Der Berner Bär

tschachtlan-chronikTschachtlanchronik: Herzog Berchtold V. von Zähringen erlegt den Bären

Wie bei vielen anderen Städten herrscht auch in Bern Uneinigkeit über den Ursprung des Namens. In seiner heutigen Form taucht er am 1. Dezember 1208 erstmals in einer Urkunde auf. Wohl die bekannteste Erklärung des Namens stammt aus der Justingerchronik in der der Name auf einen Versprechen des Städtegründers Berchthold V. von Zähringen zurückführt. Er versprach die Stadt nach dem ersten in den Wäldern erlegten Tier zu benennen, das laut der Chronik ein Bär gewesen sein soll. BeMit dem Gründer hat der name nichts gemein, denn Berchthold ist eine Abwandlung des Namens Bertholt, der sich aus den beiden althochdeutschen Worten berath, strahlend und waltan, herrschen zusammensetzt.

tschachtland-gruendungTschachtlanchronik:Gründung der Stadt

Während der Romantik und dem Aufleben von Sagen entstand jedoch eine ganz andere Erklärung. Eine in dieser Zeit entstanden Theorie führte Bern auf die Stadt Verona zurück, das im Mittelalter auch das Welsche Bern genannt wurde. Somit wäre Bern eine Art Erinnerungsmotiv an die einst von den Zähringern besetzte Stadt Verona. Während den beiden Erklärungsversuchen eine nachvollziehbare Logik zu eigen ist, fehlt dem heutigen Forschungsstand zur Namensentstehung jeglicher Charme. Nach dem Lexikon der schweizerischen Gemeindenamem soll der Name Bern sich aus dem keltischen Wort Berna entwickelt haben, das mit Kluft oder Schlitz übersetzt wird. Ein hanebüchender Gedanke, einen Ort nach einem Raum zu be- nennen der so gar nicht besiedelt werden kann. Hinterfragt man jedoch die Ge- schichte von Berchtholds Bärenjagd bietet sie durchaus Ansatzpunkte für eine Erklärung für Namen und Raum der Stadt Bern.

freiburger_muensterFreiburger Münster

Während die Stadt zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt wird , wird in Freiburg ein monumentaler Bau begonnen. Der erste Kirchenbau, die koradinische Pfarr-kirche wurde zu klein und Berchthold V. wollte sich hier eine angemessene Grab- stätte schaffen. Der Bau des Münsters Unsrer Lieben Frau begann um 1200, wobei das Basler Münster als Vorbild diente. Der der Maria geweihte Bau spiegelt die auf einen Höhepunkt zusteuernde Marienverehrung des Mittelalters wieder und sie bildet auch die Brücke zum gesuchten Bären.

stella-marisStella maris

Im Mittelalter wandelte sich Maria zu einer eigenständigen theologischen Gestalt, die in vielfältiger Form angerufen wurde. So beginnt der mittelalterliche Hymnus `Ave maris stella´, der auf Venantius Fortunatus zurückgehen soll, mit folgenden Worten: Ave maris stella,(Meerstern, sei gegrüßet,) Dei Mater alma (Gottes hohe Mutter) …Der Begriff stella maris ist ab dem 9.Jahrhundert ist belegt und hat sich aus dem lateinischen Namen stilla maris, der Meerestropfen entwickelt. Der im 4. Jhd. lebende Kirchenvater Hieronymus hatte diese Tradition der Anrufung der Jungfrau Maria mit dem Beinamen Stella maris begründet, in dem er ihren Namen auf den hebräischen Namen Mirjam zurückführte, der bitteres Meer bedeutete. In der Literatur wird ein Übersetzungsfehler dafür angeführt der dann zu der entgültigen Form stella maris, der Meerstern geführt hat. In dieser Sternsymbolik kommt der hoheitliche Charakter Marias (mater Dei, gratia plena), als auch ihre vorausleuchtende Zeichenhaftigkeit, noch vor der Sonne als Symbol der Gerechtigkeit, zum Ausdruck. Als Stern, verkörpert er sich im Polarstern oder auch im Sirius und bietet so Seefahrern, auch Menschen Leitbild und Orientierungshilfe.Vieles spricht jedoch dafür, dass die Bezeichnung Stella maris einen tieferen Zusammenhang mit dem im 1. Buch geschildert Erlebnis des Propheten Elias besitzt. Dort wird beschrieben wie er vom Berg Karmel eine Wolke über dem Meer stehen sieht. Als Zeichen der Hoffnung (Maria) soll sie den lange ersehnten Regen bringen, der das Land aus der Dürre befreit und neue Fruchtbarkeit (Messias) bringt. Dieser Symbolik folgt auch das Wappen des Karmeliterordens das aus 3 sechsstrahligen Sternen besteht.

bern-plan-polarsternBern und Stella maris

Berchtolds Marienverehrung kann in Gestalt von Stella maris und dem Polarstern auch zur Erklärung Berns herangezogen werden. Gleich einer himmlischen Erzählung leuchtete der Polarstern am Tag von Mariä Empfängnis am Abendhimmel. Die Ausrichtung des Bärenplatzes weist heute noch auf den Punkt am Himmel, an dem im Julianischen Kalender der Stern zum ersten Mal zu sehen war. Aber auch der Stadtkörper in der Aareschlaufe und dem weiteren Flussverlauf lässt mit diesem Sternbild interpretieren. Am Tag des heiligen Vinzenz von Saragozza, dem Stadt-patron von Bern, steht das Sternbild Kleinen Bären so am Himmel, dass sein Umriss einschließlich des Schwanzes, die Stadtgeometrie und den Aareverlauf bestimmt.

Zurecht kann damit Bern als Stadt des Bären bezeichnet werden, wenngleich auch als Stadt des Kleinen Bären. Die einstige Bedeutung von Stella maris ist ge- schwunden und auch der Stern selbst beginnt sich bereits wieder weg vom Himmelspol zu bewegen. Dort wird in ungefähr 2000 Jahren ein Stern aus dem Sternbild Kepheus seinen Platz einnehmen.

Bilder: Wikipedia/Tschachtlanchronik: Herzog Berchtold V. von Zähringen erlegt den Bären vor der Stadt Bern, Rainer C. Schwinges (ed.), Berns mutige Zeit: Das 13. und 14. Jahrhundert neu entdeckt/ Gründung der Stadt, Adrian Michael /Freiburger Münster, Oberth/ Simulation, Stellarium

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