Die Sonnenachse von Paris

Genoveva von ParisGenoveva, Schutzpatronin von Paris, Charles Le Brun, 1635

Der Verdacht liegt nahe, dass sich Geschichte zumindest in bestimmten Mustern wied- erholen könnte. Genau dies versuchte der russische Mathematiker Anatoli Fomenko zu beweisen. Mit Hilfe einer statistischen Auswertung von historischem Quellenmaterial aus der Antike und dem Mittelalter versuchte er nachzuweisen, dass die gleichen zeitlichen Abläufe jeweils in verschiedenen Epochen auftauchen. Dies hielt er für einen Beweis für die Erfindung von Geschichte. Aus diesem Grund glaubte er auch, dass der Almagest des Ptolemäus erst um das Jahr 1000 entstand und deshalb das Leben von Jesus nur 1000 Jahre zurückliegen konnte. Ganz ähnlich, aber durchaus real scheint sich das Datum des 8. Mai in der Geschichte Frankreichs zu wiederholen, denn gleich zweimal war es ein Wendepunkt in seiner bewegten Geschichte.

jeanne d`Arc Jeanne d’Arc bei der Krönung KarlsVII., Dominique Ingres,1854

Während des Hundertjährigen Krieges bereitete die Belagerung von Orléans durch die Engländer das Ende eines zermürbenden Krieges und führte schließlich zur Konsolid-ierung des französischen Staates. Diese Belagerung begann am 7. Oktober 1428 und endete am 8. Mai 1429. Wesentlichen Anteil hatte die bis dahin völlig unbekannte Jeanne D`Arc oder im deutschen Sprachraum auch Johanna von Orléans genannt. Durch ihren Einfluss gewannen die Ritter neuen Mut und es gelang ihnen die englischen Truppen aus der entscheidenden Festung zu verdrängen. Zu dieser Zeit blickte die Stadt bereits auf eine über 1000-jährige Geschichte zurück. Gegründet durch den römischen Kaiser Aurelian, wurde die Stadt im 4. Jahrhundert durch den Bau einer massiven Stadtmauer gesichert. Der damaligen Ortsnamen Aurelianum führte auch später zum heutigen Name Orléans. Die Entscheidung die Stadt mit einer besseren Mauer zum umgeben erwies sich als großer Glücksfall, denn dadurch konnte der Vorstoß eines Hunnischen Heeres im Jahr 451 erfolgreich abgewehrt werden. Dass der 8. Mai heute in Frankreich ein Feiertag ist, ist aber nicht dem Erfolg der Jeanne D`Arc zu verdanken, sondern dem Ende des 2. Weltkrieges der erstaunichrweise am selben Datum endete.

Auch hier war der 8. Mai das Ende von einem verlustreichen Kampf zweier Nationen der fast ebenso lange angedauert hatte. Was im ersten Waffengang 1871 fürFrankreich zu einer empfindlichen Niederlage führte, führte Dank seiner Tributzahlungen in Deutschland zu einem unvergleichlichen Bauboom und schließlich zur lange geplanten Reichs-gründung.

Herakles 01Der Herakles Farnese

1871 war Paris, wie in den beiden darauffolgende Kriegen, das eigentliche Ziel. Getreu der gallisch-keltischen Tradition beruft sich auch Paris auf eine Legende. Noch in der römischen Epoche erscheint der Name Parisii der das ursprüngliche Lutetia ersetzten sollte. Wie zahlreiche Städte im Mittelmeerraum beruht Parisii auf einer Gründungsleg- ende die die Stadt mit antiken Mythologien verbindet. Kein geringerer als der Stammvater der Kelten, Herakles, soll die Gründung von Paris veranlasst haben. Dank seinen 12 Auftragsarbeiten wurde der antike Halbgott ja zu einem weitgereisten Helden und während seiner 11 Arbeit, dem Diebstahl der goldenen Äpfel der Hesperiden, soll er das Volk der das Parrhasier aus den arkadischen Bergen um sich geschart haben. Anschließend siedelte er er es am Fuß des Montmartre an und gab ihnen den Namen Pariser. Noch im Jahr 1549 wurde dieser Legende gedacht, als König Heinrich II. bei seinem Einzug in Paris von einem gallischen Herkules begrüßt wurde. Der mythische Held Herakles lenkt den Blick zu einem weiteren himmlischen Streiter der mitgeholfen hatte, jenes Wunder am 8.Mai in Orléans zu vollbringen. Jeanne d`Arc sah in ihren Visionen den heiligen Michael und aus diesen Traumbegegnungen leitete sie dann ihre göttliche Sendung zur Befreiung Frankreichs ab. Aber auch in der Legende des heiligen Michael taucht jener 8. Mai wieder auf, denn an diesem Tag wurde einst sein Heiligtum auf dem Monte Gargano geweiht. Wie kein anderer verbindet er die beiden einstigen Feinde Deutschland und Frankreich. War er zu Beginn der Schutzpatronin der Frankenkönige, wurde er später zum Schutzpatron des Heiligen Römischen Reich und sorgte in dieser Rolle später für den Spottnamen `Deutscher Michel´.

Diesem einstigen Triumph und auch der himmlischen Verbindung angemessen musste dem 8.Mai 1429 auch ein baulicher Rahmen geschaffen werden. Die Zahl der Toten für den Preis der Unabhängigkeit war exorbitant hoch und auch deshalb war es ihnen zu vergönnen in den elysischen Felder fortzuleben. In der griechischen Mythologie, die ja bereits zur Stadtgründung herangezogen wurde, war dies die Insel der Seligen im äußersten Westen des Erdkreises, umflossen vom Okeanus. Hier lebten die einstigen Helden, entrückt von der irdischen Welt und geliebt von den Göttern.

Champs Elysee PlanDie Sonnenrichtung der ChampsÉlysées

Champs-Élysées AchseDie Achse mit Obelisk, dem Sonnenzeichen im Vordergund

Die einzige Straße die noch auf diesen alten Ort hinweist ist die Avenue des ChampsÉlysées in Paris. Völlig zu Recht bildet sie Champs-Élysées den mittleren Teil der Axe historique, denn ohne diesen 8. Mai hätte es Frankreich ja nie gegeben. Sukzessiv wurde die Achse unter Ludwig XIV. und auf eine Initiative des Ministers Colbert hin erbaut. Heute verläuft sie über den Place d`Ètolie mit seinem Triumphbogen bis zum Viertel La Défense.  Sieht man nun an Abend des denkwürdigen 8. Mai in Richtung Triumphbogen, geht die Sonne auf der Achse der Champs-Élysée unter. Dass in der entgegengesetzten Richtung die Sonne an Maria Lichtmess aufgeht lässt wieder an Fomenko und seine Vermutung denken, dass Geschichte tatsächlich einem geheimen Plan folgt.

Bilder:Wikipedia/heiligenlexikon, Charles Le Brun: Saint Geneviève, um 1635, Musée des Beaux-Arts in Rouen/Jeanne d’Arc bei der Krönung KarlsVII. (Historiengemälde von Dominique Ingres, 1854), cartelfr.louvre.fr /Der Herakles Farnese,Marie-Lan Nguyen /Avenue des Champs-Élysées mit Obelisk im Vordergrund,Andrzej Barabasz/ Simulation: Sunearthtools

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