Die Megalithgräber von Antequera

Dolmen de Menga 01Dolmen de Menga

Ein immer wieder zu beobachtendes Phänomen der Megalitharchitektur ist ihre bauliche Verbindung mit der Umwelt. Ihr kommt in diesem Zusammenhang eine große symbol-ischer Bedeutung zu. Gerade bei der Cueva de Menga erscheint diese Verbindung in Gestalt einer Sichtachse von besonderem Reiz. Das Hügelgrab hat eine Höhe von über 4 Metern und einen Durchmesser von etwa 50 Metern. Der vergleichsweise kurze Gang führt nach Nordost, wobei der Azimut des Winkels außerhalb des Pendelbogens der Sonne liegt. Doch er ist auch zu groß, um mit der Mondwende in Verbindung zu stehen. Der Gang führt in einen großen, beinahe halbrund geschlossenen Raum, mit einer maximalen Breite von 6 Metern. Die großformatigen Deckenplatten werden durch drei mittlere Stützpfeiler getragen die auch den Raum unterteilen. Die mit Erdmaterial bedeckte Grabkammer ist aus 31 exakt behauenen und nahezu fugenlos zusammengefügten Blöcken mit einem Gesamtgewicht von rund 1600 Tonnen aufgebaut, wobei die größten Deckenplatten rund 180 Tonnen wiegen. Die Gangachse verbindet das Grab mit der Spitze des nordöstlich liegenden, anthropomorph geformten Berges, dem Peña de los Enamorados. Dieser Berg erhielt seinen Namen auf Grund einer lokalen Sage, nach der zwei Verliebte aus verfeindeten Clans sich hier zu Tode gestürzt haben sollen. Selbst Kolumbus kannte diese Sage, denn bei einem ersten Landgang erinnerte ihn ein Bergmassiv an die eigentümliche Silhouette des Peña de los Enamorados.

Peña de los Enamorados1Peña de los Enamorados

Dabei stellt sich die Frage welche Beweggründe es für die Ausrichtung gegeben haben könnte. In der vermuteten Bauzeit, offenbart um 3200 v. Chr. eine  Übereinstimmung mit dem Sternbild des Schwans die  weit mehr als nur die Ache des Hügelgrabes erklären kann. Die Sicht des hellsten Sterns Deneb scheint ein integraler Bestandteil der Gangöffnung gewesen zu sein. So weist die Schräge der nördlichen Gangöffnung auf die Erstsicht von Deneb am 31.Oktober, die südliche auf die am 1. August und die Mittelachse auf die Letztsicht am 1. Februar , wenige Minuten vor dem Sonnenaufgang.

Dolmen de Menga Plan1Ausrichung des Grabes

Die damalige Bedeutung des Schwans haben der Astronom Dr. Ronald Wells und die Ägyptologin Dr. Amanda-Alice Maravelia geforscht. Beide fanden heraus, dass im Alten Ägypten das Sternbild Cygnus, der Schwan, als die kosmische Gebärmutter der Himmelsgöttin Nut betrachtet wurde. In dieser Vorstellung markiert Deneb , dem hellsten Stern des Schwans, die Pforte zur Duat, dem Jenseits. Tatsächlich fällt bei dunklem Himmel auf, dass sich ein weißlicher Schimmer durch das Sternbild zieht, die Milchstraße. Die Cygnus-Milchstraßenwolke ist einer der hellsten Abschnitte innerhalb der nördlichen Milchstraße, und ist gerade im Bereich des Schwanenhalses gut zu sehen. Ganz den Beobachtungen des Alten Ägypten entsprechend wird heute Lage der Erde gesehen, denn sie gehört zum sogenannten Cygnus-Arm, einem ungefähr 100000 Lichtjahre messenden Arm unserer Spiralgalaxy. Blicken wir also zum Schwan, sehen wir genau diesen Arm, der die Heimat unseres Planeten bildet.

GalaxyDarstellung der Galaxy

Der Singschwan ist in unseren Breiten heimisch und galt hier aufgrund seiner Schönheit und seines Gesanges zu den heiligen Tieren von Lichtgottheiten. In der germanischen Mythologie lebten zwei dieser göttlichen Schwäne am Urdabrunnen der in der Nähe d des Weltenbaumes. Yggdrasill. Von ihnen wurde erzählt dass alles, was von ihnen berührt wird, weiß wird. Als Sinnbild für Unschuld, Reinheit, Anmut, Liebe und Schönheit wurde er im Volksmund auch als Engel der Lüfte bezeichnet. Seine Verbindung zum Jenseits trug dem Schwan auch die Rolle eines Seelenvogels zu, der entweder die Verstorbenen be- gleitete, oder aber ihre Seele verkörperte. Grabanlagen dieser Zeit waren gebaute Symbole,  deren Bedeutung durch erzählerische Motive unterstrichen wurde.

Dolmen de Menga GeländeCueva de Menga – die  Achse

Diese Gedanken erscheinen auch im Bau von Cueva de Menga enthalten. So ist die Öffnung des Grabes auf drei unterschiedliche Sichtungen des Sternes Deneb ausge-richtet. Die nördliche Wand auf die Erstsicht am 31. Oktober, wo der Schwan mit der Spitze seines Kopfes, zumindest bildlich, das Jenseits im galaktischen Pol berührt. In der Mittel- achse war er am Morgen des 1. Februar mit ausgebreiteten Flügeln über dem Gipfel des Peña de los Enamorados zu sehen. Von dort startete in die aufgehende Sonne zu seinem Flug über den Horizont. Ist hier mit dem Ende des Winters auch ein Verweis auf das Ende des Jenseitigen leben zu verstehen, wäre dies auch ein Indiz auf den damaligen Glauben einer Wiedergeburt. Auch die südliche Wandöffnung folgt dem Stern, in dieser Richtung ist er am 1. August zum ersten mal zu sehen. Der Gedanke einer  Wiedergeburt in einer anderen Welt, zu der es nach damaligen Vorstellungen Brücken gab, muss wohl die entscheiden Triebfeder für die unglaublichen Anstrengungen bei der Ausführung der Cuve de Menga gewesen sein.

Bilder: Wikipedia / Dolmen de Menga, Antequera, Grez / Antequera – Peña de los Enamorados Paul Hermans / Simulation stellarium

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