Die Frauen von Versailles

 Schloss 1668Das Schloss um 1668

Der Ursprung des Namens des Ortsnamens der berühmten Stadt ist bis heute nicht schlüssig geklärt. Gelegentlich wird zwar die Vermutung geäußert, dass ihr Name im 11. Jahrhundert aus dem lateinischen Wort `versare´, drehen oder umdrehen, entstanden sein könnte, aber dafür gibt es keine Belege. Absichtlich oder unabsichtlich deckt sich jedoch die Bedeutung des Wortes mit der Rolle Frankreichs innerhalb der Weltpolitik, als das Schloss Versailles zum Machtzentrum des Landes wurde. Drehte sich die Welt für einige Zeit um Frankreich und so wurde die Politik auch in dieser Zeit von Männern bestimmt. Doch in Versailles weisen die Spuren auf zwei bedeutende Frauen, die wes- entlichen Anteil am Entstehen des Landes hatten. Wie beide zusammen-wirkten und sie gleichzeitig zwei entfernt liegende Städte miteinander verbanden, lässt sich am Beispiel des Schlosses von Versailles studieren.

Hl Genoveva St. EtienneStatue der hl. Genoveva in der Pfarrkirche Saint-Étienne-du-Mont

Die erste von denen hier die Rede ist, ist die heilige Genoveva, der auch die Ruhmeshalle Frankreichs, das Panthéon in Paris geweiht ist. Schon die Abstammung und die Geburt der Genoveva von Paris boten die besten Voraussetzungen für ihre wundersamen Leist-ungen. Ihre Eltern vereinten die griechischen Wurzeln, aus denen auch die Gründ-ungslegende von Paris zehrt. Ebenso natürlich die römische Kultur, die die einst rebellischen Gallier doch entscheidend prägte. Die Legende der Genoveva berichtet, dass bereits die Engel über der Wiege des Kindes gesungen hatten und ihr eine große Zukunft prophezeiten. Früh zeigten sich wohl deshalb auch die außerordentlichen Fähigkeiten der jungen Frau, mit denen sie auch Kranke heilte. Doch ihre spirituelle Kraft entfaltete sich erstmals beim Angriff eines Hunnenheeres auf die Stadt Paris im Jahr 451. Genoveva versammelte Frauen um sich zum Gebet und richtete sich in einer leidenschaftlichen predigt an die mutlos gewordenen Männer. So geschah das Wunder, denn die Hunnen wandten sich von der Stadt ab und zogen in Richtung Orleans. Nicht weit davon entfernt endete der Feldzug der Hunnen mit einer Niederlage auf den Katalaunischen Feldern. Ein römisch-westgotisches Heer kämpfte vereint gegen das Heer und besiegte es unter hohen Verlusten. Deshalb waren die Hunnen zum Rückzug gezwungen und verließen Gallien. So kann die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern wohl als die erste Schlacht zur Verteidigung Europas bezeichnet werden, der in den folgenden Jahrhunderten noch zahlreiche weitere folgen sollten. Zuerst in Spanien während er Reconquista und dann auf dem Balkan, beim Kampf gegen das osmanische Reich.

Schlacht Katalaunische FelderMittelalterliche Darstellung der Schlacht ,entstanden um 1330

Dass Genoveva die Schutzpatronin von Paris wurde, hatte sie ihrer Hilfe bei einem weiteren Angriff zu verdanken. Jahre später belagerten die letzten römische Truppen die Stadt Paris und Genoveva gelang es die Bevölkerung vor dem Hungertod zu retten, in dem sie mit Schiffen aus der Stadt entkam. Reich beladen mit Vorräten kehrte sie schließlich aus Troyes zurück. Der mit zahlreichen Erzählungen ausgeschmückten Legende zufolge gelang es ihr auf der Rückfahrt von Troyes gleich zwei Drachen die an einer Seine-Biegung den Schiffen den Untergang androhten, mit Hilfe ihrer Gebete zu vertreiben.

Troyes ZenrtumAltstadt von Troyes

Ein drittes Mal spielte Troyes während des 100 jährigen Krieges eine gewichtige Rolle bei der Geburt des zukünftigen Frankreich. Mit dem Vertrag von Troyes sollte ein Frieden geschlossen und die Thronfolge nach Karls Tod geregelt werden. Heinrich V sollte die Krone erben und die beiden Reiche England und Frankreich in Personalunion vereinen. Doch das plötzliche Auftreten Jeanne d`Arcs machte der ausgeklügelten Politik Englands ein gewaltigen Strich durch die Rechnung.

Versailles PlanDie Verbindung Versailles- Troyes

Doch die Ausrichtung des Palastes von Versailles wird nicht nur durch den Sonnen-aufgang am 29. Oktober, an dem Genovevas Gebeine in einer feierlichen Prozession in das Pantheon übertragen wurden bestimmt, sondern gleichzeitig auch vom Tag Mariä Himmelfahrt. Wie ausgeklügelt die Einmessung des Schlosses vonstatten ging, zeigt die Sonnenlinie beider Tage, die den Palast mit der Stadtmitte der für Frankreich doch so entscheidenden Stadt Troyes verbindet. Die Marienverehrung in Frankreich war aber nicht nur mitverantwortlich für den neuen Baustil der Gotik, sondern auch für einen wichtigen Ablass, den der Papst den französischen Königen gewährte. Ablasshandel, das zeigt auch unsere jüngste Geschichte, wurde bereits im 16. Jahrhundert zu einem blühenden Geschäft für Rom. Doch ohne ihn wären so berühmte Bauwerke wie der Petersdom aber wohl kaum entstanden. Gerade dieser Handel wirket sich trotze aller Bestrebungen ihn abzuschaffen noch lange nach, denn am 31. Mai 1937 gewährte Papst Pius XL Frankreich einen sogenannten Jubliäumserlass. Der Anlass zu diesem Gnaden-erweis war die Dreihundertjahrfeier der Weihe Frankreichs an die Jungfrau Maria durch König Ludwig XIII. im Jahre 1638. So war der Gründer von Versailles, Ludwig XIII. , wie alle Bourbonen ein glühender Marienverehrer, der es liebte, in den Heiligtümern der Muttergottes zu beten. So erließ er am 10. Februar 1638 in seinem Schloß von Saint-Germain-en-Laye ein feierliches Schreiben, worin er Maria zur besonderen Schutzherrin seines Reiches erwählte und ihr seine Person, seine Krone und seine Untertanen weihte.

Für die Gewährung jenes päpstlichen Ablasses im Jahr 1638 erklärte der König, dass er zum ewigen Andenken an diese Weihe den Hochaltar der Kathedrale von Paris neu errichten werde und diesen mit einem Bild der Schmerzhaften Mutter und ihres vom Kreuz herabgenommenen Sohnes ausstatten werde. Darauf sollet auch der König selbst dargestellt werden, so wie er den heiligen Personen seine Krone und sein Szepter anbietet. In seinen weiteren Ausführungen  trägt er dem Erzbischof von Paris auf, dass er jedes Jahr am Feste Maria Himmelfahrt, in seiner Kathedralkirche beim Hochamt, die gegenwärtige Erklärung in Erinnerung bringen solle. Damit sind werden auch die Beweggründe offensichtlich, die zur Ausrichtung dieses monumentalen Schlosses geführt hatten.

Bilder:Wikipedia/Blick über Schloss Versailles hinweg auf die Stadt,ToucanWings/ Das Schloss um 1668, Pierre Patel /Statue der hl. Genoveva in der Pfarrkirche Saint-Étienne-du-Mont , Jastrow / Mittelalterliche Darstellung der Schlacht, um 1330 / Altstadt von Troyes, KBWEi / Simmulation Sunaerthtools

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