Der Mond und die Lau – der geheimnisvolle Blautopf

LauDie schöne Lau

Eine alte Sage berichtet hier über die schöne Lau, die aber am Blautopf nicht zu Hause war. Der Sage zufolge war sie ein Wesen mit halbmenschlichem Geblüt, die mit einem alten Donaunix am Schwarzen Meer vermählt war. Dort war sie stets traurig und gebar dem Nix nur tote Kinder. Auf Grund ihrer Traurigkeit hatte ihr die Schwiegermutter schon vor der Vermählung prophezeit, dass sie kein lebendes Kind gebären würde, ehe sie nicht fünfmal von Herzen gelacht haben würde. Nach dem 5. toten Kind schickte sie der Nix zusammen mit Kammerzofen und Mägden, die alle auf Entenfüßen gingen, die Donau hoch. Am oberen Ende fanden sie den Blautopf wo sie sich niederließen. Dort scherzten, tanzten und musizierten sie. In der weiteren Erzählung erlernte die Lau Dank eines Gesellen wieder das Lachen, was sie am Ende zu ihrem Gemahl zurückführte.

Sequanagallo-römische Göttin Sequana

Die Entenfüße der Wasserweiber, wie sie in der Sage genannt werden, vereisen bereits auf die antike Bezüge der Ente zu Göttinnen, aber auch auf das mittelalterliche Hexen-attribut des Entenfußes. In der Antike galt die Ente als ein beliebtes Opfertier und stand auch der ägyptischen Muttergottheit Isis nahe. In der hellenistischen Kunst wurde Eros, der griechische Gott der Liebe mit einer Ente dargestellt. Bei den Etruskern wurde sie als ein Vogel verehrt, dem die Fähigkeit zugesprochen wurde mit dem Jenseits Kontakt aufzunehmen. In Gallien war die Ente das heilige Tier des Volksstammes der Sequaner und ihrer Göttin Sequana. In dieser Rolle spiegelte sie eine Muttergöttin in dreifacher Gestalt ähnlich den 3 Hauptphasen des Mondes: Als Jungfrau verkörperte sie den zunehmenden Mond, ebenso wie den Morgen oder den Frühling. Als reife Frau und Mutter den Vollmond, oder den Mittag wie den Sommer. Das Jahr vollendete sie als Greisin, ähnlich dem abnehmenden Mond der auch Herbst und Winter symbolisierte.

Während im vorderen Orient im 2. Jahrtausend der Mond bereits männlich besetzt war, wie dies der Mondgott Sin, Gott der Stadt Ur verdeutlicht, wurde der Mond im Norden mehr in seiner weiblichen Natur gesehen. So gab es in Griechenland die Mondgöttin Selene, die je nach Erzählung die Schwester des Sonnengottes Helios war. Das Volk der Kelten verehrte eine Mondgöttin in Gestalt der Belisana , die auch als Erfinderin der Künste galt. Weitere Mondgöttinnen der keltisch-irischen Kultur waren Cerridwen, die den Neumond verkörperte und Arianrhod mit ihrem silbernen Kleid das den Vollmond symbolisierte.

CheridwenGöttin Cerridwen

Die Geschichte der Landschaft um Blaubeuren ist reich an Funden aus der Ära der eiszeitlichen Jäger und Sammler, doch in den anschließenden Zeiträumen herrscht eine große Lücke an Funden. Weitere Erkenntnisse aus der Besiedelung der Landschaft stammen hier erst wieder aus alemannischer Zeit. Die Stadt mit dem Idyllischen Blautopf, der Blauquelle, selbst liegt heute in einer Schleife des Urstromtales der Donau. Die hat aber am Ende der Riess-Eiszeit ihr altes Bett verlassen und bei Untermarchtal ein neues Bett gegraben. Blaubeurens Stadtfläche konzentriert sich auf den westlichen Teil und schmiegt sich dabei an den Rucken, der als Umlaufberg der alten Donau erklärt wird.

Blaubeuren 2Blaubeuren und Rucken

Wie an vielen andren Orten auf der Alb scheint die Natur durch ein außerordentliches Gefühl für Symmetrie und Harmonie geordnet worden sein. Steht man am Quelltopf und blickt zum Rucken, so zielt diese Linie auf den Wendepunkt des Mondes während der großen Mondwende Süd. Gleichzeitig teilt sie das Tal in zwei gleiche Hälften. Dies führt zur zurück zur Sage der schönen Lau mit ihren 5 toten Kinder, denn sie stellen nicht nur eine Anspielung auf die Symbolik der Zahl 5 dar, sondern ebenso auf die 5 Phasen des Mondes ehe er wieder in ganzer Pracht zu sehen ist: Neumond, zunehmende Sichel, erstes Viertel, Halbmond, zunehmender Mond. Erst in der 6. Phase wird der Mond dann wieder zum richtig runden Mond, dem Vollmond. Eine weitere interessante Blickbeziehung gibt es von vom Blautopf während der Wintersonnenwende, denn an diesem Tag steigt die Sonne über der Ruine des Rusenschlosses auf. Die Burg, mehr unter dem Namen Burg Hohengerhausen bekannt, steht auf einer markanten Felsnadel über dem Blaubeurener Stadtteil Gerhausen. Sie wurde um 1080 von Graf Hartmann II. Von Dillingen erbaut und zu Beginn des 18. Jahrhunderts abgebrochen. Dass der Fels bereits in der Ära der Eiszeitjäger als Kultort diente, zeigen Funde des Archäologen Riek aus dem Jahr 1959, der hier größere Mengen Tierknochen und Werkzeuge geborgen hatte.

Blaubeuren Plan 01Der Blautopf und der Mond

Der Name Rusenschloss soll durch den letzten Forstknecht mit Namen Ruoss oder Rus entstanden sein, der bis zur letzten Hälfte des 16. Jahrhunderts das Schloss bewohnt haben soll. Auch hier vermischen sich Legende mit tatsächlichen Geschehen. Zwei Worte gibt es Mittelhochdeutschen die zur Erklärung dienen könnten: Rus bedeutet grober Bengel, währen Ruse sich später in Rose abwandelt. In dem im Wort Rus scheint auch das Wort Ross durch, eine Anspielung auf die ehemals hier wohnenden Ritter, doch es kann auch als Kurzform eines Riesen gedeutet werden. Vom Blautopf aus betrachtet, verband im 16.Jahrhundert der Aufstieg des Sternbildes Orion die beiden Punkte Rusenhalde und Rusenschloss durch auf ideale Weise.

Blaubeuren Plan 02Der `Ruse

So bietet die Landschaft am Blautopf ein weiteres Beispiel, dass die Legenden auf der Schwäbischen Alb durchaus einen realen Hintergrund besitzen, den die Fantasie der Menschen im Laufe der Jahrhunderte umgedeutet hat.

Wikipedia: Lau Statue, No/Flickr.com CC-BY-NC / Rucken, lesefunde.blogspot.de/ Rusenschloss, albverein/ Simmulation stellarium, sunearthtools

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