Konstantin – der Feldherr des Himmels

Nimrod BruegelKönig Nimrod nimmt die Huldigungen der Steinmetze entgegen, Detail des Turmbau zu Babel von Pieter Bruegel d.Ä., 1563

Nimrods legendäre Gestalt faszinierte die Menschen in allen Epochen. So tragen heute zwei Berge in der heutigen Türkei, der Nemrut Dağı im Taurusgebirge seinen Namen, wie auch der Vulkan Nemrut bei Tatvan in der Nähe des Vansees. Wo in Europa Riesen als Erklärung für die Entstehung großer Bauwerke herangezogen wurden, war dies Nimrod im Orient. In der Genesis (Gen 10,8–10) wird Nimrod als `der erste der die Macht gewann auf Erden` geschildert . In der Erzählung ist er der erste Mensch der zur Königswürde gelangte und wird hier als der `gewaltige Jäger vor dem Herrn´ beschrieben. Seine Abstammung wird in den Schriften der Genesis über Kusch, den den Urenkel Noahs, direkt auf Noah, den 10 biblischen Urvater nach Adam zurückgeführt. Im 6. Jhd. fügte der Kirchenhistoriker Epiphanios Scholastikos wine diesem Bild eine weitere Facette hinzu, in dem er Nimrod auch als den Erfinder der Magie, der Astrologie und der Pharmazie bezeichnete. Die Moderne Ge- schichtswissenschaft identifizierte Nimrod jedoch mit dem sumerischen Sagenkönig Gilgamesch; der nach der sumerischen Königsliste im 3. Jahrtausend ein König der ersten Dynastie war. Seine Heldentaten, die er zusammen mit seinem Freund Enkidu beging, fanden ihren Niederschlag im Gilgamesch-Epos. Nimrod, der als göttlicher König und Gründer Babylons gesehen wird, war aber nicht nur ein politischer, sondern auch ein religiöse Führer. In dieser Rolle verkörperte er den ersten Priester-König und schuf damit einen Prototyp des magischen Herrschers. Von ihm stammte eine lange Reihe von Priester-Königen ab, die sich alle als Oberhäupter der babylonischen Mysterienreligion vorstanden.

CäsarCäsar als Pontfex Maximus

Die Idee, Staatsamt und Oberhaupt der Religion zu vereinen, wurde später auch in Rom mit der Bezeichnung Pontifex Maximus aufgegriffen. So wurde auch Cäsar im Jahr 63 v.Chr. offiziell als Pontifex Maximus anerkannt. Dieses Selbstverständnis dokumentiert auch eine römische Münze von Augustus Cäsar (27 v.Chr-14 n. Chr.) mit seinem Titel als `Pont-Max´, dem Führer der Mysterien. Die nachfolgenden römischen Kaiser, auch Konstantin mit eingeschlossen, bekleideten alle dieses Amt des Pontifex Maximus. Erst im Jahr 376 lehnte dies Gratian aus christlichen Gründen ab, denn er hielt Titel und Amt für Götzendienst und Gotteslästerung.

KonstantinsbasilikaBasilika mit Konstantinsplatz

Die Bezeichnung Konstantins-Basilika geht auf den Heimatforscher Johannes Steiner zurück, der diesen Namen aus einer spätantiken Lobrede auf den Kaiser entwickelte. Ursprünglich war das Gebäude, das nie als Kirchenraum diente, als römische Palastaula für die römischen Kaiser erbaut worden, die hier ab dem 4. Jhd. residierten. Das Gebäude entstand unter Kaiser Konstantin in den Jahren 305–311, während ein komplettes Areal umgestaltet wurde. Sie beinhaltete den Abriss eines größeren Wohnviertels und des Legatenpalastes, wodurch Platz für den Monu- mentalbau, sowie die Kaiserthermen geschaffen wurde.

 Konstantin_der_GroßeSolidus mit Porträt des Kaiser Konstantins mit Lorbeerkranz. um 310 in Trier

Konstantin war der Sohn des Heerführers und späteren Kaisers Konstantius I. und dessen Konkubine Helena. Im Jahr 293 kam er an den Hof von Kaiser Diokletian in Nikomedia, dem heutigen Ízmit in der Türkei. Dort wurde er als Geisel gehalten um die Sicherung des fragilen Gleichgewichts unter den drei römischen Herrschern zu gewährleisten. Im Jahr 305 flüchtete er zu seinem Vater nach Britannien, der im Jahr 306 in einer Schlacht gegen die Pikten in Eboracum, dem heutigen York, getötet wurde. Mit 33 Jahren ließ sich Konstantin von seinen Truppen zum Kaiser ausrufen und wurde neben Severus II. zum Mitherrscher im Westen des römischen Reiches. Zu dieser Zeit gab es keine zentrale Macht mehr und jeder Herrscher bekämpfte den anderen. Was allein zählte, war die totale Macht . Nur mit List und Brutalität war dieses Ziel zu erreichen. Eigenschaften, die Konstantin durchaus zu eigen waren. In der christlich geprägten Geschichtsschreibung wird diese Eigenschaft Konstantins jedoch völlig ausgeblendet, obwohl die Brutalität seines Vorgehens während seines Heerzuges zur Schlacht an der Milivinischen Brücke offenbar wurde.

Milvinische Brücke 01iSchlacht an der Milvinischen Brücke

Nach seinem Sieg über Maxentius erklärte er zwar das Christentum zur Staats-religion, doch nun begannen die Verfolgungen von Ketzern und Andersgläubigen. Alle Eigenschaften die Konstantin besaß, auch seine Funktion als Pontifex Maximus glichen also denen seines Urbildes Nimrod. Doch wer war dieser mythische König auf den sich selbst im Mittelalter noch Herrscher beriefen? In unseren Breiten ist der Große Wagen das bekannteste der Sternbilder, aber Orion mit seiner klaren Gestalt, die im Winter hoch in den Himmel steigt, ist das schönste Sternbild. Bereits in Babylon hat man in diesem Sternbild den schönen Städtegründer und Frauenheld Gilgamesch gesehen. Mit seiner ehernen Keule bedrohte er den vor ihm laufenden Himmelsstier, der sich angeschickt hatte, die neu gegründete Stadt Uruk zu verwüst- en. Dieser Lauf der Gestirne und die dazugehörigen Jahreszeiten bildeten einst auch den Hintergrund der Erzählung über Gilgamesch und seinen Freund Enkidu

Orion HimmelsjägerDer himmlische Jäger Orion

Der Mythos dieses göttlichen Königs und Städtegründeres war sicher auch für Konstantin ein Vorbild, weshalb sein Selbstverständnis auch in der Ausrichtung der Basilika zu erkennen ist. Ihre Baulinie lässt sich nur damit erklären, dass sie um 350 auf den mittleren Gürtelstern des Orion ausgerichtet war, wo er am Tag von Konstantins Geburtstag am Abendhimmel erschien. Später ging der Titel Ponitfex Maximus später auf den Papst über und so nimmt es nicht Wunder dass die 3 Gürtelsterne des Orion, die im christilichen Glauben die himmlische Treppe verkörperten, auch im Petersdom an jener Stelle im Grundriss liegen, wo die Freitreppe vom Vorplatz zum Portal des Domes führt.

Konstantinsbasilika BaulinieAusrichtung der Basilika

Petersdom und OrionPetersdom und Orion

Bilder: Wikipedia, König Nimrod nimmt die Huldigungen der Steinmetze entgegen, Detail des Turmbau zu Babel von Pieter Bruegel d.Ä., 1563/Basilika mit Konstantinsplatz,Heinz L.Boerder /Solidus mit Porträt des Kaiser Konstantins mit Lorbeerkranz geprägt von 310 bis 313 in Trier , Otto Nickl / Simulation Stellarium

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s