Mainz, Mogon und das Rad

 Büste Drusus

Drusus, Stadgründer von Mainz

Mainz bietet ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Inhalte der alten Mytholgien wandeln und durch neue Kulte ersetzt werden. Mit dazu trug sicher auch Umstand bei, dass die keltische Kultur scheinbar keine Schriftlichen Zeugnisse hinterließ. Auch deshalb können wie im Fall Mainz, die römischen Funde als Ausgangspunkt einer Interpretation gewählt werden. Auch hier bietet die Ausrichtung der Bauwerke  einen Schlüssel zur Deutung der einstigen Geisteswelt, in der sich die Menschen von Planetengöttern beherrscht sahen. Sicher war dies mit ein Grund  auch beim Bauen höchste Sorgfalt darauf zu verwenden, sich das Wohlgefallen der Himmelsgötter zu erhalten.

Drusustein mainz

`Drususstein´, Kenotaph des Drusus in Mainz aus dem frühen 1. Jahrhundert.

Seinen Ursprung hatte Mogontiacum in dem um das Jahr 13 n. Chr. in dem von Drusus erbautem Legionslager. Dieses Lager bildete die Keimzelle der heutigen Stadt Mainz und lag strategisch günstig auf einer Anhöhe über dem Rhein und gegenüber der Mainmündung an der römischen Rheintalstraße. In der Literatur wird ein keltischer Gott mit dem Namen Mogon als Namensgeber des Kastells Mogontiacum genannt. Doch bei genauerer Betrachtung zeichnen bereits die Inschriften ein ganz anderes Bild des keltischen Gottes, denn in einer in Metz gefunden Inschrift wurde er als `dea Mogontina´ bezeichnet. Andere in England und Irland gefundene Inschriften, die aber teils unvollständig sind, bezeichnen ihn als Mogounos, der Mächtige oder der Große. Ebenso gibt es Inschriften in Branges, im Département Saône-et-Loire, auf denen er als `Weithinschauenden´, oder auch `Weitsichtiger´bezeichnet wird. Dagegen wurde er auf Weihetafeln die bei Lauingen an der Donau gefunden wurden, eines der größten Heiligtümer des Apollo, als `Mogon oder auch als `Apollini Granni´ erwähnt. Auf einigen dieser Inschriften wird er auch als `deus Apollo Grannus´ bezeichnet.

apollo-grannus

Darstellung mit Krug und Heilwasser (Bonn, Rheinisches Landesmuseum)

Grannus oder gallisch auch Grannos genannt, ist ist der Name eines Heilgottes der Kelten. Er wird oft mit seiner Partnerin Sirona, der Göttin der Fruchtbarkeit und Ernte erwähnt. Grannus wurde vor allem in Heilbädern verehrt und der Ort Aachen, wo heiße Quellen der Erde entspringen, hieß in römischer Zeit vermutlich Aquae Granni `Wasser des Grannus´. Aus diesem Grund wird der Ursprung seines Namens in der keltischen Sprache gesehen und auch als Kochender oder Heisser gedeutet. Grannus in Gestalt des `Apollini Granni´ dürfte also wie sein römisch-griechisches Vorbild für die gallo-römische Heilkunde eine wichtige Rolle gespielt haben. Einen Namen als Heiler und Retter machte sich Apollon noch sehr spät, als er die Bewohner Roms 431 v. Chr. von der Pest befreite. Darauf wurde ihm in der Stadt der Apollo-Medicus Tempel geweiht. Die Bedeutung Apollons für die Medizin zeigt auch heute noch die  erste Zeile des hippokratischen Eides, die mit folgenden Worten beginnt:

`Ich schwöre und rufe Apollon, den Arzt, und Asklepios und Hygeia …´ Als Heilgott bediente sich Apollon keiner göttlichen Mächte wie Asklepios, sondern arbeitete ebenso wie ein sterblicher Medicus mit Heilkräutern. Dabei musste auch er seine Grenzen erkennen, als er diese auf die Wunde seines Geliebten und schwer verletzten Hyakinthos auflegt. Der Ursprung des Apollon-Kultes wird in Kleinasien vermutet, doch die eigentliche Bedeutung seines Namens ist unklar. Im Griechischen könnte er Verkünder bedeuten, aber ebenso auch Zerstörer, Vernichter, oder auch Unheilabwehrer. In der Gestalt des Phoibos Apollon , der Leuchtende, wurde er auch mit dem Sonnengott Helios gleichgesetzt.

Siegfried Auermann sieht in seinem Buch Germanenglaube im Christenglauben eine Ver- bindung von Sonnenscheibe und dem Gott Mogon, die zum späteren Wappen der Stadt Mainz, dem Doppelrad geführt haben könnte. Sein römisches Vorbild Apollo machte Vergil in seiner Ekloge zum Vorläufer und Wegbereiter des künftigen Friedensherrschers. Er beschreibt in als einen vom Himmel herabgesandten Spross, der aus aus einer Jungfrau menschliche Gestalt angenommen hat und sowohl göttliche, wie auch die menschliche Natur in sich vereint.

tetraktys Apollotetraktys  Apollo

Mainzer RadDas Wappen von Mainz

Die Zahlensumme seiner Buchstaben 66 legt es nahe, jedem der 6 Buchstaben eine Raute des Tetrakyssternes zuzuweisen. Somit werden jeweils drei in symmetrischer Anordnung durch die hexagonale Mittelachse getrennt. Eine volkstümliche Sage bringt die Entstehung des Doppelrades auch mit dem Erzbischof Willigis in Verbindung der angeblich der Sohn eines Radmachers war. Ein anderer Deutungsversuch sieht jedoch den Ursprung des Doppelrades im Christusmonogramm, das als Pax Christi das von Vergil vorgezeichnete Bild des Friedensherrschers weiterführt. Am wahrscheinlichsten erschien bisher die Deutung, dass sich das Doppelrad aus der die ursprünglichen Flagge mit dem Wappen des Heiligen Martin dem Patron der Stadt Mainz, entwickelt hat. Seinem Attribut Rad soll später einfach ein weiteres hinzugefügt worden sein. In seiner Gestalt als Doppelrad wurde es zum Sinnbild der Mainzer Erzbischöfe, die sich auch als Lenker des Gotteswagens verstanden. Auch mit diese Vorstellung folgten sie den alten vorchristlichen Mythologie in der das Sternbild Ursa Mayor auch als Götterwagen bezeichnet wurde.

Plan Mainz LegionPlan Legionslager – Apollo und Mars

Das Beispiel Mainz zeigt, wie Drusus die unter Augustus neu akzentuierte Apollo Verehrung mit der lokalen Bedeutung des `Apollini Granni´ verband. Für ein Legionslager passend, zeigen nur zwei von mehreren Beispielen die Ausrichtung der Anlage. Mit Apollo und Mars, bestimmten zwei der wichtigtsen Gottheiten Haupt-richtungen des Militärlagers. Am 13 Juli, dem Ende der Feier für Apollo, durch den Sonnenaufgang und am 27. Februar, dem Feiertag von Mars, durch die Letztsicht des Sternes von Altair. Das zeigt wieder , wie römische Ingenieure es durchaus verstanden, ihre präzise Bautechnik mit dem Himmel zu verbinden.

Bilder: Wikipedia, Büste des Drusus, des Gründers von Mogontiacum (Musée du Cinquantenaire, Brüssel) /„Drususstein“, Kenotaph des Drusus aus dem frühen 1. Jahrhundert. Standort: Zitadelle Mainz ,Martin Bahmann /Darstellung mit Krug und Heilwasser (Bonn, Rheinisches Landesmuseum) , mos maiorum/ tetraktys Apollo, http://www.decemsys.de/ Plan:Ausschnitt aus dem Plan von Lehne mit Lageangabe des schon von Fuchs vermuteten Amphitheaters/ Legionslager D. Baatz (1962), dainst.org/documents / simuöation, Stellarium sunearthtools

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