Zeitzeiger Externsteine

externsteine-neuExternsteine

Die Felsgruppe im Teuteburger Wald bietet eine Menge Ansatzpunkte für Deutungen An- gefangen von den ersten Deutungen Malachitts, bis zur den astronomischen Erklärungen des kreisrunden Loches in der Kammer durch Wolfhard Schlosser. Was immer noch ungeklärt scheint ist die Frage, ob die Felsgruppe die Folge eines geologischen Ereignisses war, oder durch menschliches Zutun entstand. Die Erklärung, dass sich die Felsformation während einer Faltung des Teuteburger Platte senkrecht stellte, klingt plausibel. Dennoch wäre, bedingt durch eine Jahrmillionen andauernde Erosion und den bei der Faltung entstehenden Kräften, eine größere Vielfalt von Steinen zu erwarten gewesen. Verfolgt man die Linie, liegt sie aber nicht rein zufällig, sondern zielt genau in Richtung des Sonnenunterganges während der Sommersonnenwende.

externsteine-plan-2Zeitzeiger Externsteine um 6100 v. Chr.

Praktischerweise ließ sich so der Sonnenuntergang während der Wintersonnenwende in der Längsrichtung des Sees verfolgen und über Schattenlängen eindeutig vermessen. Was die Ausrichtung de Externstein darüber hinaus so interessant macht, ist der Winkel von 40° den ihre Mittellinie mit der Westrichtung. Wird der Vollkreis durch dies- es Maß geteilt, ergibt dies die zahl 9. Sie gilt als kosmische Zahl und taucht in diesem Zusammenhang auch in vielen Mythologien auf. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Neunheit der Götter von Heliopolis, die die Schöpfungsgeschichte innerhalb der ägypt-ischen Mythologie verkörperten. Ihr Ursprung lässt sich bis zur Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. zurückverfolgen und wurde von der Priesterschaft in Heliopolis als einzig gültige Entstehung des Kosmos festgeschrieben.

heilige-baum-heliopolis-bHeiliger Baum von Heliopolis

Diese Geschichte erzählt von der Göttin Nun die das Urwasser verkörperte, das vor dem Beginn aller weiteren Schöpfungen existierte. Als erster erhob sich der Schöpfergott Atum aus dem Urwasser und erschuf mit seinem Schweiß und seinen Tränen die vier Elemente: Luft und Feuchtigkeit, Himmel und Erde. Anschließend erschuf Atum die beiden Zwillinge Schu, die Luft und Tefnut, die Feuchtigkeit. Als erstes Götterpaar wuchsen sie in der Obhut von Nun. Als sie alt genug waren, zeugten die Luft und die Feuchtigkeit ein weiteres Geschwisterpaar: Nut, die Göttin des Himmels und Geb, den Gott der Erde. Somit waren mit dem Himmel und der Erde der Rahmen für alles Leben gegeben. Nut und Geb zeugten nun weitere vier Kinder, die das Leben und die Geschichte Ägyptens prägen sollten: Osiris und Isis, Seth und Nephtys.

9-welten-yggdrasilYggdrasil 9 Welten

9-gottheitenDie Symbolik der 9

Die Zahl 9 spiegelte sich auch im Bild des nordischen Weltenbaumes Yggdrasil wieder der in drei Hauptebenen unterteilt war und die wiederum in drei Bereiche gegliedert waren. Dass die 9 als Bild der Schöpfung diente, dürfte sie auch ihrer mathematischen Qualität zu verdanken sein. Durch die Multiplikation der drei mit sich selbst, stellt sie als Quadrat die Erhöhung einer göttliche Trinität dar und grafisch ein Sinnbild das die göttliche mit der irdiscen Sphäre verbindet. Betrachtet man neun Kreise zu einem Quadrat zusammengefügt, ergeben die beiden Mittelachsen das Bild der Himmels-richtungen und sind damit auch ein Symbol der Erde. Zusätzlich wird dieses Urbild des Kreuzes auf allen  Seiten von einer göttlichen Trinität eingerahmt.

arktur-01Exterbnsteine um 6500 v. Chr., Erstsicht Arktur

Erkennt man diese Eigenschaft der Steinreihe durch seine Ausrichtung den Vollkreis im Verhältnis 1 zu 8 zu teilen und damit auf die 9 zu verweisen, wäre dies der erste Schritt den Ort als ein Sinnbild kosmologischer Vorstellungen zu sehen. Die zusätzliche Sicht des Sternes Arktur am Abend der Sommersonnenwende um 6100 v. Chr.  dürfte dies wohl unterstützt haben. Auch in der Folgezeit konnte die Steinreihe als Zeitzeiger genutzt werden. In Gegenrichtung um 4100 v. Chr. zur Winter- sonnenwende mit der Sicht des Sternes Capella, ebenso um 3000 v. Chr., also ungefähr in der Zeit, als sich in Heliopolis auch der Gedanke der 9 Schöpfungsgötter bildete. Zu dieser Zeit war die Letztsicht des Arktur in Richtung der Steinreihe während des Frühlingsäquinoktiums zu sehen.

File created with CoreGraphicsKreisgrabenanlage Goseck

Die Steinreihe, in denen eine frühe Kultur nicht nur die passende Ausrichtung, sondern zugleich eine symbolische Kreisteilung erkennen konnte,  wäre so eine Vor- form der im 5. Jahrtausend in Europa entstandenen Kreisgrabenanlagen. Diese eigenständige Bauform,  bei der sich die Sonnen- mit der Sternbeobachtung mischte, hatte sich zu dieser Zeit vollständig von natürlichen Geländeformen gelöst. Sie begann sich um 4.900 v. Chr. mit der Lengyelkultur aus dem Raum Ungarn / Slowakei in Richtung Westeuropa auszubreiten. Etwa 120 Anlagen dieses Typs sind bis heute entdeckt worden. Sie bestanden aus konzentrischen Palisadenringen mit Toren, die sich zu Sonnenauf- und Untergangspunkten öffnen ließen.

Bilder: Wikipedia / Der heilige Baum von Heliopolis mit Thot und Seschat , Milkau /Yggdrasil 9 Welten / Goseck Kreisgraben Plan, Institut für Prähistorische Archäologie Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ,Rainer Zenz / Simulation Sunearthtools, Stellarium

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