Der Adler von Antequera

dolmen-de-viera-1Eingang , Dolmen de Viera

Die Erbauer der megalithischen Monumente von Antequera gehörten den ersten bäuer-lichen Gemeinschaften des fruchtbaren Guadalhorcetals an. In der Umgebung des Gräberfeldes konnten bislang mehrere Ansiedlungen der Jungsteinzeit und Kupferzeit identifiziert. Auch die zweite Anlage in Antequera, die Dolmen de Viera liegt nicht weit von der Cueva de Menga entfernt. Das Hügelgrab hat einen Durchmesser von etwa 50 m. Vom Zugang im Osten führt ein gerader Gang mit etwa 50m Länge geradewegs auf eine querrechteckige Grabkammer, die durch einen Megalithstein verschlossen ist. Er hat eine nahezu quadratische Öffnung die als Seelenloch bezeichnet wird. Wie bei der ist auch hier der Gang durch exakt behauene Steine errichtet worden und bestand einschließlich der Grabkammer aus 29 großformatigen Steinblöcken.

dolme-de-viera-innenraum Dolmen de Viera, Innenraum

Auch diese Anlage, deren Errichtung auf einen Zeitraum um 4000 v. Chr geschätzt wird, bietet durch ihre Ausrichtung einen Einblick in die längst vergangene Mythologie der Frühgeschichte. Der um ca. 4° aus der Ostrichtung verschwenkte Zugang zielt auf den Sonnenaufgang während des Äquinoktiums, denn durch den weiter östlich liegenden Bergrücken ist hier der Sonnenaufgang um genau diesen Winkel verschoben. Da der Sonnenaufgang während des Jahres im Frühling wie im Herbst unter diesen Winkel zu sehen ist, musste es noch einen weiteren Anhaltspunkt geben welcher Zeitpunkt hier gewählt wurde. In der vermuteten Bauzeit bietet das Sternbild Adler den gesuchten Anhaltspunkt. Um 4000 v. Chr. gibt es nur das Sternbild Adler das eine Verbindung zu dieser Gangrichtung schafft. So leuchtet dessen hellster Stern Altair genau bis zu diesem Punkt, ehe ihn die aufgehende Sonne verblassen lässt.

dolmen-de-viera-adlerDie Ausrichtung der Anlage auf Sonne und Adler

In der Heraldik ist der Adler ist das zweit häufigste Wappentier. Nur die Gestalt des Löwen wird noch häufiger verwandt. In allen Mythologie steht der Adler als Symbol für die Sonne. So wurde er in der griechischen Mythologie zum Tier des Zeus. Er hatte seinen Donnerkeil in den Klauen, doch er wurde ebenso als Spender des Lichtes der Fruchtbarkeit und des Glücks betrachtet. Dank dem Adler und dessen rettenden Pfeil gelang Zeus auch der Sieg über das Geschlecht der Titanen. Die Eigenschaften des Adlers stehen für Weitblick, Mut und Kraft. Weil er nach antiken Beschreibungen beim Auffliegen stets direkt in die Sonne sieht, wurde er zum Symbol der Auferstehung, der Erlösung, sowie des ewigen Lebens. In dieser Gestalt wurde er zum Sinnbild die Unsterblichkeit und die mensch­liche Seele, die sich nach dem Tod in den Himmel schwingt. Die Sumerer verehrten einen Adlergott, das Mischwesen Imdugud mit einem Löwenkopf . Die Gestalt des Imdugud taucht bereits im frühen 3. Jahrtausend auf Tontafeln und Rollsiegeln auf. Dabei wurde es in unterschied-lichen Positionen mit ausgebreiteten Schwingen dargestellt. Innerhalb der Mythologie galt das Mischwesen das die Stärken zweier Raubtiere vereinigte als das gefährlichste Raubtier dar, das Menschen und Viehherden bedrohte. Die mesopotamischen Könige verglichen deshalb ihren Charakter mit dem eines Löwenadlers.Um 2500 v. Chr. In der Imdugud-Sukurru-Zeit ist wurde die anfänglich reduzierte Darstellung wesentlich verfeinert. Der Löwenadler war nun stets in Frontalsicht zu sehen und thronte über zwei schreit- enden Löwen. Oder einem menschengesichtigen Stier.

loewenadler-1Imdugud als Löwenadler, Relief Lagaš (2550–2500 v. Chr.)

Ein Höhepunkt erreichte die Symbolik des Adlers im römische Weltreich hier wurde er in Gestalt der Aquila zum Legionszeichen, dessen Verlust mit großer Schande verknüpft war. Ähnlich der griechischen Mythologie galt der Adler auch bei den Römern als Bote des Hauptgottes Jupiter. In den Anfängen des römischen Heeres stellte er neben dem Wolf dem Minotaurus Pferden und Ebern eines der fünf Feldzeichen dar. Dies änderte sich unter dem Einfluss des römischen Feldherrn Gaius Marius. Aus dessen Kindheit überlieferte der Schriftsteller Plutarch ein Erlebnis wo er beschreibt wie Marius als Junge ein Adlernest samt sieben Adlerküken in seiner Toga aufgefangen habe. Dies deuteten Seher als Vorzeichen seiner zukünftigen staatsmännischen Bestimmung gedeutet hätten. Im Zuge seiner Heeresreform im 1. Jhd. v. Chr. wurde dann er Adler zum alleinigen Feld- zeichen der Legionen.

Die Verbindung von Sonnenaufgang und der Letztsicht des Sternes Altair dürfte wohl ein weiteres Indiz dafür sein, dass die Symbolik des Adlers wie sie aus der griechisch-römischen Mythologie bekannt ist,  auf wesentlich älteren Vorstellungen, wie denen der Megalithkulturen gründen.

Bilder: wikipedia/ Entrée du dolmen de Viera , Innenraum , Grez / Imdugud als Löwenadler, Typ B: Relief Lagaš (2550–2500 v. Chr., heute im Louvre , Marie-Lan Nguyen / Simmulation: sunearthtools und stellarium

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