marienverehrung ersetzt werden. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, erinnert die Apfelregion Bodensee nicht nur an die alten Apfellegenden, sondern auch an die vielfältigen Bilder der himmlischen Jungfrau.

Bilder: Wikipedia/ Tell mit Sohn und Bogen (statt Armbrust), Statue in Mülhausen , hebdromadaires/König Arthurs Tod, im Hintergrund die Barke zur Überfahrt nach Avalon, James Archer (artist) (1823 – 1904)

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