Der Stern des Roßberges

Roßberg_ PanoramaRoßberg Panorama

Einen Sonnenkultort vermutet der Reutlinger Journalist Jürgen Meyer auf dem Berg am Nordrand der Schwäbischen Alb. Von ihm berichtet eine alte Sage dass hier einmal ein Kloster stand, dass von Mönchen in roten Gewändern bewohnt gewesen sein soll. Aus diesem Grund wurde in Öschingen die Glocke zur Predigt immer eine Viertelstunde früher geläutet als gewöhnlich, um den auf dem Berg lebenden Mönchen ein Zeichen u geben. Aber der Bericht des Oberamtes Rottenburg aus dem Jahr 1844 schweigt sich darüber aus, ob die Sage tatsächlich einen realen Hintergrund haben könnte. Eine Spur die zum Kultort Roßberg führt ist wieder die Heidenkapelle in Belsen. Von dort aus betrachtet, geht die Sonnen über der Spitze des Roßberges am 1. Mai auf. Diese Eig- enschaft teilt der Ort der Heidenkapelle mit der etwas weiter westlich gelegen Keltenschanze. Diese Bezeich- nung erhielt sie erst in jüngster Zeit, denn lange galten diese nicht identifizierbaren Erdwälle als Hunnen- oder Schwedenschanzen. Noch in 15. Jhd. wurde das Erdwerk des auch als Byburg bezeichnet. Eine Verwandtschaft zum althochdeutschen Wort `bi´ ist hier erkennbar, was nicht geheuer bedeutet. Also wurde in früheren Zeiten das keltische Erdwerk ein nicht geheurer Ort betrachtet. Im Vergleich zu anderen schiefwinkligen Keltenschanzen gleicht die Belsener einem Quadrat.

Viereckschanze-BelsenViereckschanze, archäologisch nicht erschlossen

Unter Archäologen ist der Zweck dieser Bauwerke bis heute nicht geklärt. Wurden den Erdwerke in den 80-er Jahren noch kultischen Zwecke zugeschrieben, überwiegt heute die Auffassung einer landwirtschaftlichen Nut7ung. Doch auch die Geometrie der Schanze in Belsen belehrt eines besseren, denn wie alle andren auch wurde ihre Geometrie durch Sonnenaufgangspunkte bestimmt. Im Fall Belsen ist der Visierpunkt ebenso der Roßberg am 1. Mai, wobei hier die Sonne neben der Bergkuppe aufsteigt.

Roßberg Sonne MaiRoßberg Keltenschanze – Sonnenaufgang

Der Roßberg selbst hat noch einen wesentlich kleineren Bruder, den westlich von ihm liegenden kleinen Roßberg. Er gilt als Teil des schwäbischen Vulkans gilt. Beide unter-scheiden sich auch in ihrer Geometrie. Während der kleinere Bruder mit seiner ovalen Form noch an einen Vulkanschlot glaube lässt, wirkt die einer dreiseitigen Pyramide gleichende Gestalt des Roßberges auffällig geometrisch. Dies zeigen auch seine Höhen-linien, die im Südwesten der Sonnenrichtung des 1. Februar und im Nordern der des Äquinoktiums entsprechen. Nur bei der nach Nordosten weisenden Kante ist kein Son- nenbezug zu erkennen. Ein möglicher Grund führt zu zwei weiteren Auffälligkeiten des Roßberges. Vom Plateau des Roßfeldes misst seine Höhe e von 92m. Wird dieses Maß durch das vormetrische Maß der Salamis Elle von 0,4988 dividiert ergeben sich 190 Ellen. Auf den ersten Blick könnte die natürlich ein rein zufälliges Maß sein, doch die Zahl 19 verweist eben auf den Metonzyklus von 19 Jahren der wiederum 235 Mondmonaten entspricht. Er schuf die Basis für einen 19-jährigen Kalenderzyklus, der 12 Jahre mit 12 Monaten und 7 Jahre mit 13 Monaten umfasst.

Die Salamis Elle wurde bereits im 4 Jahrtausend verwendet, in der Zeit also, in der auch die Michelsfelder Kultur im Kraichgau siedelte. Eine weitere Auffälligkeit des Rossfeldes ist sein westlicher Teil, das sich unerwartet regelmäßig in Querrichtung erstreckt. Doch die auffällig parallelen Raumkanten,  sowie die Nordostspitze des Roßfeldes offenbaren ihren Sinn eben genau zu jener Zeit der Michelfelder Kultur. Sie entsprechen der Sichtung des Sternes Arktur während des Herbst – sowie des Früjahrsäquinoktiums. Auf Grund seiner Helligkeit war der Stern bereits seit dem frühen Neolithikum ein geschätztes Peilobjekt und konnte so als Zeitzeiger bei wichtigen Kalendertagen verwendet werden. Zur Zeit der Michelfelder Kultur war dies auch zur Wintersonnenwende der Fall,  wo Arktur am Abend exakt in der Nordrichtung auftauchte.

Roßberg  Sterne SonneRoßberg Sonnenkultort

Um den Lauf von Sonne und Sterne abzugleichen, bot die Anlage auf dem Roßberg gleich in mehrfacher Hinsicht Gelegenheit. So bot der Platz am südwestlichen Ende des Roß- feldes die Möglichkeit den Sonnenaufstieg während der Äquinoktien über dem Roßberg zu verfolgen und gleichzeitig über Peilmarken die Sicht von Arktur am Morgen oder Abend des jeweiligen Tages festzustellen. Diesen alten  Richtungen entsprechenauch auch heute noch die natürlich erscheinenden Höhenlinien der Landschaft.  Die Sonnenbeobachtung führt nun wieder zurück zu der von Meyer geäußerten Vermutung eines Sonnenkultortes. Aus dem 16. Jhd. ist hier die Geschichte Dorthea Raah bekannt der der Teufel erschienen sein soll, mit dem sie immer wieder zum Roßberg flog. Raah wurde vorgeworfen mit ihren Pulvern Ernte zu verderben und den Wein erfrieren zu lassen, ja ihren eigenen Sohn soll sie ebenfalls getötet haben. 30 Jahre trieb sie ihr Unwesen bis sie 1603 in Reutlingen auf dem Scheiterhaufen starb. Vielleicht wusste Raah noch um die Eigenschaften des Ortes der heute Roßberg heißt. Der Ursprung des Namens deutet ja in unterschiedliche Richtungen. Er kann sich aus dem keltischen `rocca´ entwickelt haben und später in ros umdeutet worden zu sein. Jedenfalls passt sein Name heute immer noch zu den Eigenschaften die in der Frühgeschichte dem Pferd zugeschrieben wurde, eine Verbind- ung zur Sonne.

Bilder: Wikipedia/ Alpenpanorama, aufgenommen vom Roßbergturm, Phelsume / Belsen Viereckschanze, Tourismus Mössingen/

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s