Unter dem Schutz von Adler und Mars – das Kastell Öhringen

marsAres Ludovisi, römische Kopie nach einem griechischen Original von etwa 320 v. Chr.

Eine Legende erzählt vom Ende des mythischen Königs Numitor Silvius , dem König von Alba Longo. Er gilt als Nachkomme des Aeneas, einem trojanischen Prinzen, dem die Flucht aus der brennenden Stadt gelang. Aeneas selbst ging aus einer Verbindung des Anchises mit der Göttin Aphrodite hervor, der römischen Venus, und gilt somit als Stammvater der Römer. Silvius Burder setzte den König später ab und tötete dessen Söhne. Seine Tochter Rhea Silva machte er zur Priesterin der Vesta, die somit kinderlos bleiben musste. Mit diesem Schachzug er sich vor der Rache möglicher Nachkommen seines Bruders. Eine weitere Legende berichtet vom Gott Mars, der eines Tages die junge Vestalin verführte. Anschließend gebar sie die Zwillinge Romulus und Remus. Kaum erfuhr der Onkel von dem Ereignis, ließ er sie, die ihre Unschuld verloren hatte, samt ihren Kindern in den Tiber werfen. Doch dort wurden sie vom Flussgott Tiberinus gefunden und der überließ die Zwillinge einer Wölfin zur Aufzucht und heiratet Rhea Silva.

kapitolinische-woelfinDie kapitolinische Wölfin säugt die Knaben Romulus und Remus

Die Legende der beiden Brüder, aber auch die etruskische Mythologie in der bereits ein Gott Mars bekannt war, machten ihn zu einem der wichtigsten Götter des jungen Rom. Doch in den Anfängen wurde er unter dem Namen Mars Silvanus als Vegetationsgott verehrt. Erst in späteren Zeiten wandelte er sich mehr und mehr zu einem Kriegsgott wurde in dieser Funktion dem griechischen Ares gleichgestellt. Auf dies deutet auch sein ältester bekannter Name hin, der aus dem 5.Jhd. v. Chr. überlieferte Mamars. Er stellte eine Verdopplung des noch ursprünglicheren Namens dar und gleicht der griechischen Anrufung des Ares `Ares Ares´. Das vom 19. bis zum 23. März zu Ehren von Mars gefeierte Fest der Quinquatria (maiores), war das erste große Fest des Gottes, in dem noch der ursprüngliche Charakter des Frühlings- und Fruchtbarkeitsfestes durchschien. Im offiziellen römischen Staatskult war es das Fest des Mars, doch in der volkstümlichen Religionsübung wurden in diesen Tagen die Stiftungsfeier der Minerva als Göttin des Handwerks von allen Zünften festlich begangen. Fünf Tage nach den Iden des März hatte das Fest neben den obligatorischen Wagenrennen und Pferdeopfern auch einen militärischen Charakter. Dazu waren auch Militärtribunen anwesenden, die die zwölf arma anciliae, die heiligen Bronzeschilde, symbolisch reinigten um sie auf die bevorstehenden Sommermonate und die obligator-ischen Militäreinsätze vorzubereiten. Ein Einsatz dieser heiligen Schilde war aber nie vorgesehen, deshalb blieben in der Regia, dem Amtssitz des Pontifex Maximus. Seit der Götterbewirtung des Jahres 217 v. Chr. erschien Venus häufig in der Verbindung mit Mars. Doch erst ab dem 1. Jhd. n. Chr. Wurden beide auch als Ehepaar dargestellt, das als Concordiagruppe bezeichnet wurde.

legionsadlerLegionsadler (Rekonstruktion)

Die Entwicklung des Mars zum Kriegsgott geht auf die Veränderung des römischen Heeres zurück. Vor Marius war gab es nur ein reines Bürgerheer, das von den beiden Censoren in der Regel alle fünf Jahre ausgehoben wurde. Als Opfer für die Ausgehobenen wurden Schweine, Stiere oder Widder um die Ausgehobenen herumgetrieben, ehe man sie auf dem großen Altar des Mars auf dem gleichnamigen Feld schlachtete. Anschließend erhielten die Einheiten Standarten mit den geweihten Tieren des Gottes. Nach der Heeresreform des Marius gab es aber nur noch ein Wappentier, den Adler des Jupiter.

oehringen-planAusrichtung Kastell

Die austarierten Götterkulte spiegelten sich auch im Bauen wieder. Ein gutes Beispiel bieten dazu die beiden Kastelle in Öhringen. Ein genauere Betrachtung des nördlich der Bahnlinie liegenden Kastells offenbart die Ausrichtung. Während die nach Osten ausrichtete Lagerstraße auf den Sonnenaufgangspunkt am Ende des Festes der Quinquatria (maiores), dem 23. Mäerz ausgerichtet war, hatte auch die senkrecht dazu verlaufende Straße einen Visierpunkt am Himmel mit kultischer Bedeutung. Gemäß der neuen Standarte des Heeres, der Aquila, war dies er Adler. Am Morgen es 23. April im damals geltenden julianischen Kalender leuchtete er zum letzten mal in dieser Richtung auf. Am diesem Tag, an dem heute der Georgstag gefeiert wird, fand in römischer Zeit das große Jupiterfest des Jahres statt. Auf diese Weise mit den Feiertagen der Götter verbunden, diente die Ausrichtung wohl für einen zusätzlichen Schutz der Götter.

Bilder: Ares Ludovisi, römische Kopie nach einem griechischen Original von etwa 320 v. Chr., Ergänzungen von Gian Lorenzo Bernini , Marie-Lan Nguyen / Die kapitolinische Wölfin säugt die Knaben Romulus und Remus, Jean-Pol GRANDMONT / Legionsadler (Rekonstruktion) , MatthiasKabel/; Simulation: Stellarium, sunearthtools

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