Porta Nigra, das Tor des Schwans

Sternbild SchwanSternbild Schwan

Römische Bauwerke waren präzise gebaut und dennoch ist ihnen die Nüchternheit reiner Ingenieurbauwerke fremd. Jedes dieser Bauwerke verkörpert eine Erzählung, die sich auf individuelle Weise mit den Gestalten der römisch-griechischen Mythologie verbindet. Der Schwan, ist eine der Gestalten der griechischen Mythologie die an den Sternenhimmel versetzt wurde. Anfänglich lebte er in menschlicher Gestalt auf auf der Erde.

kygnos-und-heraklesKampf von Kygnos und Herakles

Er war Kyknos, der Sohn des Ares und der Pelopia, einer Tochter des Pelias. Er war eines der 5 Kinder, die der Meeresgott Neptun mit Tyro zeugte. Kyknos Schicksal als König Makedoniens wendete sich, als er zu Ehren seines Vaters einen Tempel errichtete, dessen Material aus den Knochen erschlagener Reisender stammte. Der Bau seines Tempels neigte sich seinem Ende zu, als Kyknos in der Nähe des Flusses Echedoros auf Herakles stieß und den mythischen Halbgott zum Zweikampf aufforderte. Herakles Knochen sollten das Dach seines Tempels bilden. Als sein Vater Ares von dem Kampf erfuhr, geriet er in Wut und wollte Kyknos zu Hilfe eilen, doch dabei wurde er von Athene aufgehalten. Sie brachte Ares zu den Moiren, die ihm das Schicksal seines Sohnes voraussagten: Kyknos werde von Herakles erschlagen werde, wenn Herakles nicht vorher erschlagen würde. Sofort begab sich Ares zum Kampfplatz der beiden und wollte einen Schlag gegen Herakles ausführen, doch Athene verhinderte dies rechtzeitig. Herakles nutzte sein Glück und verwundete Ares am Schenkel. Daraufhin akzeptierte Ares das Schicksal seines Sohnes, der anschließend von Herakles getötet wurde. Zur Belohnung seiner Tapferkeit wurde Kyknos von Zeus an den Himmel versetzt, wo er heute als Sternbild Cygnus, der Schwan zu bewundern ist. Der Sage zufolge wurde der Tempel später nie fertiggestellt.

venus-auf-dem-siegeswagenMeissner Prozellan, 18. Jhd. – Venus auf dem Siegeswagen

Während bei Kygnos der unerschütterliche Kampfesmut und die Opferbereitschaft im Vordergrund standen, verweist das 10 Buch der Metamorphosen Ovids an eine weitere Rolle des Schwanes im Zusammenhang mit der Göttin Venus. Hier beschreibt der römische Dichter, wie die Stammmutter der Römer mit ihrem von Schwänen gezogenen Siegeswagen auf die Insel Zypern fuhr, um den von ihr innig geliebten Adonis zu retten. Der weiße Schwan gilt in allen Kulturen als positives Symbol und versinnbildlicht Mut, Tapferkeit, Treue, sowie edle Reinheit und Herkunft. Diese Tapferkeit offenbart sich beim Schwan in der Verteidigung seiner Brut, während die Treue sich in der lebenslangen Bind- ung eines Schwanenpaares zeigt.

Insofern bot der Schwan in Antike, wie auch später im Mittelalter das ideale Vorbild um ihn als Symbol einer kämpferischen Wertegemeinschaft zu sehen. Im römischen Heer wurden die drei Eigenschaften des Schwanes durch drei Begriffe, die die altrömischen Tugenden verkörperten verinnerlicht: fides, virtzs und pietas, also Reue Tapferkeit und Pflichtgefühl. Fides beschreibt eine gegenüber einem anderen eingegangene Bindung, oder auch die Verpflichtung zu einer sittlichen Bindung und ermöglicht so das gegenseitige Vertrauen. Fides kann auch als `wechselseitige Redlichkeit´ umschrieben werden. Virtus leitet sich von dem Wort von vir, der Mann und umfasst seine ihn besonders aus- zeichnenden Eigenschaften wie Kraft und Tapferkeit. Somit ist Virtus der Inbegriff der Männlichkeit. Sie offenbart sich im Soldatsein während Krieges und so wurde der Begriff  virtus zu einem Inbegriff der militärischen Tugend. Zu ihr gehören körperlicher Leist-ungsfähigkeit, persönlichem Mut, Disziplin, Befehlen- und Gehorchen können, Ausdauer in Niederlagen, Mäßigung im Siege. Pietas, die dritte Eigenschaft, bezeichnet das Pflicht-gefühl gegenüber Eltern, Kindern, Verwandten, Staat (res publica / patria) und Göttern.

modell-des-stadttoresPorta Nigra, Modell mit Prozessionsstraße

Völlig konträr zur eigentlichen Symbolik erhielt die um 180 n. Chr. errichtete Porta Nigra , das schwarze Tor, ihren Namen. Noch im Mittelalter scheinen aber Spuren des frühen Wissens erhalten gewesen zu sein, denn zu dieser Zeit wurde das Bauwerk Tor des Mars genannt. Seine besondere Bedeutung erhielt das Tor aber durch seine Ausrichtung, die allein durch begleitende Prozessionstrasse nicht zufällig gewäht sein konnte. Dieses Tor war auf das Auftauchen des hellsten Sterns Deneb aus dem Sternbild Cygnus ausge-richtet. In jener Zeit tauchte der am Abend unter diesem Sichtwinkel über dem Horizont auf. Das himmlische Schauspiel im Nordosten der Stadt Augusta Treverorum bot also, täglich die Gelegenheit, Legionäre, die auf der prachtvoll gestalteten Straße ausrückten, an die altrömischen Tugenden vides, virtus, pietas zu erinnern. Innerhalb der Überhöhung dieser Tugenden diente der vor dem Stadttor angelegte Friedhof wohl dazu, dies noch zu unterstreichen.

porta-nigra-und-schwanPorta Nigra im Zeichen des Schwans

Geradezu symbolisch hat sich hier mit der Farbe Schwarz das Leichentuch der Geschichte über die alten Zusammenhänge gelegt. Doch die Geometrie ist nur schwer zerstörbar und offenbart auch nach Jahrhunderten noch ihre Gedanken.

Bilder: Wikipedia/ Porta Nigra Feldseite, Stadtseite, Berthold Werner /Modell der Porta Nigra zur Römerzeit, ca. 4. Jh., Stefan Kühn /Westseite mit vorgelagertem „Brunnenhof“ im Jahre 1955, CTHOE / Simulation stellarium

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