Kultort des Triglaw – der Marienberg in Brandenburg

garcaeus-und-marienkircheDie Wallfahrtskirche auf dem Marienberg um 1588

Der Marienberg in Brandenburg an der Havel zählt zu den kulturhistorisch bedeutsamen Orten der Region. Geologen erklären seine Entstehung durch Eisbewegungen während der letzten Weichselkaltzeit erklärt. Im Eis eingeschlossenes Gestein soll über weite strecken transportiert worden sein und am Gletscherende Ablagerungen gebildet haben , die sich hier im Laufe von Tausenden von Jahren zu einer End- oder Staumöräne aufgeschichtet hatten.

Einer Sage zufolge war er aber das Werk einer Riesin. Sie lebte vor tausenden von Jahren als Tochter eines Riesen in der Gegend und spielte eines Tages im märkischen Sande spielte. Hier grub sie eine Mulde und schaufelte den Sand in ihre Schürze als sie plötzlich vom Teufel überrascht wurde. Das Kind sprang rasch auf und wollte mit dem Sand in der Schürze flüchten! Bei Verteilen aber riß ein Schürzenband unter der Last und der Sand schüttete auf die Erde nieder. Der riesige Haufen blieb dort liegen und bildet unseren Harlungerberg. Die Mulde dagegen lief mit der Zeit mit Havelwasser  voll und es entstand so der Beetzsee.

marienberg-1914Marienberg um 1914

Zum Name Harlungerberg entwickelte der Brandenburger Ortshistoriker Professor Otto Tschirch zwei Theorien. Eine verbindet den Namen mit dem germanisch-mythischen Geschlecht der Harlungen. Ein Brüderpaar dieses Geschlechtes sollen die Söhne Edgard und Ake des Herzogs Ake Harlungertrost gewesen sein, die auch Neffen des Gotenkönigs Ermanarich waren. In der zweiten sieht er die Harlungerberge, von denen es in Deutschland mehrere gibt, als Orte an denen der bedeutendste Schatz der Harlungen vergraben sein soll. In der Mythologie galt dieser Brisingamen als der Halsschmuck der Göttin Freyja.

freyaGöttin Freya auf ihrem Wagen

Gesichert ist, dass die Bergkuppe an der Havel schon in prähistorischer Zeit als zentrale Kultstätte verschiedenen Religionen diente. Nach Tschirch`s Auffassung war auf dem Marienberg wohl ein heiliger Hain oder ein Heiligtum der Semnonen in dem Göttin Frigg oder der Göttin Freyja verehrt wurden. Belege dafür gibt es jedoch keine. Dagegen sprechen sächsische Quellen von einem Triglawheiligtum, das hier weit über das 1. Jahrtausend hinein existiert hat. Eine der wichtigsten Überlieferungen zum Kult des Triglaw stammen von Ebbo, Herbord und dem Prüfeninger Mönch, den Biographen des Bischofs Otto von Bamberg. Von dem Hauptheiligtum das auf dem höchsten Berg in Stettin liegt berichtet Ebbo: `Er hatte ein dreiköpfiges Standbild, dessen Augen und Lippen mit einem hohen, goldenen Hut überschattet waren. Von den Götzenpriestern wurde behauptet, der höchste Gott habe deshalb drei Köpfe, weil er drei Reiche regiere, nämlich das der Erde, des Himmels und der Unterwelt; und das Gesicht verhülle er sich, weil er nicht sehend, gewissermaßen, und schweigend die Sünden der Menschen nicht zur Kenntnis nehme.´ Triglaw hätten dann eine ähnliche Funktion gehabt wie Swantewit, der vierköpfige Kriegsgott und die oberste Gottheit der Ranen auf Rügen. Er verkörperte einen Allgott der die drei metaphysischen Welten durchschaut. Dazu passt auch eine weitere Überlieferung, die seine Statue mit einer Mondsichel in den Händen beschreibt. Wie tief verwurzelt der Kult war, zeigt die Geschichte des Marienberges, denn dort soll die brandenburgische Triglaw-Statue noch bis ins 16. Jahrhundert hinein aufbewahrt worden sein.

hartungberg-freyaTriglaw, Santevit und Orion

Archivrath Dr. Beyer zu Schwerin. Schreibt 1872 in dem Jahrbuch des Vereins für Meck- lenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 37 zur Triglaw Verehrung dass entwedereine Göttin mit einen griechischen Namen der dreiköpfigen Göttin Hecate oder vermutlich die germanische Frick (Frigg), verehrt wurde. Frigg ist die Große Mutter vom Geschlecht der Asen. Sie wird sehr oft mit Freya in Verbindung gebracht. Wird Freya von den Vanen als deren Große Mutter verehrt, so gilt Frigg als die Muttergöttin der Asen. Als himmlische Spinnerin wurde die Göttin auch als Sternbild gesehen. Aus Schweden ist der Name Friggs Spinnrocken für die 3 Gürtelsterne des Sternbildes Orion überliefert. Frigg galt als Gebieterin der Heiligen Ordnung und sie letztlich als die Schöpferin des Schick- sals. Ebenso erscheint sie aber auch als wilde Jägerin, die zur Zeit der Winter-sonnenwende nachts durch die Luft tobt. Wenn die 3 Gürtelsterne ihren Spinnrocken darstellen, musste wohl Orion mit ihr identifiziert werden. Im 8. Jahrhundert war er mit seinem hellsten Stern zur Wintersonnenwende zum ersten Mal exakt in Ostrichtung zu sehen und kurze Zeit später auch sein Spinnrocken. Eine Verehrung der Freya innerhalb des Triglawkultes würde so auch eine schlüssige Erklärung für den späteren Bau der Marienwallfahrtskirche bieten.

Bilder: Wikipedia,Die Marienkirche von Brandenburg an der Havel nach einem Bild des Stadtschreibers Zacharias Garcaeus aus dem Jahre 1588 , Simulation Stellarium

 

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