Michaelsberg, der Teufelsberg

Michaelsberg CleebronnMichaelsberg von Osten

Wie bei zahlreichen anderen christlichen Kultorten soll auch am Michaelsberg der Teufel zugegen gewesen sein. Eine Sage, die Eduard Mörike aufzeichnete, berichtet von einem Ereignis, das sich während der Mission des heiligen Bonifatius im Jahr 754 dort zugetragen haben soll. Kurz vor dem Erscheinen des Missionars soll der Teufel Besitz von dem Berg genommen haben. Dies führte zu einem heftigen Wortgefecht mit Bonifatius , worauf der Teufel den Boden wie Schwefel brennen lies und den Berg in eine Dampfwolke einhüllte. Bonifatius, in einer ausweglosen Situation, bat nun um göttlichen Beistand.Der ließ nicht lange auf sich warten, denn kurz darauf erschien der Erzengel Michael und würgte den Teufel blau und grün. Schließlich warf er ihn kopfüber in den Höllenspalt. Daraufhin wollte sich Bonifatius bei dem Engel bedanken, doch der soll eiligst wieder in den Himmel entschwebt sein. Vergeblich versuchte der Missionar ihn festzuhalten und hielt am Ende eine Feder aus Michaels Flügeln in seiner Hand. Anschließend baute Bonifatius über den Mauern eines Lunatempels eine Kapelle, die er als würdigen Aufbewahrungsort für die Feder vorsah.

BonifatiusDer heilige Bonifatius, Gemälde (1832) von Alfred Rethel

Wird das Bergplateau ausgemittelt zeigt sich seine Ausrichtung exakt auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende, zu dem Zeitpunkt wenn die Scheibe komplett über dem Horizont zu sehen ist. Dies ergibt eine Linie mit einem Azimuth von 54° oder einem Winkel der 36° von der Tag- und Nachtgleiche abweicht. Dies muss mit Bedacht gewählt worden sein, denn so markierte der in die Ebene hineinragende Bergsporn wie ein Zeitzeiger ja zugleich 1/10 des Erdkreises. Erste bis heute gefunden Spuren lassen auf eine frühkelötische Besiedlung des Berges schließen. Dieses Datierung könnte sich insofern stimmig erweisen, da zu diesem Zeitpunkt der Stern Altair in der gleichen Achse den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende ankündigte. Doch eine Besonderheit des Ortes, die auch an weiteren frühgeschichtlichen Stätten ab dem 4. Jahrtausend v. Chr. Festzustellen ist trifft auch den Michaelsberg zu: das besondere Verhältnis seiner Lage zum Äquator.

Michelsberg Cleebronn PlanAufgang Sonne und Stern Aufgang Capella zur Sommersonnenwende um 3200 v. Chr.

Nimmt man seine heutige Koordinate von 49.038889° N als Ausgangspunkt der Betrach- tung, liegt der Michaelsberg auf einem Breitenkreis mit einer Länge von 26271 Km. Wird jedoch die Äquatorlänge von 40075km mit dem Bruch 59/90 multipliziert, erhält man ebenfalls diese Länge. Nach heutigen Maßstäben ist die Zahl 59 ohne Aussagekraft, doch erst eine Entstehung der Bergform im 4. Jahrtausend v. Chr. lässt ihr eine Bedeutung zukommen. Im ersten Zählsystem, dem Hexagesimalsystem, aus dem auch die Grad- einteilung des Erdkreises entstand,  gab es die Ziffern 1-59. Somit steht die 59 auch für die Gesamtheit der zur Verfügung stehenden Zahlen. Weitaus interessanter ist jedoch die Verbindung der 59 zum Mond. Dessen Umlauf um die Erde dauert 29.5 Tage ehe er wieder die gleiche Stellung zur Sonne einnimmt. Somit entspricht ein Mondzyklus 59 Tagen. Die Abstimmung von Mondjahren mit 13 Monaten und Sonnenjahren mit 12 Monaten war seit Anbeginn der Kalenderberechnung ein rechnerisches Kunststück für das die exakte Beobachtung des Sonnenaufganges war. Ebenso wurde der Aufgang eines Leitsternes und Zeitgebers in diese Sicht mit einbezogen.

MondDer Mond

Wie im 4. Jahrhundert bot der Michaelsberg auch im 4. Jahrtausend v. Chr. Dafür optimale Voraussetzungen, denn in dieser Zeit stieg der Stern Capella kurz vor Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende in der Bergachse auf. Capella, der auch die kleine Ziege genannt wird, ist der hellste Stern des Sternbildes Fuhrmann und zugleich der sechsthellste Stern am Nordhimmel. Der Fuhrmann, der einer griechischen Legende zufolge den Wagen erfunden hatte, wurde zum Dank dafür von Zeus an den Himmel versetzt, wo er als Sternbild auch Bestandteil des Wintersechseckes ist. Untersuchungen von Stein-setzungen und Grabanlagen und Steinsetzungen aus dieser Zeit ergaben, dass der Stern Capella der am häufigsten angepeilten Stern war.

Der Bedeutung dieses frühgeschichtlichen Kultortes war sicher ein Tempel der altital- ischen Mondgöttin Luna angemessen. Trotzdem war sie eine Besonderheit, denn in den männlich dominierten Gestirnkulten des Orients war der Mond in der Zeit der Römer männlich besetzt. Doch in ihrer verwandtschaftlichen Anbindung scheint aber auch die Bedeutung Sonne durch, denn innerhalb der griechischen Mythologie war ihr Pendant die Göttin Selene. Deren Geschwister waren Helios und Eos. So erscheint Selene auch in griechischen Darstellungen mit einem Mondhorn und einer Fackel. Gerade dieser Aspekt verbindet Luna/Selene auch wieder mit dem streitbaren Erzengel. In der Offenbarung des Johannes bezwingt er ja den Teufel, während ihm die Jungfrau mit dem Kind vom Mond aus zusieht.

Michelsberg Cleebronn PlateauPlateau Michaelsberg

Der Michaelsberg liegt auf einem umlaufenden Plateau, getrennt von der umgebende Ebene. Diese landschaftliche Besondrheit und auch seine besondere Lage macht es wahrscheinlich, dass sich auch hier wie beim Hohenstaufen einst eine größere Siedlung befand.

Bilder: Wikipedia,Ansicht von Osten ,K. Jähne/ Der heilige Bonifatius, Gemälde (1832) von Alfred Rethel / Der Mond von der Erde aus gesehen, I, Luc Viatour / Simulation, sunearttools , stellarium

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